ABB Robotics: Marc-Oliver Nandy übernimmt DACH-Region
29.04.2026 - 15:39:19 | boerse-global.deSeit dem 1. April 2026 führt Marc-Oliver Nandy das Geschäft von ABB Robotics in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der 27-jährige Mercedes-Benz-Veteran übernimmt damit eine Schlüsselregion der europäischen Industrieautomation.
Führungswechsel an einem Wendepunkt
Nandy folgt auf Martin Kullmann, der die DACH-Region interimistisch geführt hatte und nun auf seine angestammte Position als Customer Service Manager zurückkehrt. Der Wechsel kommt zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt: Der Zürcher Roboterhersteller bringt parallel eine neue Generation kollaborativer Roboter auf den Markt und navigiert durch einen sich wandelnden Industriesektor in Westeuropa.
Der neue Cluster-Manager bringt umfassende Erfahrung aus Logistik und Fertigung mit. Bei Mercedes-Benz war er zuletzt als Head of Global Supply Chain für Mercedes-Benz Vans tätig – ein Hintergrund, der perfekt zu ABBs wachsendem Fokus auf flexible Automatisierung und Logistiklösungen passt.
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Vom Autobauer zum Roboter-Spezialisten
Der Führungswechsel signalisiert eine strategische Neuausrichtung: ABB integriert gezielt Expertise aus der Automobil- und Supply-Chain-Branche in die regionale Strategie. Nandy entwickelte während seiner fast drei Jahrzehnte bei Mercedes-Benz ein tiefes Verständnis für komplexe globale Abläufe – genau das, was ABB nun beim Ausbau seiner Robotik- und autonomen Transportsysteme (AMR) benötigt.
Die DACH-Region bleibt ein zentraler Pfeiler für ABB. Deutschland weist mit 449 Robotern pro 10.000 Beschäftigten die dritthöchste Roboterdichte weltweit auf – nur Südkorea und Singapur liegen vorn. Auch die Hochtechnologie-Fertigung in der Schweiz und Österreich macht die Region zu einem der bedeutendsten Märkte für Industrieautomation.
Neue Cobot-Familie: Die PoWa-Serie
Am 28. April 2026 launchte ABB in Zürich die neue PoWa-Cobot-Familie. Sie soll die Lücke zwischen traditionellen kollaborativen Robotern und schweren Industrieanlagen schließen. Der globale Markt für diese Systeme soll bis 2028 jährlich um rund 20 Prozent wachsen.
Die PoWa-Serie umfasst sechs Modelle mit Nutzlasten von 7 bis 30 Kilogramm. Besonders die Modelle PoWa 10 und 13 erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 5,8 Metern pro Sekunde. Die Roboter sind für anspruchsvolle Aufgaben wie Hochgeschwindigkeits-Maschinenbeschickung, Palettieren, Schrauben und Lichtbogenschweißen konzipiert – Arbeiten, die bisher oft abgeschotteten Industrierobotern vorbehalten waren.
Alle Modelle werden von der OmniCore-Steuerungsplattform angetrieben und sind mit ABBs KI-gestützten Software-Tools wie Robot Studio und Wizard kompatibel. Die neue Hardware-Reihe zielt darauf ab, den Fachkräftemangel im DACH-Raum zu adressieren und die Produktivität zu steigern.
Marktdynamik und regionales Wachstum
Laut dem IFR World Robotics 2025 Report hat Westeuropa die höchste regionale Roboterdichte weltweit – 267 Roboter pro 10.000 Beschäftigte. Während Asien mit China als größtem Markt (geschätzt zwei Millionen Einheiten) den absoluten Mengenrekord hält, zeichnet sich der europäische Markt durch hohe Integration und technische Raffinesse aus.
Im Gegensatz zum Vereinigten Königreich, wo der Roboterbestand seit einem Jahrzehnt stagniert, hat sich der europäische Bestand im gleichen Zeitraum verdoppelt. Diese Dynamik zeigt sich auch in konkreten Projekten: Erst am 28. April 2026 eröffnete Trelleborg Sealing Solutions in Gärtringen ein hochautomatisiertes europäisches Service-Center mit 32 Robotern und 10 autonomen Gabelstaplern auf 16.000 Quadratmetern.
