Abnehmen, Spritze

Abnehmen ohne Spritze: Neue Pillen erreichen 12% Gewichtsverlust

29.06.2026 - 16:09:51 | boerse-global.de

Orale GLP-1-Medikamente zeigen in Studien hohe Wirksamkeit. Erste Zulassungen in Europa und den USA markieren einen Wendepunkt im Adipositas-Markt.

Abnehm-Pillen: Neue orale GLP-1-Wirkstoffe fordern Spritzen heraus
Abnehmen - Eine einzelne pharmazeutische Pille liegt auf einer glatten Oberfläche, mit einem verschwommenen Hintergrund aus medizinischer Ausrüstung. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Immer mehr orale Medikamente drängen auf den Markt und versprechen ähnliche Erfolge wie die bekannten GLP-1-Injektionen – nur ohne Nadel.

Klinische Erfolge: Bis zu 12 Prozent Gewichtsverlust

Neue Studiendaten zeigen, dass die Pillen durchaus mit den Spritzen mithalten können. Structure Therapeutics testete Aleniglipron an 230 Erwachsenen in 38 US-Zentren. Das Ergebnis nach 36 Wochen: Bei der höchsten Dosis von 120 Milligramm verloren die Probanden durchschnittlich 12,1 Prozent ihres Körpergewichts. In der Placebo-Gruppe waren es lediglich 0,8 Prozent.

Besonders beeindruckend: 86 Prozent der Teilnehmer in der 120-mg-Gruppe erreichten mindestens fünf Prozent Gewichtsverlust, 38 Prozent sogar über 15 Prozent. Die Nebenwirkungen? Hauptsächlich milde bis moderate Magen-Darm-Beschwerden. Die Abbruchrate lag bei 10,4 Prozent. Ein Phase-3-Programm ist bereits in Planung.

Auch AstraZeneca liefert mit Elecoglipron vielversprechende Daten. In einer Phase-2-Studie erzielte der Wirkstoff einen Gewichtsverlust von bis zu 11,8 Prozent. Auch hier geht es bald in die nächste Testphase.

Erste Zulassungen: Wegovy als Pille

Die regulatorischen Hürden fallen. Im Juni 2026 erteilte die britische MHRA die Zulassung für die orale Version von Wegovy (Semaglutid) von Novo Nordisk zur Gewichtskontrolle bei Erwachsenen. Es ist die erste Zulassung dieser Art in Europa. Die Börse reagierte prompt: Die Novo-Nordisk-Aktie stieg am 22. Juni um über sechs Prozent.

In den USA zog die FDA nach. Eli Lillys Foundayo, ein orales Tirzepatid-Präparat, erhielt eine beschleunigte Zulassung. Klinische Daten über 18 Monate belegten einen Gewichtsverlust von 12,4 Prozent. Noch ambitionierter: Der Triple-Agonist Retatrutide von Eli Lilly erzielte in Studien über 80 Wochen Gewichtsreduktionen von bis zu 28 Prozent – laut Experten ein Wert, der an bariatrische Chirurgie heranreicht.

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Nach der Spritze: Die Pille als Erhaltungstherapie

Was passiert, wenn Patienten die Spritze absetzen? Eine Studie in Nature Medicine untersuchte genau diese Frage. 376 Teilnehmer, die mindestens ein Jahr lang GLP-1-Injektionen erhalten hatten, stellten auf die tägliche Pille Orforglipron um. Ergebnis: Die Pillen-Gruppe behielt über 70 Prozent des verlorenen Gewichts über ein Jahr hinweg. Die Placebo-Gruppe schaffte nur 38 bis 50 Prozent. Der Preis in den USA: ab 149 Dollar pro Monat.

Die Hersteller erweitern zudem das Indikationsspektrum. Health Canada genehmigte Tirzepatid (Zepbound) für die Behandlung von obstruktiver Schlafapnoe bei adipösen Patienten. Die Therapie reduzierte die Anzahl der Atemaussetzer deutlich – auch wenn CPAP-Masken weiterhin die primäre Empfehlung bleiben.

Wettbewerb: Neue Player und baldige Generika

Der Markt wird bunter. Neben Novo Nordisk und Eli Lilly arbeiten Roche (CT-996), Ascletis (ASC30) und Viking Therapeutics an eigenen Lösungen. Viking erwartet Ergebnisse seiner Phase-3-Studie für den oralen GLP-1/GIP-Agonisten VK2735 im dritten Quartal 2026.

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Und dann sind da noch die Generika. Sandoz gab bekannt, dass die FDA Zulassungsanträge für generische Versionen von Tirzepatid angenommen hat. Das Unternehmen entwickelt zudem einen eigenen Autoinjektor. Der Wettbewerbsdruck auf die Originalpräparate steigt.

Ein Problem bleibt: Die Abbruchrate bei bestehenden GLP-1-Therapien liegt bei etwa 50 Prozent innerhalb eines Jahres. Die orale Alternative könnte hier Abhilfe schaffen – oder die psychologischen und ökonomischen Hürden senken.

de | wissenschaft | 69653671 |