Künstliche Intelligenz, Globale KI-Regulierung

KI-Kontrolle: 22 Staatschefs fordern globale Behörde für Hochleistungs-Systeme

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 13:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

22 Staats- und Regierungschefs verlangen verbindliche Sicherheitsregeln für besonders leistungsfähige KI und schlagen eine weltweite Kontrollbehörde vor. Die USA und China haben den Aufruf bislang nicht unterzeichnet.

22 Staats- und Regierungschefs warnen vor den Gefahren hochentwickelter KI-Systeme.  - Bild: Michael Kappeler/dpa
22 Staats- und Regierungschefs warnen vor den Gefahren hochentwickelter KI-Systeme. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Eine Gruppe von 22 Staats- und Regierungschefs fordert angesichts rascher technologischer Fortschritte und jüngster Sicherheitsvorfälle eine globale Kontrollbehörde für besonders leistungsfähige Systeme Künstlicher Intelligenz.

Aufruf am Rand der UN-Generalversammlung

Die Erklärung wurde am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York vorgestellt. Sie verlangt verbindliche Sicherheitsregeln für Entwickler sowie eine weltweite Aufsicht nach dem Vorbild internationaler Kontrollorganisationen.

Zu den Erstunterzeichnern zählen neben den Initiatoren aus Finnland und Norwegen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Angeschlossen haben sich außerdem unter anderem Australien, Kanada, Kenia, Singapur und Südafrika.

Sorge vor Kontrollverlust

Der Vorstoß wurde maßgeblich vom finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støre vorangetrieben. In der Erklärung wird auf Beobachtungen verwiesen, wonach hochleistungsfähige Systeme Schutzvorkehrungen umgangen, Sicherheitslücken ausgenutzt und unbefugt auf reale Computernetze zugegriffen hätten.

Führende Forscher und Unternehmenschefs warnen demnach, das Entwicklungstempo könne die menschliche Kontrollfähigkeit überholen. KI müsse deshalb unter menschlicher Leitung, Aufsicht und Kontrolle bleiben und im Einklang mit dem Völkerrecht stehen.

Drei Forderungen an Staaten und Hersteller

Der Plan sieht erstens nachvollziehbare Sicherheitsvorkehrungen und umfassende Prüfungen durch unabhängige Fachleute vor der Freigabe neuer Programme vor. Zweitens sollen Regierungen einheitliche Vorgaben schaffen und schwere Störfälle gegenseitig melden.

Drittens sollen die UN-Staaten den Aufbau einer weltweiten Einrichtung prüfen, die verbindliche Maßstäbe setzt, Kontrollen durchführt und Staaten zusammenruft, sobald bestimmte Leistungsgrenzen überschritten werden. Die technologisch führenden Mächte USA und China fehlen bislang.

Kritik von AlgorithmWatch

Die Berliner Bürgerrechtsorganisation AlgorithmWatch warnt vor zeitraubenden Scheinlösungen. Geschäftsführer Matthias Spielkamp sagte, die Politik verliere nicht die Beherrschung einer Technik, sondern die Kontrolle über die Unternehmen, die sie herstellten.

Ein weltweites Abkommen nehme Jahre in Anspruch, während die Konzerne weiterarbeiteten. Die EU und die US-Regierung könnten Anbieter nach Spielkamps Einschätzung bereits heute durch eine konsequente Durchsetzung bestehender Regeln und eine persönliche Haftung von Entwicklern und Konzernchefs stärker in die Pflicht nehmen.

Internationale Regeln stehen vor einem Praxistest

Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der Staaten, Unternehmen und Fachleute um gemeinsame Sicherheitsstandards für besonders leistungsfähige KI ringen. Im Mittelpunkt stehen nicht alltägliche Anwendungen, sondern Systeme, die eigenständig Aufgaben ausführen, auf digitale Umgebungen zugreifen oder sich in kurzer Zeit stark weiterentwickeln können.

Der Drei-Punkte-Plan verbindet Pflichten der Entwickler mit staatlicher Zusammenarbeit. Prüfungen vor der Veröffentlichung, transparente Sicherheitsprotokolle und die Meldung schwerer Vorfälle würden darauf zielen, Risiken früher sichtbar zu machen. Eine internationale Behörde könnte gemeinsame Maßstäbe setzen; ihre praktische Wirksamkeit hinge jedoch von Zuständigkeiten, Finanzierung und der Bereitschaft der Staaten ab, Kontrollen tatsächlich durchzusetzen.

USA und China bleiben entscheidend

Die fehlende Beteiligung der beiden technologisch führenden Mächte erschwert ein weltweit einheitliches Verfahren. Zugleich beraten Vertreter beider Länder separat über einen Kommunikationskanal zu KI-Risiken. Das zeigt, dass Sicherheitsfragen auch zwischen konkurrierenden Staaten an Bedeutung gewinnen, ohne dass daraus bereits ein umfassendes Abkommen folgt.

Für Unternehmen und Nutzer könnten verbindliche Regeln langfristig mehr Transparenz über Tests, Sicherheitsgrenzen und den Umgang mit Störfällen schaffen. Kurzfristig ist entscheidend, ob aus der politischen Erklärung konkrete Meldepflichten, unabhängige Prüfungen und durchsetzbare Haftungsregeln entstehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Zahlreiche Staats- und Regierungschefs fordern verbindliche Sicherheitsregeln für Künstliche Intelligenz“ (22.09.2026)

Der Bericht bestätige den internationalen Aufruf und hebe verbindliche Tests, unabhängige Prüfungen sowie transparente Sicherheitsprotokolle hervor. Zusätzlich ordne er die Forderungen in Empfehlungen eines UN-Expertengremiums ein, das sich an Sicherheitsregeln etwa für Luftfahrt oder Atomkraftwerke orientiere.

tagesschau: „Vor Trump-Xi-Gipfel: USA und China beraten über KI“ (21.09.2026)

Der Artikel bestätige die internationale Zuspitzung der Sicherheitsdebatte, setze den Schwerpunkt jedoch auf Gespräche zwischen den USA und China. Vertreter beider Staaten hätten über einen Mechanismus zum Austausch von Informationen beraten; offen bleibe, ob daraus gemeinsame verbindliche Leitplanken entstünden.

Medienübergreifend bestehe Einigkeit über den wachsenden Bedarf an Sicherheitsvorkehrungen. Unterschiede zeigten sich beim Schwerpunkt zwischen einer globalen Kontrollstruktur und bilateralen Verständigungskanälen; offen bleibe insbesondere die Einbindung der USA und Chinas in ein weltweites Regelwerk.

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