Abnehmspritzen, Kombination

Abnehmspritzen: Neue Kombination reduziert Muskelverlust auf 10,8%

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 07:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Moderne Wirkstoffe wie Semaglutid senken das Gewicht, gefährden aber die Muskelmasse. Neue Präparate sollen den Abbau reduzieren.

Abnehm-Medikamente: Muskelschwund als ernste Nebenwirkung
Eine digitale Waage zeigt ein Gewicht an, im unscharfen Hintergrund eine Person, die Sport treibt, symbolisiert biologische Mechanismen der Gewichtsregulierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Set-Point-Theorie erklärt, warum klassische Diäten oft scheitern.

Unser Organismus verteidigt ein biologisch verankertes Sollgewicht. Sobald die Kilos purzeln, bremst der Körper den Stoffwechsel und steigert das Hungergefühl. Die Folge: Selbst radikale Lebensstiländerungen bringen oft nur minimale Erfolge. Manche Betroffene verlieren trotz großer Mühe lediglich drei Kilogramm bei hohem Ausgangsgewicht.

Medikamente helfen – aber mit Nebenwirkungen

Moderne Wirkstoffe wie Semaglutid und Tirzepatid (bekannt als Ozempic oder Mounjaro) versprechen Abhilfe. Klinische Studien zeigen beeindruckende Zahlen: Semaglutid führt im Schnitt zu 17 Prozent Gewichtsverlust, Tirzepatid sogar zu bis zu 20,9 Prozent.

Doch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) warnt vor einem ernsten Problem: Die Präparate reduzieren nicht nur Fett, sondern auch wertvolle Muskelmasse. Zwischen 25 und 40 Prozent des Gewichtsverlusts gehen auf Kosten der Muskeln. Besonders für ältere Patienten droht eine Sarkopenie – der gefährliche Abbau von Muskelgewebe.

Experten empfehlen deshalb begleitendes Krafttraining und proteinreiche Ernährung. Und noch ein Risiko lauert: Nach dem Absetzen droht der Jo-Jo-Effekt, denn die biologischen Mechanismen des Set-Points bleiben aktiv.

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Nächste Generation: Weniger Muskelschwund

Die Pharmaindustrie arbeitet an besseren Lösungen. Pfizer, Roche, Boehringer Ingelheim und Amgen entwickeln Nachfolgepräparate. Das Ziel: seltenere Injektionen und weniger Muskelabbau. Monatliche Spritzen oder Kombinationstherapien mit monoklonalen Antikörpern könnten schon bald nur vier bis sechs Anwendungen pro Jahr erfordern.

Eine Phase-3-Studie von Boehringer Ingelheim liefert vielversprechende Daten: Eine Kombination aus GLP-1 und Glukagon führte über 72 Wochen zu 16,6 Prozent Gewichtsverlust. Der entscheidende Vorteil: Nur 10,8 Prozent der verlorenen Masse waren Muskeln – deutlich weniger als bei aktuellen Standardpräparaten. Zudem normalisierte sich bei vielen Probanden der Leberfettwert.

Bleibt die Verträglichkeit: Rund 20 Prozent der Teilnehmer brachen die Studie wegen Nebenwirkungen ab.

Systemische Herausforderungen

Die Zahlen sind alarmierend. Laut WHO-European Obesity Report 2022 sind in Europa rund 60 Prozent der Erwachsenen von Übergewicht oder Adipositas betroffen. In Deutschland liegt die Quote bei 65 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen.

Kritiker bemängeln den herkömmlichen Body-Mass-Index (BMI): Er bildet komplexe Faktoren wie den tatsächlichen Körperfettanteil oft unzureichend ab. Systemische Modelle wie die „Foresight Obesity Map“ zeigen: Übergewicht entsteht aus einem Zusammenspiel von Genetik, Umwelt und Psychologie.

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Ein spezifischer Forschungsbereich betrifft das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS). Im Frühjahr 2026 benannten 56 Organisationen die Erkrankung in Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) um. Weltweit sind rund 170 Millionen Frauen betroffen, 85 Prozent von ihnen haben eine Insulinresistenz. Am 22. Mai 2026 empfahl die EMA eine orale Semaglutid-Tablette zur Gewichtsregulierung für diese Patientengruppe.

Vorsicht vor Abnehmpflastern

Die Verbraucherzentrale warnt vor Produkten mit zweifelhafter Wirksamkeit. Sogenannte Abnehmpflaster mit Inhaltsstoffen wie Berberin, Glutamin oder Chrom versprechen Gewichtsreduktion ohne Diät oder Sport. Die wissenschaftliche Evidenz für Berberin in dieser Darreichungsform ist jedoch unzureichend. Fachleute sagen: Mögliche Effekte wären nur bei deutlich höheren Dosierungen denkbar.

Interessant: Eine norwegische Studie mit 284 Teilnehmenden vom Mai 2026 zeigt, dass schneller Gewichtsverlust durch stark kalorienreduzierte Diäten nicht zwangsläufig zu schnellerer Gewichtszunahme führt. Nach zwölf Monaten hatten Probanden mit radikaler Einschränkung 14,4 Prozent verloren, die Vergleichsgruppe nur 10,5 Prozent. Die Strategien zur Überwindung des körperlichen Sollgewichts wirken offenbar individuell sehr unterschiedlich.

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