Abnehmspritzen, Muskelverlust

Abnehmspritzen: 38 Prozent Muskelverlust ohne Krafttraining

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

GLP-1-Präparate führen oft zu erheblichem Muskelabbau. Experten raten zu Krafttraining, Protein und Testosteron als Begleittherapie.

Abnehmspritzen: Muskelverlust als unterschätzte Gefahr für Männer
Anatomisches Modell von Muskelgewebe neben einer digitalen Körperanalysewaage in einer medizinischen Praxis. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Hype um Abnehmspritzen boomt – doch die Präparate haben einen Preis, der oft übersehen wird. Während die Verschreibungsraten in den USA von 1.884 pro 100.000 Erwachsenen Mitte 2021 auf 8.819 Anfang 2026 explodierten, rückt ein Problem in den Fokus: der Verlust wertvoller Muskelmasse. Besonders Männer mit niedrigem Testosteronspiegel sind gefährdet.

Wenn die Muskeln schmelzen

Ein bestehender Testosteronmangel gilt als zentraler Risikofaktor. Bei etwa jedem vierten Mann über 60 in Deutschland liegt dieser Mangel vor. Frank Sommer von der Universität Hamburg verweist auf Studienergebnisse: Bei einer 26-wöchigen Behandlung mit Abnehmspritzen ohne hormonelle Unterstützung entfielen rund 38 Prozent des verlorenen Gewichts auf fettfreie Masse.

Die gute Nachricht: Wer die Therapie mit Testosteron, gezieltem Krafttraining und eiweißreicher Ernährung kombiniert, kann seine Muskelmasse erhalten. Ohne diese Begleitmaßnahmen droht allerdings Sarkopenie – der übermäßige Abbau von Muskelgewebe und -funktion.

Mehr als nur Muskelverlust

Generell stammen bei GLP-1-Medikamenten wie Semaglutid oder Tirzepatid üblicherweise 25 bis 40 Prozent des Gewichtsverlusts aus fettfreier Masse. Zum Vergleich: Eine Langzeitstudie der University of California San Francisco mit über 1.400 Teilnehmern zeigte, dass Personen mit Jo-Jo-Effekt 3,7 Prozent ihrer Oberschenkelmuskulatur verloren – stabile Gewichtshalter nur ein Prozent.

Anzeige

Ab dem 50. Lebensjahr verliert der Körper jedes Jahr kontinuierlich an Muskelmasse – ein Prozess, der durch einseitige Diäten oft noch beschleunigt wird. Erfahren Sie in diesem Experten-Ratgeber, wie Sie mit nur 6 einfachen Übungen effektiv gegensteuern und Ihre Kraft erhalten können. Kostenlosen Krafttrainings-Ratgeber für zuhause anfordern

Auch das Herz-Kreislauf-System bleibt nicht unberührt. Eine zwölfwöchige Studie des American Journal of Physiology dokumentierte bei 66 Erwachsenen einen Anstieg des Ruhepulses um durchschnittlich 3,2 Schläge pro Minute unter GLP-1-Gabe. Die Herzfrequenzvariabilität sank gleichzeitig um 6,2 Millisekunden.

So bleibt die Muskelmasse erhalten

Fachleute empfehlen eine strukturierte Begleittherapie. Dazu gehören:

  • Krafttraining: Zwei- bis dreimal pro Woche, mit Progression alle ein bis zwei Wochen
  • Proteinzufuhr: Täglich 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht
  • Ernährungsstruktur: Das 211-Teller-Prinzip – halb Gemüse, je ein Viertel Protein und Vollkornprodukte

Die Pharmaindustrie arbeitet derweil an Kombinationspräparaten. Eine in Nature Medicine veröffentlichte Studie untersuchte Apitegromab, einen Antikörper gegen Myostatin. In Kombination mit Tirzepatid blieb die fettfreie Masse um 55 Prozent besser erhalten als in der Placebo-Gruppe.

Anzeige

Wer sich mit dem Erhalt seiner Muskulatur befasst, sucht oft nach Wegen, das Training ohne großen Zeitaufwand in den Alltag zu integrieren. Diese 17 Übungen eines renommierten Sportmediziners benötigen nur 3 Minuten täglich und helfen dabei, Beschwerden vorzubeugen und gezielt Kraft aufzubauen. 17 Wunderübungen jetzt gratis als PDF sichern

Wer zahlt den Preis?

In Deutschland bleibt die Kostenfrage ein Hindernis. Wegovy ist seit 2023 zugelassen, kostet aber monatlich 170 bis 300 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht – obwohl Sonja Optendrenk, Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, eine Neubewertung fordert.

Dabei zeigen sich neben den Risiken auch unerwartete Chancen: Eine Studie der University of California San Diego deutete bei 108 Patienten über 32 Wochen auf einen Anti-Aging-Effekt hin. Die Alterungsrate verlangsamte sich in sieben von elf Organsystemen. Dem stehen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Magen-Darm-Beschwerden gegenüber – sie treten bei 20 bis 25 Prozent der Anwender auf.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69922572 |