ABBV-295: Phase-1-Daten zeigen bis zu 9,8 Prozent Gewichtsverlust
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) 2026 in Mailand hat das biopharmazeutische Unternehmen AbbVie erste Phase-1-Daten zu seinem Wirkstoffkandidaten ABBV-295 präsentiert.
Die Untersuchung des langwirksamen, subkutan verabreichten Amylin-Analogons gibt Einblicke in das Potenzial neuer hormoneller Ansätze zur Gewichtsreduktion, die neben oder in Kombination mit etablierten Inkretin-Therapien an Bedeutung gewinnen.
Studienergebnisse zur Gewichtsreduktion und Pharmakokinetik
Die Phase-1-Studie mit mehrfach ansteigenden Dosen (MAD, Teil 2B/2C) umfasste insgesamt 60 erwachsene Teilnehmer, von denen 45 den Wirkstoff ABBV-295 und 15 ein Placebo erhielten.
Die Kohorte wies ein mittleres Alter von 41,5 Jahren, einen durchschnittlichen Body-Mass-Index von 29,3 kg/m² sowie einen Männeranteil von 88% auf. Untersucht wurden Dosiseskalationen auf 4, 6 oder 14 mg bei wöchentlicher Verabreichung, 14 mg im zweiwöchentlichen Intervall sowie 8 mg monatlich.
Unter der wöchentlichen Gabe von ABBV-295 erreichten die Probanden nach 12 Wochen eine Gewichtsreduktion zwischen 7,8% und 9,8%. Im zweiwöchentlichen Schema betrug der Gewichtsverlust nach 13 Wochen 9,7%, während das monatliche Dosierungsschema zu einer Abnahme von 7,9% führte. In der Placebogruppe lag die Veränderung bei rund -0,3%.
Pharmakokinetische Messungen ergaben für ABBV-295 eine Halbwertszeit von 10,7–12,3 Tagen. Die mediane Zeitspanne bis zum Erreichen der Maximalkonzentration lag zwischen 24,0 und 48,1 Stunden.
Verträglichkeitsprofil und Nebenwirkungen
Während der 12- bis 13-wöchigen Behandlungsdauer traten unter ABBV-295 keine schwerwiegenden behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse auf. Gastrointestinale Beschwerden machten den Großteil der Nebenwirkungen aus; 92% dieser Reaktionen wurden als leicht eingestuft und traten vor allem in den ersten sechs Behandlungswochen auf.
Die Phase-1-Daten zu ABBV-295 zeigen 7,8 bis 9,8 Prozent Gewichtsverlust nach zwölf Wochen — bei einer Substanz, die bislang von keiner Behörde zugelassen ist und deren Phase-2-Entwicklung erst geplant wird. Wer die Zahlen einordnen will, braucht den Blick auf Dosisschemata, Nebenwirkungsraten und den fehlenden Direktvergleich zu GLP-1-Präparaten. Kostenlose Biotech-Analyse zu ABBV-295 anfordern
Übelkeit wurde bei 33,3% der mit ABBV-295 behandelten Personen registriert, verglichen mit 20,0% in der Placebogruppe. Durchfall trat bei 20,0% der Wirkstoffgruppe auf, während in der Kontrollgruppe keine Fälle verzeichnet wurden.
Die Quote der Therapieabbrüche infolge von Magen-Darm-Beschwerden lag unter ABBV-295 bei 4,4% gegenüber 0,0% unter Placebo. Bislang ist der Wirkstoff von keiner Arzneimittelbehörde zugelassen; AbbVie plant die weitere Entwicklung im Rahmen einer Phase-2-Studie.
Die Rolle von Amylin im therapeutischen Umfeld
Amylin wird physiologisch zusammen mit Insulin aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse freigesetzt. Wie Fachanalysen in medizinischen Publikationen hervorheben, verzögert das Hormon die Magenentleerung, dämpft die Glukagonausschüttung nach Mahlzeiten und vermittelt im Gehirn ein Sättigungssignal.
Die Rezeptorstruktur von Amylin setzt sich aus dem Calcitonin-Rezeptor und einem von drei RAMP-Proteinen (AMY1, AMY2, AMY3) zusammen. Diese Wirkweise gilt als funktionell komplementär zu GLP-1-Rezeptor-Agonisten, weshalb Amylin-Mimetika intensiv als eigenständige Klasse oder Kombinationspartner erforscht werden.
Übelkeit bei 33,3 Prozent der Behandelten, Durchfall bei 20,0 Prozent — und eine Abbruchquote von 4,4 Prozent wegen Magen-Darm-Beschwerden. Die Verträglichkeitsdaten der Amylin-Klasse sind noch dünn, und direkte Vergleichsstudien gegenüber etablierten GLP-1-Therapien fehlen bislang. Der Leitfaden ordnet ein, was das für die Bewertung neuer Adipositas-Wirkstoffe bedeutet. Leitfaden zur Amylin-Klasse jetzt sichern
Parallel dazu treiben auch andere Akteure die Entwicklung von Amylin-basierten Peptiden voran. Auf derselben Fachtagung stellte Verdiva Bio präklinische In-vitro-Daten zu VRB-103 vor, einem oral verabreichten Peptid-Analogon mit Selektivität für alle drei humanen Amylin-Rezeptor-Subtypen gegenüber dem Calcitonin-Rezeptor. Der Kandidat befindet sich in Phase 1 als Monotherapie sowie in Kombination mit dem oralen GLP-1-Analogon VRB-101.
Gleichzeitig verweisen Fachleute auf bestehende Datenlücken bei der Substanzklasse. Im Kontext der ZUPREME-1-Studie zu Petrelintide – bei der nach 28 Wochen eine Gewichtsreduktion von 7,9% bis 9,8% erzielt wurde – bemängelten Experten das Fehlen direkter Vergleichsstudien gegenüber gängigen GLP-1-Präparaten. Belastbare Aussagen über Verträglichkeitsvorteile erfordern daher weitere, groß angelegte klinische Untersuchungen.
