9/ 11-Folgen: Asbest-Belastung verursachte 9.400 Krebstodesfälle
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 11:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rund ein Vierteljahrhundert nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center rückt die Frage nach den gesundheitlichen Langzeitfolgen der damaligen Luftbelastung erneut in den Mittelpunkt. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani kündigte die Freigabe von rund 173.000 Seiten zuvor geheimer Dokumente zur Luftqualität nach den Anschlägen an.
Die Unterlagen sollen belegen, dass Behörden die toxische Belastung mit Asbest über Jahre vertuscht und die Öffentlichkeit über die tatsächliche Sicherheit der Luft in Manhattan getäuscht hätten.
Ein umfangreiches Archiv wird öffentlich
Die Veröffentlichung umfasst nach Angaben der Stadtverwaltung rund 170.000 Seiten Material, das in 68 Boxen gefunden wurde. Die Freigabe soll binnen zwölf Monaten abgeschlossen werden und beendet damit zugleich Klagen der Organisation 9/11 Health Watch, aus deren Vergleich die Offenlegung resultiert.
Für die Aufarbeitung und Veröffentlichung der Dokumente gab die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben über 34 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 25 Millionen britische Pfund) aus.
Zu den zentralen Fundstücken zählt ein als „Harding Memo“ bekanntes Dokument aus dem Oktober 2001, das bereits damals vor bis zu 35.000 möglichen Klagen wegen der Luftbelastung warnte – ein Hinweis darauf, dass Behörden das Ausmaß des Problems früh erkannten. Zudem dokumentieren freigegebene Hotline-Protokolle die Ängste von Anwohnerinnen und Anwohnern, die sich schon damals über die Qualität der Luft in ihrer Nachbarschaft besorgt zeigten.
Asbest „nahezu überall“ in der Nähe von Ground Zero
Besonders alarmierend sind Messwerte, die in den Dokumenten auftauchen: Demnach wurde Asbest nach den Anschlägen nahezu überall in der Umgebung von Ground Zero nachgewiesen.
Die neu veröffentlichten Dokumente zeigen: Asbest war nach 9/11 nahezu überall in Lower Manhattan. Wenn Sie damals in der Nähe von Ground Zero gelebt oder gearbeitet haben, könnte Ihre Gesundheit betroffen sein – auch Jahrzehnte später. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, mögliche Symptome einzuordnen und Ihre Ansprüche zu prüfen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
In der Stuyvesant High School, die nur wenige Straßenzüge vom früheren World Trade Center entfernt liegt, wurden den Unterlagen zufolge 2,5 Millionen Asbeststrukturen pro Quadratzentimeter gemessen – ein Wert, der das 500-Fache des Reinigungsrichtwerts der US-Umweltbehörde EPA überschreitet.
Die gesundheitlichen Folgen dieser Belastung sind gravierend: Laut den nun öffentlich gemachten Zahlen starben bereits mehr als 9.400 Menschen an Krebs und anderen Krankheiten, die mit der Luftverschmutzung nach den Anschlägen in Verbindung gebracht werden – mehr als dreimal so viele wie die 2.977 unmittelbaren Todesopfer der Anschläge selbst.
Steigende Krebszahlen bei Betroffenen
Auch aktuelle Gesundheitsdaten unterstreichen das Ausmaß der Langzeitfolgen. Nach Angaben von Northwell Health stieg die Zahl der zertifizierten 9/11-bezogenen Krebsfälle im WTC Health Program von 120 im Jahr 2023 auf 262 im Jahr 2025 – ein Anstieg von 118 Prozent. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2026 kamen demnach 236 weitere neue Fälle hinzu.
Insgesamt haben laut Northwell Health mittlerweile über 57.000 Menschen nach den Anschlägen Krebs entwickelt; rund 145.000 Personen sind im entsprechenden Gesundheitsprogramm eingeschrieben. Betroffene berichten dabei von Diagnosen, die erst 23 Jahre nach den Anschlägen gestellt wurden – ein Beleg für die oft jahrzehntelange Latenzzeit asbestbedingter Erkrankungen.
Politische Kontroverse um die Aufarbeitung
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Die Freigabe der Dokumente entfaltet auch politische Sprengkraft. Berichten zufolge könnten die Unterlagen frühere Bürgermeister Rudy Giuliani und Michael Bloomberg belasten, in deren Amtszeit die umstrittenen Entscheidungen zur Kommunikation über die Luftqualität fielen. Der frühere Bürgermeister Eric Adams warf Mamdani vor, das Thema 9/11 für politische Zwecke auszunutzen.
Die nun zugänglichen Dokumente dürften in den kommenden Monaten Grundlage für weitere juristische und gesundheitspolitische Auseinandersetzungen bilden, während parallel die Zahl der bei Northwell Health registrierten Krebsdiagnosen unter den WTC-Betroffenen weiter steigt.
