Abnehmspritzen: Frankreich übernimmt Kosten ab Juni, USA bauen ab
03.06.2026 - 04:50:43 | boerse-global.deDie Erstattung von Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro entwickelt sich Mitte 2026 in völlig unterschiedliche Richtungen. Während Frankreich als erstes EU-Land die Kosten übernimmt, schränken US-Arbeitgeber die Deckung ein.
Frankreich geht voran
Ab dem 15. Juni 2026 übernimmt Frankreich die öffentlichen Kosten für GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion. Der Staat erstattet 65 Prozent der Kosten – in vielen Fällen ist sogar eine vollständige Übernahme möglich.
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Die Regeln sind streng: Zugang haben nur Menschen mit einem BMI von mindestens 40 oder einem BMI von 35 plus Begleiterkrankungen. Die Behandlung läuft ausschließlich über spezialisierte Adipositas-Zentren. Die Behörden rechnen mit jährlichen Kosten von rund 100 Millionen Euro. Etwa eine Million Menschen kommen für die Erstattung infrage.
USA: Cigna streicht Mitarbeiter-Deckung
Ganz anders die Entwicklung in den USA. Der Krankenversicherer Cigna informierte seine Belegschaft Anfang Juni: Zum 1. Juli 2026 endet die Kostenübernahme für Wegovy und Zepbound im betrieblichen Gesundheitsplan.
Ein Sprecher begründete den Schritt mit der gestiegenen Verfügbarkeit und neuen Therapieoptionen. Die Entscheidung betrifft nur den internen Mitarbeiterplan – Diabetes-Behandlungen sind nicht eingeschränkt. Betroffene Mitarbeiter sollen künftig auf Hersteller-Portale oder alternative Zahlungsmodelle ausweichen.
Branchenbeobachter warnen: Selbst wenn ein Medikament auf den Formularen der Pharmacy Benefit Manager (PBM) steht, heißt das noch lange nicht, dass der Arbeitgeber auch zahlt. Oft kommen Vorabgenehmigungen oder strenge Indikationsbeschränkungen dazwischen.
Neue Darreichungsform aus den Emiraten
Der Markt für Adipositas-Medikamente differenziert sich weiter. In den Vereinigten Arabischen Emiraten brachte der Partner Metabolic Anfang Juni erstmals außerhalb der USA eine orale Form von Semaglutid auf den Markt. Die Tablette erreichte in Studien einen Gewichtsverlust von rund 17 Prozent nach 64 Wochen – eine echte Alternative zur Spritze.
Gleichzeitig sinken die Preise für Selbstzahler. Über Portale wie LillyDirect oder NovoCare sind Behandlungen teilweise für 149 bis 449 US-Dollar pro Monat verfügbar. Trotzdem hat über die Hälfte der Patienten Probleme mit der Erschwinglichkeit, wenn keine Versicherung greift.
Pilotprojekt für Senioren
Für US-Rentner bleibt die Lage kompliziert. Der Medicare Modernization Act schließt die Deckung von Abnehm-Medikamenten grundsätzlich aus. Wegovy wird nur bei kardiovaskulären Indikationen übernommen – und das erst seit 2024.
Eine Lösung zeichnet sich ab: Im Juli 2026 startet das Pilotprojekt „Medicare GLP-1 Bridge“. Berechtigte Senioren mit Adipositas-Diagnose erhalten GLP-1-Präparate für eine monatliche Zuzahlung von rund 50 US-Dollar. Das Projekt gilt als Übergangslösung – für 2027 ist eine breitere Ausweitung auf über 14 Millionen Versicherte geplant.
Bei Medicaid bleibt die Lage uneinheitlich. Nur etwa 13 Bundesstaaten decken das Gewichtsmanagement ab. Experten raten Betroffenen bei Ablehnung zum Einspruch unter Verweis auf die medizinische Notwendigkeit – auch wenn der Weg mühsam ist.
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