64 Forscher legen HEAL-Report vor: Pflanzliche Ernährung als Schlüssel gegen Zivilisationskrankheiten
12.05.2026 - 17:03:43 | boerse-global.de
Weltweit sterben 75 Prozent aller Menschen an Zivilisationskrankheiten. Ein internationales Forscherteam will das ändern.
Am 11. Mai veröffentlichten 64 Wissenschaftler unter Leitung der Universität Innsbruck und der Pädagogischen Hochschule Tirol die HEAL-Reports. Die Abkürzung steht für „Healthy Eating & Active Living“. Im Zentrum steht eine vollwertige, pflanzliche Ernährung kombiniert mit regelmäßiger Bewegung.
Die Zahlen sind alarmierend: Zivilisationskrankheiten verursachen rund 75 Prozent aller Todesfälle weltweit. In Europa liegt die Quote sogar bei 90 Prozent. Die Experten fordern eine radikale Neuausrichtung der Gesundheitssysteme. Prävention soll künftig im Verhältnis drei zu eins gegenüber reinen Therapiemaßnahmen gewichtet werden.
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Der Fahrplan: Was die HEAL-Reports konkret fordern
Die Forscher wollen Prävention strukturell verankern. Ihr Vorschlag: Gesundheitsförderung gehört in Bildungseinrichtungen. Zudem plädieren sie für den „Health in All Policies“-Ansatz – Gesundheit muss in allen Politikbereichen mitgedacht werden.
Ein weiterer Punkt: Die Wissenschaftler fordern mehr tierversuchsfreie Forschungsmethoden. Nur so ließen sich die Mechanismen von Ernährung und Stoffwechsel präziser untersuchen. Aktuell setze das Gesundheitssystem viel zu spät an – meist erst, wenn Krankheiten bereits ausgebrochen sind.
Ballaststoffe: Die unterschätzte Waffe gegen Krebs
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 30 Gramm Ballaststoffe täglich. Die Realität sieht anders aus: Viele Deutsche nehmen deutlich weniger zu sich. Dabei unterscheiden Forscher zwischen löslichen und unlöslichen Ballaststoffen – beide haben spezifische Schutzfunktionen.
Lösliche Ballaststoffe aus Hafer oder Gerste senken den Cholesterinspiegel. Unlösliche Fasern aus Vollkornprodukten fördern die Verdauung und verkürzen die Verweildauer schädlicher Substanzen im Darm. Studien belegen: Ballaststoffreiche Kost senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Darmkrebs signifikant.
Ein spannender Nebeneffekt: Bei der Fermentation von Ballaststoffen im Dickdarm entstehen kurzkettige Fettsäuren. Diese hemmen nicht nur Entzündungen, sondern verlangsamen laut jüngsten Erkenntnissen auch den Knochenabbau.
Ernährungsexperten wie Carolin Kotke warnen zudem vor typischen Fehlern am Morgen. Reines Obst mit hohem Fruchtzuckeranteil könne den Blutzuckerspiegel instabil machen. Besser: Ballaststoffe kombinieren mit hochwertigem Eiweiß aus griechischem Joghurt, Skyr oder pflanzlichen Alternativen plus gesunden Fetten aus Nüssen oder Avocados.
Longevity-Trend: Regionales Superfood statt exotischer Wundermittel
An der Medizinischen Universität Graz startete am 11. Mai ein besonderes Projekt. Die Mensa bietet künftig spezielle Longevity-Powerfood-Menüs an. Entwickelt wurden sie von der Ernährungsmedizinerin Kristina Hütter-Klepp und der Zellbiologin Corina Madreiter-Sokolowski.
Der Fokus liegt auf regionalen, saisonalen und weitgehend unverarbeiteten Zutaten. Spinat, Spargel, Paprika und Zinkquellen wie Haferflocken stehen im Mittelpunkt. Ziel: Die Zellalterung bremsen und den Stoffwechsel unterstützen.
Ein Fallbeispiel aus der Praxis zeigt, was möglich ist. Dr. Felix Bertram senkte sein biologisches Alter innerhalb eines Jahres von 74 auf 69 Jahre. Seine Routine: drei Stunden Sport pro Woche – aufgeteilt in Kraft- und Ausdauertraining – plus täglich mindestens 7.000 Schritte. Laut Statistiken senkt dieses Bewegungsmaß das allgemeine Sterberisiko um etwa 40 Prozent. Als Supplement empfiehlt der Mediziner drei bis fünf Gramm Kreatin täglich.
