Abnehmspritzen: NYU-Analyse sieht bei Männern 7 Prozent mehr Haarausfallrisiko
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Forschung liefert neue Erkenntnisse über die Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten, die weithin als Abnehmspritzen bekannt sind. Während die Präparate primär zur Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, rücken nun dermatologische Begleiterscheinungen in den Fokus.
Aktuelle Analysen deuten darauf hin, dass ein statistischer Zusammenhang zwischen der Anwendung dieser Medikamente und einem erhöhten Risiko für Haarausfall sowie Nagelveränderungen besteht.
Genetische Analysen zum Risiko für Haarausfall bei Männern
Laborversuche von NYU Langone Health legen nahe, dass GLP-1-Präparate bei Männern das Risiko für erblich bedingten Haarausfall um rund 7 % steigern könnten.
Die im Journal of Investigative Dermatology veröffentlichte Studie untersuchte Männer mit androgenetischer Alopezie und fand eine entsprechend höhere Wahrscheinlichkeit für Haarausfall im Zusammenhang mit der Aktivität von GLP-1-Rezeptoren. Für die genetische Analyse wurden DNA-Datenbanken von mehr als 31.000 beziehungsweise mehr als 200.000 Personen europäischer Abstammung herangezogen.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen laut den Forschenden einen möglichen Zusammenhang auf, stellen jedoch keinen direkten Kausalnachweis dar. Zudem bezieht sich die Studie ausschließlich auf Männer; über Auswirkungen auf Frauen lässt die Datenlage keine Rückschlüsse zu. Es wird betont, dass die Analyse keine behandelten Patienten direkt untersuchte und somit weder eine eindeutige Ursache noch Aussagen über die Dauerhaftigkeit eines möglichen Haarausfalls belegt.
Klinische Beobachtungen zu Nagel- und Kopfhautveränderungen
Zwei internationale Studien verglichen hierbei 575 Nutzer von GLP-1-Mitteln mit einer Kontrollgruppe von 1.329 Personen, die unter Adipositas oder Typ-2-Diabetes litten, aber keine entsprechenden Medikamente einnahmen. Die Teilnehmenden stammten aus Frankreich, den USA, Brasilien und Mexiko.
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Die Ergebnisse der sogenannten SCOP-GLP1-Studie weisen auf deutliche Unterschiede hin:
* Nagelveränderungen: 66 % der GLP-1-Nutzer meldeten mindestens eine Nagelstörung, im Vergleich zu 53 % in der Kontrollgruppe.
Besonders auffällig war die Häufigkeit von Nagelablösungen (39 % bei Nutzern gegenüber 9 % in der Kontrolle) sowie Nagelverfärbungen (46 % gegenüber 17 %).
* Haar- und Kopfhautprobleme: Ungewöhnlicher Haarausfall wurde von 50 % der Anwender berichtet, während dieser Wert in der Kontrollgruppe bei 34 % lag.
Eine verringerte Haardichte gaben 42 % der Nutzer an (Kontrolle: 19 %). Zudem wurde eine etwa dreimal so hohe Wahrscheinlichkeit für Kopfhautrötungen beobachtet.
Demnach trat der Haarausfall meist zwei bis vier Monate nach Beginn der Behandlung auf. Mehr als die Hälfte der betroffenen Nutzer suchte aufgrund dieser Beschwerden medizinische Hilfe auf.
Einordnung der Ergebnisse und Empfehlungen
Trotz der statistischen Auffälligkeiten mahnen Fachleute zur Vorsicht bei der Interpretation. Die vorliegenden Beobachtungsdaten beweisen keine direkte Ursache durch die Arzneimittel.
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Experten weisen darauf hin, dass Haarausfall auch eine Folge von schnellem Gewichtsverlust und einer genetischen Veranlagung sein kann. Laut den beim EADV-Kongress vorgestellten Daten korrelierten die Kopfhautprobleme jedoch nach Einschätzung der Forscher nicht unmittelbar mit dem Ausmaß des Gewichtsverlusts.
In der medizinischen Fachwelt wird empfohlen, bei auffälligem Haarausfall oder Nagelveränderungen einen Arzt zu konsultieren. Eine Endokrinologin rät in diesem Zusammenhang zu einer ausreichenden Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen sowie zu einer moderaten Geschwindigkeit bei der Gewichtsabnahme, um den Körper zu entlasten.
Patienten wird ausdrücklich davon abgeraten, die Behandlung eigenständig abzusetzen; stattdessen sollten Beschwerden im Rahmen der ärztlichen Betreuung besprochen werden. Weitere Forschung ist bereits geplant, um die zugrunde liegenden Mechanismen und mögliche Zusammenhänge bei Frauen detaillierter zu untersuchen.