KI und kollaborative Systeme im Fokus
Ein zentrales Thema für die neue DACH-Führung wird die Weiterentwicklung der „Physical AI“ sein – die Integration künstlicher Intelligenz in die physischen Bewegungen von Robotern. Branchenanalysten schätzen, dass ABB Robotics rund 16 Prozent der globalen „KI-Sichtbarkeit“ unter den großen Roboterherstellern hält, knapp hinter Fanuc.
Diese Technologiefokussierung zeigt sich auch in jüngsten Auszeichnungen: Der autonome mobile Roboter Flexley Mover P603 von ABB erhielt den iF Design Award 2026. Das Fahrzeug nutzt KI-gestützte Visual-SLAM-Navigation (Simultaneous Localization and Mapping), die ohne feste Infrastruktur auskommt und die Inbetriebnahmezeit um bis zu 20 Prozent verkürzen soll.
Auch die Partnerschaften im DACH-Logistiksektor unterstreichen den Trend: Die Ehrhardt Partner Group (EPG) aus Boppard-Buchholz gab am 28. April 2026 eine strategische Partnerschaft mit Locus Robotics bekannt, um AMRs in ihre Lagerverwaltungssysteme zu integrieren.
Analyse: Vom Hardware-Lieferanten zum Strategiepartner
Die Berufung eines Supply-Chain-Veteranen wie Marc-Oliver Nandy deutet darauf hin, dass ABB sich von einem reinen Hardware-Anbieter zu einem strategischen Partner für durchgängige industrielle Orchestrierung entwickeln will. Seine Erfahrung bei Mercedes-Benz Vans gibt ihm eine einzigartige Perspektive auf die Herausforderungen der „Last-Mile“-Fertigung und die Integration von Robotik in komplexe, bestehende Lieferketten.
Die DACH-Region fungiert derzeit als Labor für fortschrittliche Robotik-Anwendungen. Während die traditionelle Automobilfertigung weiterhin ein Standbein bleibt, entstehen neue Sektoren: Forscher der Universität des Saarlandes demonstrierten auf der Hannover Messe 2026 intelligente Implantate mit Mikroaktoren für die Knochenheilung, und Robotronic AG präsentierte auf der Interpack in Düsseldorf spezialisierte Palettiermodule für die Pharmaproduktion.
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Ausblick: Cobos und AMRs als Wachstumstreiber
Der DACH-Robotikmarkt wird sich in den kommenden Jahren durch die weitere Kommerzialisierung humanoider und autonomer Systeme definieren. Während Japan Airlines humanoide Bodenabfertiger in Tokio testet und Firmen wie Apptronik den Start des „Apollo“-Roboters vorbereiten, dürfte der europäische Markt kurzfristig stärker auf industrielle Cobots und AMRs setzen.
ABB plant die weitere Ausrollung der PoWa-Serie und die tiefere Integration der Visual-SLAM-Technologie in die mobile Flotte. Mit dem abgeschlossenen Führungswechsel ist das Unternehmen gut positioniert, um vom prognostizierten 20-Prozent-Wachstum im Cobot-Sektor zu profitieren. Nandys Hauptaufgabe wird es sein, ABBs hohe Marktsichtbarkeit zu halten und gleichzeitig die Integrationskomplexität zu adressieren, die für über 90 Prozent der Industriekäufer eine zentrale Hürde darstellt.
Bis 2027 und 2028 dürften „Agentic“-Roboter-Betriebssysteme und verbesserte Simulationswerkzeuge – etwa in Zusammenarbeit mit Nvidia – die nächste Herausforderung für das DACH-Führungsteam werden. Vorerst liegt der Fokus darauf, Nandys Supply-Chain-Expertise zu nutzen, um ABBs Position im hochautomatisierten Herzen der europäischen Industrie zu festigen.
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