1,8 Millionen Deutsche leben mit Demenz – Jeder zweite Fall wäre vermeidbar
22.05.2026 - 02:13:16 | boerse-global.de
Aktuell sind rund 1,8 Millionen Menschen betroffen, jährlich kommen etwa 450.000 Neudiagnosen hinzu. Doch die medizinische Versorgung allein reicht nicht aus, warnen Experten. Prävention rückt in den Fokus.
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Jeder zweite Fall vermeidbar
Der Mediziner Dietrich Grönemeyer verwies am 21. Mai auf eine zentrale Erkenntnis: Die Lancet-Kommission hat 14 Risikofaktoren identifiziert. Demnach ist jede zweite Demenz potenziell vermeidbar – wenn Betroffene frühzeitig gegensteuern.
Die Liste der beeinflussbaren Faktoren ist lang: Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen. Aber auch Hörverlust, Sehschwäche, soziale Isolation und unverarbeitete Traumata spielen eine entscheidende Rolle.
Die Förderung der Teilhabe beginnt laut Experten bereits vor dem Auftreten schwerer Symptome. Eine konsequente Behandlung von Hör- und Sehproblemen, soziale Kontakte und gesunde Ernährung stärken die kognitive Reserve des Gehirns. Auch die Verarbeitung psychischer Belastungen ist essenziell.
Regionale Initiativen zeigen Wirkung
Der Landkreis Osnabrück startete im Mai eine kostenlose Vortragsreihe. Gerontologen wie Tristan Gruschka klären dort über Stressmanagement und Ernährung auf. Die Angebote in Bürgerzentren und Dorftreffs sollen die Hemmschwelle für Hilfsangebote senken. Nächster Termin: 9. Juni in Rieste.
Neue Therapie: Stabilisierung statt Heilung
Alzheimer Deutschland dokumentierte am 20. Mai einen bemerkenswerten Fall. Eine 81-jährige Patientin erhält seit 2021 eine transkranielle Pulsstimulation (TPS) – ein nicht-invasives Verfahren. Ergebnis: Ihr Krankheitsverlauf stabilisierte sich. Sie kann weiterhin allein leben und ihren Haushalt führen.
Kombinierte motorisch-kognitive Trainings gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Die BKK Linde kooperiert seit Mai mit der FPZ GmbH. Versicherte mit neurodegenerativen Erkrankungen erhalten Zugang zu einer speziellen NeuroTherapie. Das Programm umfasst 32 Einheiten – Krafttraining kombiniert mit Übungen auf einem sogenannten Skillcourt. Ziel: Sturzrisiko minimieren, Mobilität erhalten.
Tischtennis gegen den kognitiven Abbau
Sportmediziner Dr. Bastian Marquaß empfiehlt besonders Tischtennis. Die Sportart fordert Koordination und Reaktion, stimuliert den Hippocampus und verzögert den neuronalen Abbau. Die Mitgliederzahlen des Deutschen Tischtennis-Bundes stiegen 2025 um 2,8 Prozent – ein Zeichen, dass solche Angebote ankommen.
Neben motorischem Training spielt auch die gezielte Stärkung der Muskelkraft eine tragende Rolle für die Mobilität im Alter. Erfahren Sie in diesem Experten-Ratgeber, wie Sie mit nur 6 einfachen Übungen zuhause effektiv gegensteuern können. Kostenlosen PDF-Ratgeber für Krafttraining ab 50 herunterladen
Pflegeversicherung muss umdenken
Vertreter des Medizinischen Dienstes Bund und des GKV-Spitzenverbandes fordern im Mai einen Kurswechsel: Die Pflegeversicherung soll stärker auf Prävention setzen. Carola Engler vom Medizinischen Dienst betont: „Pflegebedürftigkeit ist kein unabwendbares Schicksal.“ Derzeit werden bei 59 Prozent der Erstbegutachtungen Therapien empfohlen – aber oft nicht zeitnah umgesetzt. Die Pflegebegutachtung müsse zur präventiven Impulsberatung werden.
Wien setzt auf Begegnung
Das Programm „Seelische Gesundheit“ in Wien bietet von Mai bis September kostenlose Mitmach-Angebote im öffentlichen Raum. Bewegung, Tanz und kreative Gestaltung schaffen Räume für Begegnung – und wirken der sozialen Isolation entgegen, die oft mit kognitiven Beeinträchtigungen einhergeht.
Neue Immunzellen entdeckt
Forscher der Universitäten Leipzig, Augsburg und der Oregon Health and Science University veröffentlichten im Mai in Nature Neuroscience eine Entdeckung: Im Gehirn von Alzheimer-Patienten findet sich eine bisher unbekannte Immunzell-Population. Diese speziellen Mikrogliazellen sammeln sich an den charakteristischen Amyloid-Beta-Plaques. Mit der neuen Mikroskopie-Technologie CODEX-CNS analysierten die Wissenschaftler mehr als 30 Proteinmarker gleichzeitig – ein Schritt zu gezielteren Therapien.
Handschrift als Frühwarnsystem
Eine Studie von João Galrinho und Kollegen aus dem Jahr 2026 zeigt: Die Handschrift verrät kognitiven Abbau. Bei Diktat-Aufgaben zeigten beeinträchtigte Probanden veränderte Muster – spätere Startzeiten, häufigere Pausen. Die digitale Erfassung solcher Muster könnte künftig als Frühwarnsystem dienen.
Vitamin D schützt, Fischöl überrascht
Forscher der Universität Galway und der Boston University stellten am 20. Mai eine Langzeitstudie vor: Ein höherer Vitamin-D-Spiegel in der Lebensmitte korreliert mit geringeren Tau-Protein-Ablagerungen im Gehirn – 16 Jahre später nachweisbar.
Ganz anders die Ergebnisse chinesischer Forscher: In einer Beobachtungsstudie mit 800 Teilnehmern zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Fischöl-Kapseln und beschleunigtem kognitivem Abbau sowie verringertem Glukose-Stoffwechsel im Gehirn. Die Kausalität ist noch ungeklärt.
EU prüft Lithium als Nahrungsergänzung
Am 21. Mai setzte sich EU-Abgeordneter Gerald Hauser gemeinsam mit Experten dafür ein, Lithium als essenzielles Spurenelement anzuerkennen. Niedrig dosierte Präparate sollen als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit prüft derzeit.
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