A66 bei Wiesbaden: 88-Jähriger fährt mit Elektrorollstuhl auf Autobahn
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Vorfall bei Wiesbaden zeigt beispielhaft, welche Risiken elektrische Rollstühle im Straßenverkehr bergen können, wenn Orientierung und Streckenverlauf nicht mehr zusammenpassen.
Ein 88-jähriger Mann geriet mit seinem Elektrorollstuhl gegen 18:15 Uhr über die B455 bis zur Anschlussstelle Erbenheim und bog dort falsch ab auf die A66 in Richtung Frankfurt. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Westhessen legte er den Weg über die Bundesstraße bis zur Autobahnauffahrt zurück, ehe er auf der A66 landete.
Unterwegs auf dem Standstreifen
Wie n-tv.de berichtete, war der Mann anschließend mit seinem elektrischen Rollstuhl auf dem Standstreifen der A66 in Richtung Frankfurt unterwegs – eine Situation, die auf einer Autobahn erhebliche Gefahren birgt, sowohl für den Rollstuhlfahrer selbst als auch für den fließenden Verkehr.
Ein Autofahrer bemerkte den Mann, hielt an und begleitete ihn unfallfrei zu einer Aral-Tankstelle bei Erbenheim beziehungsweise zu einer nahegelegenen Raststätte, wie presseportal.de und faz.net übereinstimmend berichteten. Die Polizei brachte den Mann samt Rollstuhl anschließend von der Autobahn.
Keine Hinweise auf Verwirrtheit
Bemerkenswert an dem Fall ist, dass die eingesetzten Beamten laut Polizei keinen Anlass sahen, von einer altersbedingten geistigen Beeinträchtigung auszugehen. Der Mann habe einen geistig gesunden Eindruck gemacht, es habe keine Hinweise auf Demenz gegeben, berichteten n-tv.de und faz.net übereinstimmend unter Berufung auf die Polizei.
Der Fall des 88-Jährigen, der bei Wiesbaden versehentlich auf die A66 geriet, zeigt: Nicht Verwirrtheit ist das Risiko, sondern eine verwechselte Strecke. Wer einen Angehörigen mit Elektrorollstuhl begleitet, kann mit klarer Routenplanung und einer Notfall-Karte viel für dessen Sicherheit tun. Kostenlosen Mobilitäts-Guide für Angehörige anfordern
Der 88-Jährige erklärte demnach selbst, er habe sich auf dem Nachhauseweg entlang einer Landstraße verfahren. Es handelte sich seiner Schilderung nach also nicht um kognitive Orientierungslosigkeit, sondern um eine schlichte Verwechslung der Strecke – ein Fehler, der jedem Verkehrsteilnehmer unterlaufen kann, der aber im Fall eines langsamen, ungeschützten Elektrorollstuhls auf einer Autobahn ungleich gefährlicher endet als im Auto.
Was der Fall über die Mobilität älterer Menschen zeigt
Elektrische Rollstühle ermöglichen älteren und in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen ein hohes Maß an Selbstständigkeit im Alltag. Anders als Fußgänger oder Radfahrer erreichen sie im Straßenverkehr aber vergleichsweise geringe Geschwindigkeiten und sind für andere Verkehrsteilnehmer schwerer einzuschätzen.
Gerät ein solches Fahrzeug – aus welchem Grund auch immer – auf eine Autobahn, entsteht eine Gefahrenlage, die weder für die betroffene Person noch für den übrigen Verkehr kalkulierbar ist: zu langsam für die zulässigen Geschwindigkeiten, zu wenig sichtbar im Dämmerlicht, ohne den Schutz einer Fahrgastzelle.
Elektrorollstühle sind langsam und im Dämmerlicht schwer zu erkennen — auf einer Autobahn wird daraus schnell eine unkalkulierbare Gefahr. Damit Ihr Angehöriger sicher und selbstständig unterwegs bleibt, hilft eine vorbereitete Notfall-Kontaktkarte plus eine kurze Checkliste für die gemeinsame Streckenwahl. Sicherheits-Checkliste jetzt herunterladen
Der Wiesbadener Fall endete glimpflich, auch weil ein aufmerksamer Autofahrer eingriff, bevor die Polizei überhaupt am Ort war. Dass der Mann selbst nach eigener Schilderung schlicht eine falsche Landstraße erwischt hatte und die Beamten keine Anzeichen kognitiver Beeinträchtigung feststellten, unterscheidet den Vorfall von anderen Fällen, in denen Verwirrtheit oder Orientierungsverlust älterer Menschen zu ähnlichen Situationen führen.
Für Angehörige und Verkehrsplaner bleibt die Episode dennoch ein Hinweis darauf, wie schnell aus einer Verwechslung eine ernste Gefahrenlage werden kann, wenn Rollstuhlfahrer versehentlich auf hochfrequentierte Fernstraßen geraten.
