Abnehmmedikamente, Tirzepatid

Abnehmmedikamente: Tirzepatid und Cagrisema erzielen 15 Prozent Gewichtsverlust

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 10:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Fast jeder Vierte in Deutschland ist adipös. Neue Studien zeigen Erfolge von GLP-1-Medikamenten und widerlegen den Jo-Jo-Effekt bei schnellem Gewichtsverlust.

Adipositas in Deutschland: Neue Studien zu Abnehmspritzen und Diäten
Eine stilisiert leuchtende Medikamentenkapsel steht auf einer reflektierenden Oberfläche, im Hintergrund verschwommene Laborgeräte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit den 1970er Jahren hat sich die Häufigkeit von Fettleibigkeit fast verdreifacht, wie Daten des Robert Koch-Instituts zeigen.

Ein Haupttreiber dieser Entwicklung ist die Ernährung. Rund 46 Prozent der täglichen Energieaufnahme stammen aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Die KiGGS-Studie belegt: Steigt der Anteil dieser Produkte um zehn Prozent, erhöht sich das Risiko für Übergewicht um zwölf Prozent.

Abnehmspritze oder Pille? Das wollen die Deutschen

Im Kampf gegen die Kilos rücken Medikamente in den Fokus. GLP-1-Präparate gelten als vielversprechend. Eine Meta-Analyse im Fachmagazin BMJ mit über 200 Studien zeigt: Tirzepatid und Cagrisema führen zu einem Gewichtsverlust von rund 15 Prozent. Semaglutid schafft etwa zehn Prozent und senkt zusätzlich kardiovaskuläre Risiken.

Doch die Mittel haben Nebenwirkungen: Übelkeit und Erbrechen sind keine Seltenheit. Zudem verbesserte kein Medikament nachweislich die Lebensqualität der Patienten.

Die Frage der Darreichungsform spaltet die Deutschen. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag von GoLighter zeigt: 46,5 Prozent der Befragten würden eine Abnehmpille bevorzugen. Nur 8,7 Prozent setzen auf die Spritze. Bei Menschen mit einem BMI von mindestens 30 würden 43,6 Prozent eine Behandlung mit einer Tablette in Betracht ziehen.

Eine EU-Zulassung für eine Abnehmtablette wird für Mitte August erwartet. Fachleute wie Prof. Stephan Martin warnen jedoch davor, die Medikamente als reine Lifestyle-Produkte zu sehen.

Jo-Jo-Effekt: Alte Weisheiten wackeln

Herkömmliche Annahmen über schnellen Gewichtsverlust geraten ins Wanken. Eine norwegische Studie mit 284 Teilnehmenden, vorgestellt auf dem Europäischen Adipositas-Kongress in Istanbul, liefert überraschende Ergebnisse.

Die Gruppe, die in acht Wochen schnell abnahm (unter 1.000 kcal/Tag), hielt nach einem Jahr eine Reduktion von 14,4 Prozent. Die Gruppe mit moderatem Defizit lag bei 10,5 Prozent. Studienleiterin Dr. Line Kristin Johnson und Dr. Marie Spreckley stellen fest: Ein schneller Gewichtsverlust führt nicht zwangsläufig zum gefürchteten Jo-Jo-Effekt.

Dennoch gibt es biologische Hürden. Forscher der ETH Zürich wiesen nach: Fettzellen besitzen ein epigenetisches Gedächtnis an Übergewicht. Die entsprechenden Markierungen können bis zu zwei Jahre im Körper verbleiben. Zudem senkt der Hungermodus den Grundumsatz.

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Prof. Faidon Magkos vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung beruhigt: Die Schwankungen des Jo-Jo-Effekts seien gesundheitlich nicht schädlicher als dauerhaftes Übergewicht.

Abnehmshakes im Test: Nur zwei Produkte überzeugen

Als Alternative zu Medikamenten setzen viele auf strukturierte Ernährungsprogramme. Eine Kohortenstudie im JAMA-Journal (2018–2024) untersuchte den Einfluss von Lebensstiländerungen auf Beschwerden wie Reflux. Ein eiweißreiches, zuckerarmes Programm erzielte nach drei Monaten eine Ansprechrate von 81 Prozent – besser als herkömmliche Medikamente.

Wer auf Mahlzeitersatz setzt, sollte genau hinschauen. Die Stiftung Warentest prüfte im Januar 2026 insgesamt 20 Abnehmshakes. Nur zwei Produkte erhielten die Note „Gut": der Nestlé Optifast Drink und der Layenberger Fit+Feelgood Slim Shake.

Viele andere Präparate fielen wegen Schadstoffbelastungen durch Chlorat oder Aluminium durch. Auch irreführende Packungsgrößen kritisierten die Tester. Als Preissieger mit der Note „Befriedigend" ging der Mivolis Diät Vitalkost von dm hervor.

Mehr als nur Diät: Individuelle Lösungen gefragt

Übergewicht erfordert oft maßgeschneiderte Ansätze. Das Model Angelina Kirsch macht auf die Problematik des Lipödems aufmerksam. Trotz der Möglichkeit einer Fettabsaugung entschied sie sich gegen den Eingriff. Stattdessen setzt sie auf Lymphmassagen, um Schmerzen und Erschöpfungszustände zu lindern. Ihre Botschaft: Diese Erkrankung hat nichts mit mangelnder Disziplin zu tun.

Präventive Angebote entstehen auch regional. In Lingen eröffnete im Mai 2026 eine Einrichtung für funktionelle Fitness mit Fokus auf Kleingruppentraining. In Mannheim bereitet ein Qualifizierungstrainer Menschen mit Beeinträchtigungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vor.

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Sogar im Tierschutz ist das Thema präsent: Im Tierheim Bremen kämpft die Golden-Retriever-Hündin Lilly gegen ihr Übergewicht. Seit Mai 2026 bereitet sie eine spezielle Diät und barrierefreie Unterbringung auf die Vermittlung vor.

Die Beispiele zeigen: Gewichtsprobleme betreffen alle Lebensbereiche – und erfordern differenzierte Strategien.

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