Hormone verstehen: Wie Blutzucker und Entzündungen zusammenhängen
Hormone steuern unseren Stoffwechsel – und damit auch unser Krankheitsrisiko. Insulin fungiert als Türöffner für die Zellen, hemmt aber gleichzeitig den Fettabbau. Glukagon agiert als Gegenspieler und gibt Zucker aus der Leber frei. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol können den Blutzuckerspiegel zusätzlich erhöhen.
Die Konsequenz: Chronischer Stress belastet den Stoffwechsel dauerhaft. Eine stabile Blutzuckerkurve – unterstützt durch ballaststoffreiche Ernährung – gilt als präventiv gegen Entzündungsprozesse.
Wissenschaftliche Analysen zeigen: Ultraprozessierte Lebensmittel, übermäßiger Zucker und gesättigte Fette fördern Entzündungen. Diese wiederum gelten als Wegbereiter für Zellveränderungen. Ballaststoffe aus Obst und Gemüse hingegen fördern eine gesunde Darmflora, die das Immunsystem stabilisiert.
Der Ernährungsberater Rob Hobson veröffentlichte am 12. Mai eine Liste mit zwölf Basis-Lebensmitteln für optimale Nährstoffversorgung. Dazu zählen Eier, Tofu, Hülsenfrüchte, dunkles Blattgemüse, öliger Fisch und Samen. Ziel: täglich etwa 100 Gramm Protein plus eine hohe menge an Mikronährstoffen.
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Die Schattenseite: Wenn Gesundheitswahn krank macht
Die Diskussion um Ernährung nimmt in der Gesellschaft oft dogmatische Züge an. Eine aktuelle WDR-Dokumentation beleuchtete das Phänomen der Orthorexie – den Zwang, sich ausschließlich gesund zu ernähren. Experten warnen: Essverhalten werde zunehmend als moralische Orientierung und Identitätsmerkmal genutzt. Das könne zu psychischen Belastungen führen.
Die medizinische Evidenz bleibt dennoch eindeutig: Ernährung ist ein signifikanter Risikofaktor, aber keine alleinige Krankheitsursache. Professor Jean-François Chenot von der Universität Greifswald erklärte am 11. Mai, dass die Genetik oft eine größere Rolle spiele als die Ernährung allein – etwa beim Cholesterinspiegel.
Trotzdem zeigen Studien der Universität Bonn: Spezifische Interventionen wirken. Der tägliche Verzehr von 300 Gramm Haferflocken senkte das LDL-Cholesterin bei Patienten mit metabolischem Syndrom um zehn Prozent. Seit Dezember 2024 gelten zudem verschärfte Richtlinien für die Verordnung von Statinen – bereits ab einem zehnprozentigen Zehn-Jahres-Risiko können sie zum Einsatz kommen.
Klimawandel als Gesundheitsrisiko: Hitzewellen und Nierensteine
Die Herausforderungen durch den Klimawandel stellen zusätzliche Anforderungen an das Gesundheitssystem. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) warnte am 11. Mai: Zunehmende Hitzewellen erhöhen das Risiko für Nierensteine. Allein 2024 führte das zu über 113.000 Krankenhausbehandlungen in Deutschland. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2,5 Litern täglich wird daher neben der Ernährung immer wichtiger.
Ausblick: Personalisierte Prävention statt Diättrends
Die Integration von Ernährungsstrategien in den Alltag schreitet voran. Spezialisierte Angebote in Kantinen und Wearables zur Überwachung metabolischer Marker werden alltäglicher. Die Wissenschaft fordert eine Abkehr von kurzfristigen Diättrends hin zu einer nachhaltigen, vollwertigen Ernährungsweise.
Die Umsetzung der HEAL-Report-Forderungen könnte langfristig nicht nur die Lebensqualität Einzelner erhöhen, sondern auch die globalen Gesundheitssysteme entlasten. Experten sind sich einig: Die Kombination aus wissenschaftlicher Aufklärung, politischem Rahmen und individueller Verantwortung ist der Schlüssel, um die Inzidenz von Zivilisationskrankheiten in den kommenden Jahrzehnten spürbar zu senken.
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