Abnehmen, Erwachsene

Abnehmen in Österreich: Mehr als jeder dritte Erwachsene ist übergewichtig

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 02:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine dauerhafte Gewichtsabnahme setzt auf individuelle Ernährung, bewusste Essgewohnheiten und regelmäßige Bewegung statt radikaler Diäten.
Nahaufnahme einer Auswahl an frischem Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen auf einem Holztisch bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine nachhaltige Reduzierung des Körpergewichts erfordert ein Zusammenspiel aus methodischer Ernährungsumstellung, bewusster Kalorienkontrolle und psychologischen Faktoren.

Zahlreiche Fachleute und Medienberichte widmen sich den Mechanismen hinter dem Gewichtsverlust, da einseitige Diäten oft nicht zum dauerhaften Erfolg führen. Die Diskussion dreht sich dabei zunehmend um die individuellen Voraussetzungen des Körpers sowie das bewusste Essverhalten.

Mikrobiom und Energiebilanz

Ein wesentlicher Faktor im menschlichen Stoffwechsel ist das Darmmikrobiom. Wie aus Berichten hervorgeht, kann eine gesunde Darmflora das Abnehmen zwar unterstützen, fungiert jedoch nicht als eigenständiger Motor zur Gewichtsreduktion. Die grundlegende Voraussetzung für den Abbau von Körperfett bleibt eine negative Energiebilanz.

Studien belegen zugleich einen Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung des Mikrobioms sowie Erkrankungen wie Adipositas und Typ-2-Diabetes. Eine hohe Vielfalt an Mikroben im Darm geht tendenziell mit einem besseren Schutz vor Übergewicht einher.

Zur Förderung dieser bakteriellen Vielfalt dient vor allem eine abwechslungsreiche und ballaststoffreiche Kost mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Hafer.

Präbiotika fungieren hierbei als Nahrung für nützliche Darmbakterien. Probiotische Präparate können dagegen weder eine ausgewogene Ernährung noch körperliche Bewegung oder eine medizinische Behandlung ersetzen. Der Handlungsbedarf ist groß: Allein in Österreich gilt mehr als jeder dritte Erwachsene als übergewichtig.

Über 16 Prozent der Bevölkerung – rund 1,5 Millionen Menschen – leben dort mit Adipositas beziehungsweise starkem Übergewicht. Aus suchtmedizinischer Sicht betont die Fachärztin Dr. Iris Zachenhofer, dass spezielle Ansätze aus diesem Fachbereich dabei helfen können, Gewicht zu verlieren und dieses langfristig zu halten.

Achtsamkeit und Essgewohnheiten

Neben biologischen Prozessen spielt das Verhalten während der Mahlzeiten eine zentrale Rolle. Ein bekanntes Prinzip stammt von der japanischen Insel Okinawa: Die Essphilosophie Hara hachi bu besagt, die Mahlzeit zu beenden, sobald man zu 80 Prozent satt ist. Kausale wissenschaftliche Belege dafür, dass diese Methode maßgeblich zur Langlebigkeit beiträgt, fehlen bislang.

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Dennoch gilt das Prinzip als hilfreich für Personen, die vor allem aus Gewohnheit oder aus emotionalen Gründen essen. Bei Vorliegen von Essstörungen oder Untergewicht sollte vorab ärztlicher Rat eingeholt werden. Da der Körper Schätzungen von Forschern zufolge etwa 15 bis 20 Minuten benötigt, um ein Sättigungsgefühl zu signalisieren, unterstützt verlangsamtes Essen diesen Prozess.

Ein Verzicht auf Kohlenhydrate ist nach Ansicht von Ernährungsberatern nicht zwingend erforderlich. Lebensmittel wie Kartoffeln, Reis und Nudeln müssen beim Abnehmen keineswegs vollständig vom Speiseplan gestrichen werden; maßgeblich seien vielmehr die Zusammenstellung der gesamten Mahlzeit sowie deren Zubereitung.

Auch die Ernährungswissenschaftlerin Anna Dandekar rät von extremen Verboten ab und empfiehlt ein 80/20-Prinzip: 80 Prozent der Nahrung sollten möglichst gesund und vollwertig gewählt werden, während die übrigen 20 Prozent Raum für unbeschwerten Genuss lassen.

Bei einer intuitiven Ernährungsweise signalisiere der Körper Sättigung von selbst, wenngleich Zucker und künstliche Zusatzstoffe diese Mechanismen überdecken können. Ein pauschal perfektes Konzept gebe es nicht, das Essen sollte vielmehr pflanzlich, unverarbeitet, abwechslungsreich und stressfrei gestaltet sein.

Physiologie und nachhaltige Bewegung

Dass Abnehmen komplexer ist als das reine Gegenrechnen aufgenommener und verbrauchter Kalorien, verdeutlichen auch Analysen aus Dänemark. Der Ernährungsexperte Julio Sabio stellt klar, dass kein einzelnes Lebensmittel gezielt Fett verbrenne und Substanzen wie Kaffee oder Tee nur begrenzte Effekte aufweisen.

Ein wirksamer Fettabbau lasse sich weder allein durch Ausdauertraining noch durch Hungern oder reine Gemüsekost erreichen. Der tatsächliche Energiebedarf hänge von individuellen Variablen wie Alter, Geschlecht, Körpergröße, Gewicht, Muskelmasse und dem täglichen Aktivitätsgrad ab.

Für eine dauerhafte Reduktion rät Sabio zu moderatem Krafttraining rund dreimal pro Woche, kombiniert mit mindestens 30 Minuten täglichem Gehen und einer ausgewogenen Kost.

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Erfahrungsberichte verdeutlichen ebenfalls den Nutzen fester Routinen: Durch drei geregelte Hauptmahlzeiten, den Verzicht auf Zwischenmahlzeiten, verlangsamtes Essen und bewusste Portionsgrößen gelang es etwa einem Bürgerreporter, sein Gewicht um 7 kg zu reduzieren.

Vor den Risiken radikaler Diäten warnt der Ernährungswissenschaftler Pablo Ojeda, der vor seiner eigenen Veränderung 140 kg wog. Nach seiner Einschätzung resultiert der bekannte Jo-Jo-Effekt keineswegs aus fehlender Disziplin oder mangelnder Willenskraft, sondern stelle eine Reaktion des Gehirns auf strenge Einschränkungen dar.

Restriktive Maßnahmen begünstigten Heißhunger und Ängste, weshalb personalisierte und dauerhafte Ernährungsumstellungen einer Crash-Diät vorzuziehen seien.

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