Abnehmspritzen, Antikörper

Abnehmspritzen: Neuer Antikörper stoppt bis zu 50% Muskelverlust

16.06.2026 - 08:41:22 | boerse-global.de

Studien zeigen: Antikörper wie Apitegromab können Muskelabbau bei GLP-1-Therapie deutlich reduzieren. Experten setzen aber weiter auf Sport.

Neue Antikörper gegen Muskelverlust bei Abnehmspritzen
Abnehmspritzen - Nahaufnahme von stilisierten Muskelsträngen, die sich mit pharmazeutischen Elementen vermischen, vor einem modernen medizinischen Hintergrund. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Hype um Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy hat eine Schattenseite: Patienten verlieren nicht nur Fett, sondern auch wertvolle Muskelmasse. Bis zu 40 Prozent des Gewichtsverlusts können auf Magermasse entfallen. Jetzt rücken neue Wirkstoffe in den Fokus, die genau diesen Effekt verhindern sollen.

Antikörper schützt Muskeln in Studie

Eine aktuelle Phase-2-Studie im Fachjournal Nature Medicine zeigt vielversprechende Ergebnisse. Forscher testeten den Antikörper Apitegromab in Kombination mit dem Wirkstoff Tirzepatid an 102 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas. Über 24 Wochen hinweg untersuchten sie, ob sich der Muskelabbau bremsen lässt.

Anzeige: Bis zu 40% des Gewichtsverlusts bei Abnehmspritzen ist Muskelmasse – das schwächt Körper und Stoffwechsel. Jetzt zeigt eine Studie: Mit natürlichen Strategien können Sie den Muskelabbau bremsen. Jetzt kostenlosen Report anfordern

Die Daten sprechen eine klare Sprache: In der Placebo-Gruppe verloren Probanden rund 3,5 Kilogramm Magermasse – das entspricht 30,2 Prozent des gesamten Gewichtsverlusts. In der Apitegromab-Gruppe waren es nur 1,6 Kilogramm (14,6 Prozent). Der Antikörper rettete also knapp zwei Kilogramm Muskelmasse. Der gesamte Gewichtsverlust blieb mit 11,2 Kilogramm gegenüber 12,5 Kilogramm vergleichbar.

Apitegromab stammt vom Biotech-Unternehmen Scholar Rock. Der Wirkstoff hemmt Myostatin – ein Protein, das normalerweise das Muskelwachstum bremst. Die Nebenwirkungsrate lag in der Kombinationsgruppe mit 76 Prozent leicht über der Vergleichsgruppe (71 Prozent).

Weitere Kandidaten in der Pipeline

Parallel dazu präsentierte der Hersteller Regeneron auf dem Kongress der American Diabetes Association (ADA) eigene Daten. In einer 26-wöchigen Studie testeten sie die Antikörper Trevogrumab und Garetosmab in Kombination mit Semaglutid.

Trevogrumab verhinderte etwa die Hälfte des Magermasse-Verlusts und förderte zudem die Fettverbrennung. Eine Dreifachkombination mit Garetosmab zeigte noch stärkere Effekte auf den Muskelerhalt – allerdings bei höheren Nebenwirkungsraten. Die Forscher sehen die Ergebnisse als vielversprechend, fordern aber weitere Phase-3-Studien zur Bestätigung.

Experten warnen vor Risiken

Trotz der positiven Daten mahnen Fachleute zur Vorsicht. Haiko Schlögl von der Uniklinik Leipzig betont: „Muskelabbau während einer Diät ist primär auf Energiemangel und verringerte Proteinzufuhr zurückzuführen.“ Ein Eingriff in die körpereigenen Kontrollmechanismen der Muskulatur sei nicht ohne Risiko.

Die pharmakologischen Interventionen könnten zwar für Patienten sinnvoll sein, die aufgrund körperlicher Behinderungen kein Training absolvieren können. Für die breite Masse bleiben Sport und gezielte Ernährung aber die bevorzugten Methoden.

Kritikpunkte der Experten: Die bisherigen Studien decken nur kurze Zeiträume ab. Wichtige funktionelle Daten – etwa zur tatsächlichen Muskelkraft – fehlen noch. Zudem besteht ein Großteil der Probanden aus Frauen, was die Verallgemeinerbarkeit einschränkt.

Anzeige: Muskelschwund durch GLP-1-Therapie? Neue Forschungsergebnisse zeigen: Krafttraining und gezielte Ernährung sind die wirksamsten Methoden gegen Muskelverlust – ohne zusätzliche Medikamente. Muskelerhalt-Report jetzt sichern

Fitness statt Pharmaka?

Internationale Fitnessverbände aus den USA, Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland fordern eine stärkere Integration von Krafttraining in die Behandlungspfade bei GLP-1-Therapien. Ein Whitepaper von FTI Consulting beziffert den potenziellen wirtschaftlichen Wert solcher Programme: allein im Vereinigten Königreich auf 2,7 Milliarden Pfund, in den USA auf rund 120 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre.

Die Verbände plädieren für strukturierte Überweisungswege von Arztpraxen zu qualifizierten Fitnesseinrichtungen. Ihr Ziel: den Muskelschwund nachhaltig und ohne zusätzliche medikamentöse Risiken zu begrenzen.

de | wissenschaft | 69550371 |