Nummer, Notfall

112 oder 116 117: Welche Nummer bei Notfall und Beschwerden richtig ist

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
19 Prozent kennen die europaweite 112 nicht sicher; die 116 117 hilft bei Beschwerden ohne akute Lebensgefahr.
Ein modernes, unbesetztes Notruf-Einsatzzentrum mit großen Monitoren und technischer Ausrüstung in einer Leitstelle. Illustration mit AI erstellt.

Der Europäische Tag des Notrufs am 11. Februar wird von Hilfsorganisationen regelmäßig genutzt, um auf die entscheidende Bedeutung einer sachgerechten Nutzung der Notrufnummer 112 hinzuweisen. Ob akuter Herzinfarkt oder leichtere Beschwerden außerhalb der Praxisöffnungszeiten: Die Wahl der passenden Nummer entscheidet darüber, ob Rettungsmittel für lebensgefährliche Situationen frei bleiben oder das Notrufsystem unnötig überlastet wird.

Hohes Einsatzaufkommen in den Rettungsleitstellen

Welche Arbeitslast auf den Rettungskräften liegt, verdeutlichen regionale Daten. So verzeichnete die Integrierte Leitstelle Ulm im Vorjahr 77.180 Notrufe, was einem Durchschnitt von 211 Anrufen pro Tag entspricht. Daraus resultierten rund 40.000 Einsätze von Rettungsdienst und Feuerwehr, wobei über 90% auf den Rettungsdienst entfielen.

Zudem fielen ca. 40.000 Krankentransporte pro Jahr an. Bei akuten Gefahrenlagen übernehmen die Disponenten vor Ort auch eine aktive Betreuung und geben bei Bedarf telefonische Erste-Hilfe-Anleitungen, bis die Einsatzkräfte eintreffen.

Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist die Notrufnummer 112 in Deutschland bereits seit den 1970er Jahren gebräuchlich. Seit 1991 gilt sie zudem europaweit als einheitlicher, rund um die Uhr gebührenfreier Anschluss für Notfälle.

Der dazugehörige Aktionstag besteht seit 2009. Für polizeiliche Anliegen existiert die 110, während für medizinische Fälle ohne akute Lebensgefahr die bundesweite Rufnummer 116 117 geschaltet ist.

Wissensstand in der Bevölkerung und barrierefreie Zugänge

Trotz der jahrzehntelangen Etablierung bestehen weiterhin Wissenslücken in der Bevölkerung. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag von Doctolib ergab, dass 19% der Menschen in Deutschland – also etwa jeder Fünfte – die europaweite Notrufnummer 112 nicht kennen oder sich unsicher sind.

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Dennoch gaben 90% an, bei einem Notfall in Deutschland die 112 zu wählen. Das Bewusstsein für die europaweite Gültigkeit hat sich im Zeitverlauf verbessert: Im Jahr 2017 wussten lediglich 57% der Menschen in Deutschland, dass der Notruf 112 im gesamten EU-Gebiet gilt.

Um auch sprach- und hörbeeinträchtigten Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu den Rettungsdiensten zu bieten, ermöglicht die Notruf-App nora seit September 2021 barrierefreie Notrufe per Text-Chat.

Bei einem telefonischen Notruf empfiehlt unter anderem die Feuerwehr Waldbronn ein strukturiertes Vorgehen: Entscheidend seien die genaue Angabe des Notfallortes und die Schilderung dessen, was passiert ist. Zudem sollten Anrufer auf Rückfragen warten und das Gespräch keinesfalls vorzeitig beenden.

Klare Kriterien für Rettungsdienst und Bereitschaftsdienst

Ein zentrales Anliegen der Organisationen bleibt die saubere Trennung zwischen lebensbedrohlichen Notlagen und allgemeinen Erkrankungen. Ein DRK-Landesarzt rät, die 112 ausschließlich bei potenziell lebensbedrohlichen Symptomen zu wählen. Für nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der regulären Sprechzeiten stehe die 116 117 rund um die Uhr kostenlos zur Verfügung.

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Auch der DRK-Ortsverein Meschede/Eslohe betont die Notwendigkeit, die 112 nur im akuten Notfall anzurufen, um die Rettungsmittel für tatsächlich kritische Lagen zu reservieren. Als Notfälle gelten demnach Symptome wie Atemnot, Brustschmerzen, stark blutende Wunden, Bewusstlosigkeit oder der Verdacht auf einen Herzinfarkt.

Bei allgemeinen Beschwerden oder geschlossenen Arztpraxen verweist der Verein auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Typische Indikatoren hierfür sind Fieber, Durchfall, Ohrenschmerzen, eine akute Blasenentzündung sowie akute Rückenschmerzen, sofern diese ohne Taubheitsgefühle oder motorische Ausfälle auftreten.

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