167 Millionen alte Handys: Deutschlands verborgene Rohstoffminen
02.07.2026 - 19:30:53 | boerse-global.de
Gleichzeitig lagern in deutschen Haushalten Rohstoffe im Wert von Millionen.
Neue Regeln für Reparaturen
Das EU-Parlament hat am 2. Juli 2026 mit großer Mehrheit für eine ambitionierte Reparatur-Richtlinie gestimmt. 590 Abgeordnete votierten dafür, nur 15 dagegen. Der Entwurf sieht faire Preise für Ersatzteile vor und verbietet die sogenannte Teilekopplung. Zudem soll eine Reparaturpflicht über die Garantiezeit hinaus kommen.
Ein konkreter Anreiz für Verbraucher: Wer sein Gerät reparieren lässt, bekommt ein Jahr zusätzliche Gewährleistung. Die Trilog-Verhandlungen auf EU-Ebene sind für den 7. Dezember 2026 angesetzt.
Parallel hat der Deutsche Bundestag ein Gesetz zur Förderung der Reparatur verabschiedet. Zentrale Neuregelungen treten bereits am 31. Juli 2026 in Kraft. Betroffen sind vor allem Smartphones, Tablets und Waschmaschinen.
Kritik von beiden Seiten
Wirtschaftsverbände und Verbraucherschützer sehen die Umsetzung kritisch. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bemängelt fehlende Preisobergrenzen für Ersatzteile. Der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) warnt vor einem Fachkräftemangel.
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Laut Verbandserhebungen sehen sich rund 74 Prozent der Händler derzeit nicht in der Lage, die erwartete Mehrarbeit personell zu stemmen.
167 Millionen tote Handys
Welches wirtschaftliche Potenzial in alten Geräten steckt, zeigt eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) vom 1. Juli 2026. In deutschen Haushalten lagern demnach rund 167 Millionen ungenutzte Mobiltelefone.
Der Rohstoffwert ist enorm: Etwa eine Tonne Gold, 3.700 Tonnen Aluminium und 1.800 Tonnen Kupfer stecken in den Altgeräten. Der Metallwert pro Handy ist allerdings gesunken – auf etwa 1,25 Euro, halb so viel wie vor zehn Jahren.
Trotz steigender Rohstoffnachfrage landen nur 5 bis 10 Prozent der Geräte im fachgerechten Recycling. Experten sehen in diesen „urbanen Minen“ eine strategische Chance für die Rohstoffsicherheit.
Industrie investiert in Recycling
Der Kupferproduzent Aurubis eröffnet am 3. Juli 2026 die Anlage „Complex Recycling Hamburg“ (CRH). Rund 190 Millionen Euro hat das Unternehmen investiert. Die Anlage soll Kupfer, Blei und Schwefelsäure aus Elektroschrott zurückgewinnen.
Aurubis verarbeitet eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als eine Million Tonnen Recyclingmaterial. Für das Geschäftsjahr 2025/26 prognostiziert das Unternehmen ein operatives Ergebnis zwischen 425 und 525 Millionen Euro.
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Reparaturservice beim Kaffeeröster
Auch der Einzelhandel testet neue Wege. Tchibo startete Ende Juni 2026 einen sechsmonatigen Pilotversuch für digitalen Reparaturservice bei Bekleidung. Kunden können Hosen, Jacken oder Rucksäcke einschicken. Die Kosten liegen im mittleren zweistelligen Euro-Bereich.
Refurbished-Markt wächst – aber langsam
Der Markt für wiederaufbereitete Technik zeigt eine geteilte Entwicklung. Laut Marktforschern von Counterpoint wuchs der Absatz von „Refurbished“-Smartphones Anfang 2026 um 4 Prozent. Für Neugeräte prognostizieren die Analysten bis Jahresende einen Rückgang von 14,8 Prozent.
Bis 2027 könnten rund 45 Prozent der weltweiten Smartphone-Lieferungen auf KI-fähige Modelle entfallen. Das stellt neue Anforderungen an die Reparaturfähigkeit.
Betrugsfall erschüttert Sekundärmarkt
Das Amtsgericht Krefeld verurteilte am 1. Juli 2026 den Ex-Geschäftsführer des Ankaufportals Cleverbuy wegen Betrugs zu zwei Jahren und acht Monaten Haft. Hintergrund waren über 1.300 Strafanzeigen und ein Schaden im sechsstelligen Bereich.
Der Fall zeigt: Der Sekundärmarkt braucht geprüfte Standards. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert zudem einen herstellerfinanzierten Reparaturfonds, um die Kosten für Verbraucher zu senken.
