Abnehmspritzen, Brasilien

Abnehmspritzen in Brasilien: Anvisa verbietet Werbung und beschlagnahmt Präparate

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Brasiliens Gesundheitsbehörde untersagt Semavy-Werbung, beschlagnahmt nicht registrierte Präparate und warnt vor selbst gemischten Injektionen.

Anvisa geht gegen Werbung und illegale Abnehmspritzen vor
Sterile Laborumgebung mit Edelstahlflächen und Glasfläschchen auf einem Arbeitstisch in einer pharmazeutischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Die brasilianische Gesundheitsbehörde Anvisa verstärkt ihre Aufsichtstätigkeit im Bereich der pharmazeutischen Gewichtsreduktionsmittel. Im Fokus stehen dabei sowohl die unzulässige Vermarktung zugelassener Arzneimittel als auch die Verbreitung nicht registrierter Substanzen. Jüngste Maßnahmen verdeutlichen die strikte Anwendung der nationalen Werbe- und Sicherheitsvorschriften für verschreibungspflichtige Medikamente.

Werbeverbot für Semaglutid-Präparat Semavy

Die Anvisa hat ein Werbeverbot für das Medikament Semavy (Wirkstoff Semaglutid) des Herstellers Cosmed erlassen. Hintergrund dieser Entscheidung ist die Zweckbestimmung des Präparats: Semavy ist ausschließlich für die Behandlung von unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes zugelassen. Da es sich um ein rezeptpflichtiges Medikament handelt, unterliegt es strengen gesetzlichen Werbebeschränkungen.

Anlass für das Einschreiten der Behörde waren Werbemaßnahmen auf elektronischen Tafeln am Flughafen Congonhas sowie Präsentationen auf der offiziellen Produktwebsite und in sozialen Medien.

Gemäß dem Gesetz 6.360/1976 ist es untersagt, Werbung für Medikamente, die mit einem roten oder schwarzen Warnhinweis versehen sind, direkt an die breite Öffentlichkeit zu richten. Die Behörde hat Cosmed beziehungsweise den Mutterkonzern Hypera um eine offizielle Stellungnahme zu diesen Vorgängen gebeten.

Restriktionen gegen nicht registrierte Injektionslösungen

Parallel zur Kontrolle zugelassener Produkte geht die Anvisa gegen die Herstellung und den Vertrieb von Präparaten vor, die in Brasilien über keine gültige Registrierung verfügen. Die Behörde untersagte die Herstellung, den Verkauf, den Import sowie die Verwendung zahlreicher Injektionslösungen zur Gewichtsreduktion und ordnete deren sofortige Beschlagnahmung an.

Anzeige

Immer mehr Menschen greifen zu Abnehmspritzen – doch nicht jede Quelle ist sicher. Behörden beschlagnahmen nicht registrierte Präparate und warnen vor selbst zubereiteten Injektionen. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie sichere Bezugsquellen erkennen und Risiken vermeiden. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern

Von diesem Verbot sind unter anderem die Produkte Gluconex und Tirzedral betroffen. Ebenfalls auf der Liste der untersagten Präparate stehen Wirkstoffformulierungen wie Tirzepatid, Retatrutid, Synedica, TG, T.G. 5, Lipoless, Lipoless Eticos, Tirzazep und T.G. Indufar. Da diese Produkte als illegal eingestuft werden, sieht die Behörde keine Gewährleistung für deren Qualität, Sicherheit, Wirksamkeit oder Herkunft.

Besonders bei dem Wirkstoff Retatrutid betont die Aufsicht, dass dieses Peptid weltweit noch für keinen kommerziellen Gebrauch zugelassen ist. Auch das Präparat CBL-514, welches derzeit aktiv beworben wird, befindet sich erst in der klinischen Phase 2 und besitzt keine Zulassung für den Markt.

Risiken durch unkontrollierte Wirkstoff-Importe und Eigenanwendung

Ein weiterer Schwerpunkt der behördlichen Warnungen betrifft die missbräuchliche Verwendung von Rohstoffen. In einer Mitteilung vom 23. September 2026 warnte die Anvisa vor Tirzepatid-Pulver, das über Online-Plattformen vertrieben wird. In sozialen Netzwerken kursierende Videos leiten Konsumenten dazu an, dieses Pulver eigenständig zu verdünnen und zu injizieren.

Die Behörde weist darauf hin, dass bei solchen nicht geprüften Produkten weder die Konzentration noch die Reinheit oder Sterilität nachgewiesen werden können. Die Anwendung selbst zubereiteter, potenziell kontaminierter Injektionen berge erhebliche gesundheitliche Gefahren.

Anzeige

Selbst zubereitete Injektionen aus online gekauftem Pulver können schwere Infektionen verursachen – bis hin zu Sepsis. Die Behörden warnen ausdrücklich vor dieser Praxis. Erfahren Sie in unserem Leitfaden, welche Warnsignale auf illegale Angebote hinweisen und wie eine sichere, ärztlich begleitete Behandlung aussieht. Warnsignale jetzt prüfen – Leitfaden sichern

Mögliche Folgen seien lokale Infektionen und Abszesse, die im Extremfall zu einer Sepsis, Organversagen oder zum Tod führen können. Während Tirzepatid in Brasilien unter dem Handelsnamen Mounjaro zugelassen ist, bleibt die Abgabe streng an eine medizinische Indikation und eine ärztliche Verschreibung gebunden.

Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen wird durch aktuelle Beschlagnahmungszahlen unterstrichen. Bei insgesamt 19 Kontrollen in der ersten Septemberhälfte 2026 am Flughafen Galeão stellten die Anvisa, die Receita Federal und die Bundespolizei erhebliche Mengen illegaler Substanzen sicher. Insgesamt wurden dabei 347 Einheiten Tirzepatid, 572 Einheiten Retatrutid sowie 198 Einheiten GHK-Cu konfisziert.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70184192 |