Abnehmspritzen: Neuer Antikörper schützt 55% mehr Muskeln
12.06.2026 - 15:48:25 | boerse-global.de
Ab 40 sinkt die Muskelmasse, der Stoffwechsel wird träger. Wer dann abnehmen will, kämpft gegen mehrere physiologische Hürden.
Hormone spielen verrückt, der Grundumsatz fällt. Besonders Frauen haben es schwer: Östrogenspiegel und Wassereinlagerungen von bis zu zwei Kilogramm machen die Sache kompliziert. Männer haben im Schnitt 38 Prozent Muskelanteil, Frauen nur 31 Prozent – das zeigt eine MRT-Studie.
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Die Lösung? Krafttraining und Protein. Die DAK empfiehlt 1,2 bis 1,4 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht. Dazu mindestens 30 Gramm Ballaststoffe täglich – etwa aus Hülsenfrüchten, Chiasamen oder resistenter Stärke. Die DGE schwört drauf.
Schnell oder langsam? Eine Studie stellt alte Regeln auf den Kopf
Lange hieß es: Bloß nicht zu schnell abnehmen, sonst kommt der Jo-Jo-Effekt. Eine norwegische Studie räumt jetzt mit diesem Mythos auf.
Die Daten wurden im Mai auf dem Europäischen Adipositas-Kongress in Istanbul präsentiert. 284 Teilnehmer machten mit. Eine Gruppe aß extrem wenig (unter 1.000 kcal täglich) – und verlor nach vier Monaten 13 Prozent Gewicht. Die moderate Gruppe (1.400 kcal) kam nur auf 8 Prozent.
Auch nach einem Jahr lag die Schnell-Abnehmer-Gruppe vorn: 14,4 Prozent versus 10,5 Prozent. Die Forscher sind sich sicher: Ein zügiger Start führt nicht automatisch zur schnellen Wiederzunahme. Für Menschen mit Adipositas ist das eine echte Option.
Abnehmspritzen: Das große Muskel-Problem
GLP-1-Rezeptor-Agonisten – besser bekannt als Abnehmspritzen – sind der Renner. Aber sie haben einen Haken: 10 bis 30 Prozent der Patienten sprechen gar nicht an. Schuld sind genetische Unterschiede und die Darmflora.
Noch kritischer: Die Mittel lassen nicht nur Fett schmelzen, sondern auch Muskeln. Genau hier setzt eine neue Studie an, die im Juni in Nature Medicine erschien.
Der Antikörper Apitegromab hemmt Myostatin – ein Protein, das Muskelwachstum bremst. In Kombination mit Tirzepatid getestet, zeigte sich: Die Probanden verloren 55 Prozent weniger fettfreie Masse als die Placebo-Gruppe. Konkret: 1,6 Kilo Magermasse statt 3,5 Kilo – bei gleichem Gesamtgewichtsverlust.
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Die Pharmariesen arbeiten bereits an der nächsten Generation. Roche testet Enicepatid, das in 48 Wochen bis zu 22,7 Prozent Gewichtsreduktion zeigte. Zealand Pharma plant fürs zweite Halbjahr weitere Studien zu Petrelintid.
Weniger Gewicht, stärkeres Herz
Dass Abnehmen das Herz entlastet, ist bekannt. Eine Studie von Johns Hopkins Medicine zeigt jetzt, wie dramatisch die Effekte sind.
312 Erwachsene mit einem BMI von mindestens 40 wurden sechs Monate beobachtet. Ergebnis: Wer 12 Prozent Gewicht verlor, verbesserte die Kontraktions- und Entspannungsfähigkeit des Herzmuskels spürbar. Besonders bei einer Reduktion von mindestens 10 Prozent erreichten die Herzmuskelzellen fast normale Kraftwerte.
Für Menschen mit Herzinsuffizienz (HFpEF) – einer Form, die bei Adipositas gehäuft auftritt – sind das hochrelevante Erkenntnisse.
Was im Alltag wirklich hilft
Die Forschung liefert klare Handlungsempfehlungen. Ein Ernährungstagebuch erhöht die Erfolgschancen enorm. Dazu: eiweißreiches Frühstück, regelmäßige Mahlzeiten gegen Heißhunger, Verzicht auf hochverarbeitete Fertigprodukte.
Ein Trend hält Experten zufolge keiner wissenschaftlichen Prüfung stand: das Trinken von Olivenöl. Die Kaloriendichte ist hoch, ein Zusatznutzen gegenüber normalem Verzehr nicht belegt. Finger weg.
