Abnehmspritzen, Gefälschte

Abnehmspritzen: Gefälschte Ozempic-Packungen gefährden Patienten

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden und Apotheker warnen vor gefälschten Medikamenten und riskanten Internet-Käufen. Neue Semaglutid-Tablette erhöht Beratungsbedarf.

BKA warnt vor gefälschten Abnehmspritzen und illegalen Online-Apotheken
Ein ungekennzeichneter Blister mit Tabletten liegt auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Markt für verschreibungspflichtige Arzneimittel und hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel sieht sich einer wachsenden Herausforderung durch dubiose Internetangebote gegenüber.

Aktuelle Berichte des Bundeskriminalamts (BKA) sowie Warnungen pharmazeutischer Fachgremien verdeutlichen die gesundheitlichen und rechtlichen Risiken, die mit dem Bezug von Präparaten außerhalb kontrollierter Abgabewege einhergehen. Besonders im Fokus stehen dabei neuartige Wirkstoffe zur Gewichtsreduktion sowie Trends im Bereich der Vitamin-Supplementierung.

Zunahme von Rezeptfälschungen und gefälschten Präparaten

Nach Angaben des BKA ist in den vergangenen zwei Jahren eine deutliche Zunahme von Rezeptfälschungen im Zusammenhang mit Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy zu verzeichnen. Dabei greifen kriminelle Akteure, die häufig osteuropäischen Banden zugeordnet werden, vermehrt auf gefälschte Papierrezepte zurück. Die Fälschungen seien laut der Behörde oft nur schwer als solche erkennbar.

Neben der Dokumentenfälschung stellt der Inverkehrbringung gefälschter Medikamente ein erhebliches Risiko dar. So wurden beispielsweise 199 Packungen des Präparats Ozempic mit identischen Seriennummern identifiziert. In einigen Fällen handelte es sich um umetikettierte Insulin-Pens, die keinen Semaglutid-Wirkstoff enthielten.

Die Anwendung solcher Fälschungen birgt die Gefahr einer lebensbedrohlichen Hypoglykämie (Unterzuckerung). Angesichts dieser Entwicklungen fordert das Pharmaunternehmen Eli Lilly soziale Netzwerke auf, gegen die zunehmenden illegalen Verkaufsangebote auf ihren Plattformen vorzugehen, da die Werbeverbote allein nicht mehr ausreichten.

Markteinführung der Semaglutid-Tablette verschärft Beratungsbedarf

Die Apothekerkammer Nordrhein warnte im August 2026 vor dem unkontrollierten Bezug von Arzneimitteln über das Internet. Hintergrund ist unter anderem die für September angekündigte Markteinführung einer verschreibungspflichtigen Semaglutid-Tablette zur Gewichtsreduktion in Deutschland.

Während Studien einen Gewichtsverlust von 15 bis 20 Prozent belegen, betonen Fachleute wie der Apotheker Christoph Herrmann aus Duisburg und Mareile Schlebes aus Krefeld die Notwendigkeit einer pharmazeutischen Beratung. Diese schütze vor Fehlanwendungen, insbesondere da das Präparat morgens nüchtern und exakt 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen werden müsse.

Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, und Thomas Preis vom Apothekerverband unterstrichen die Bedeutung einer ärztlichen Diagnose. In der Schweiz wird die Zulassung der Tablette für Anfang 2027 erwartet, wobei die Kosten für die Injektionsvarianten derzeit zwischen 200 und 500 CHF pro Monat liegen. In Deutschland erfolgt eine Erstattung bislang ausschließlich für Diabetiker.

Anzeige

Wer sich mit der Sicherheit von Arzneimitteln befasst, sollte besonders im Alter auf die spezifischen Risiken vieler Wirkstoffe achten. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber deckt auf, welche über 180 Medikamente für Senioren riskant sein können und welche sicheren Alternativen existieren. Die Priscus 2.0-Liste jetzt kostenlos anfordern

Risiken bei Nahrungsergänzungsmitteln und Trend-Behandlungen

Über die Arzneimittel hinaus warnen Experten vor hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln und invasiven Wellness-Trends. Ein Vorfall aus dem Juli 2026, bei dem ein sechs Monate alter Säugling aufgrund einer schweren Vitamin-D-Vergiftung stationär behandelt werden musste, unterstreicht die Gefahren einer unkontrollierten Supplementierung.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt zudem vor sogenannten Drip-Spa-Infusionen. Diese besitzen in Deutschland keine Zulassung als Arzneimittel und ihr Nutzen für Gesunde ist nicht belegt.

Das Institut weist auf erhebliche Risiken hin, darunter Herzrhythmusstörungen durch Kalium-Überdosierungen oder Nierensteine infolge hochdosierter Vitamin-C-Gaben. Solche Infusionen seien nur bei einem nachgewiesenen Mangel unter fachlicher Kontrolle sinnvoll.

Anzeige

Schwindel oder Verwirrtheit werden oft als Alterserscheinung abgetan, können jedoch die Folge von Wechselwirkungen gängiger Präparate sein. Informieren Sie sich in diesem Gratis-Report über die Wahrheit hinter vielen Seniorenmedikamenten und wie Sie Stürze vermeiden können. Kostenlosen Medikamenten-Report hier herunterladen

Parallel dazu warnen Fachleute vor dem „Cortisol-Detox“-Trend. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) stuft hierfür angebotene Selbsttests als ungenau und irreführend ein. Es gebe keinen belegten direkten Zusammenhang zwischen Cortisolwerten und Bauchfett; bei Verdacht auf krankhafte Abweichungen sei eine medizinische Abklärung unerlässlich.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Langzeitwirkung

Trotz der Risiken durch unkontrollierten Bezug zeigen wissenschaftliche Untersuchungen das Potenzial kontrollierter Therapien. Eine auf dem ESC-Kongress vorgestellte Studie mit 17.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von drei Jahren ergab, dass eine wöchentliche Gabe von 2,4 mg Semaglutid die Gesamtsterblichkeit und Entzündungswerte senken kann.

Die Forscher beobachteten eine signifikante Verjüngung biologischer Marker, die unabhängig vom reinen Gewichtsverlust auftrat. Dennoch bleibt die Therapietreue eine Hürde: Daten zeigen, dass etwa die Hälfte der Patienten die Behandlung nach einem Jahr abbricht.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69996359 |