90/ 90-Regel beim Ausmisten: So entscheiden zwei Zeiträume über Dinge
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 06:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zustand der eigenen vier Wände und die Frage nach der richtigen Ordnung beschäftigen Medien und Öffentlichkeit zunehmend. Berichte über Haushaltsführung, Ausmistmethoden und Wohnpsychologie spiegeln ein wachsendes Bedürfnis wider, Struktur in den Alltag zu bringen. Dabei reicht das Spektrum von wissenschaftlichen Betrachtungen über populäre Social-Media-Strömungen bis hin zu ganz praktischen Strategien für den Wohnbereich.
Social-Media-Trends zwischen Achtsamkeit und Inszenierung
Auf Online-Plattformen wie TikTok erfährt die alltägliche Hausarbeit eine spürbare Aufwertung. Phänomene wie das sogenannte ästhetische Putzen verbinden das Aufräumen und Reinigen mit Aspekten der Achtsamkeit und festen Abläufen. Gleichmäßige Bewegungen, ruhige Musik, Gerüche oder akustische Reize können entspannend wirken und die Haushaltsarbeit erleichtern.
Gleichzeitig weisen Medienberichte auf die Schattenseiten dieser Darstellungen hin. Viele der kurzen Videoclips sind stark inszeniert und bilden den oft chaotischen Familien- oder Berufsalltag kaum ab. Häufig steht die Bewerbung von Konsumgütern im Vordergrund, was bei Betrachtern zusätzlichen Leistungsdruck und Stress hervorrufen kann, statt tatsächlich Entlastung zu schaffen.
Psychologische Theorien und wissenschaftliche Ansätze
Die Auseinandersetzung mit Unordnung besitzt auch eine historische und wissenschaftliche Dimension. Bereits 1982 beschrieben James Q. Wilson und George L. Kelling die sogenannte Broken-Windows-Theorie bezogen auf den öffentlichen Raum.
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Im Jahr 2008 stützten sechs Feldexperimente die zugrundeliegende Idee, wonach sichtbare Zeichen von Verwahrlosung weiteres Fehlverhalten begünstigen können. Dennoch bleibt der Ansatz umstritten, und Forschungsübersichten sehen wenig Konsens über direkte ursächliche Zusammenhänge.
Auf das private Umfeld bezogen deuten Untersuchungen ebenfalls auf Wechselwirkungen hin. Forschungsergebnisse brachten eine unordentliche oder als unfertig empfundene Wohnumgebung mit erhöhten Cortisolwerten sowie gedrückter Stimmung in Verbindung. Neuere Erhebungen bestätigen einen Zusammenhang zwischen Unordnung und geringerem Wohlbefinden, wenngleich offenbleibt, was Ursache und was Wirkung ist.
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Struktur durch klare Regeln und Raumpflege
Um der Überlastung im Haushalt entgegenzuwirken, greifen viele Menschen auf strukturierte Ausmistregeln zurück. Bei der 90/90-Regel wird beispielsweise für Gegenstände geprüft, ob sie in den vergangenen 90 Tagen genutzt wurden und voraussichtlich in den kommenden 90 Tagen benötigt werden.
Fällt die Antwort zweimal negativ aus, steht der Gegenstand zur Disposition. Ausnahmen gelten für saisonale Kleidung, besondere Anlässe oder Erinnerungsstücke. Ergänzend helfen platzsparende Falttechniken, Kleidung kompakt und übersichtlich in Schubladen unterzubringen.
Neben der Ordnung gewinnt die Pflege des Raumklimas an Bedeutung. Experten empfehlen zur Vermeidung von Feuchtigkeit und Schimmel regelmäßiges Stoßlüften, gleichmäßiges Heizen und einen ausreichenden Abstand von Möbeln zu Außenwänden.
Bei selbst hergestellten Hausmitteln, etwa Reinigern auf Basis von Essig und Zitrusschalen, ist jedoch Vorsicht geboten: Sie eignen sich ausschließlich für säurebeständige Oberflächen und dürfen niemals mit chlorhaltigen Reinigern vermischt werden, da sonst giftiges Chlorgas entstehen kann.
