Zukunftspreis Deutsche Energie 2026: Diese Projekte zeigen, wie Energie vor Ort funktioniert
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 12:43 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS
Wer hat die besten Energiekonzepte im ganzen Land? Der Verein Heimatwurzeln e.V. hat in diesem Jahr erstmals Unternehmen, Kommunen und Initiativen aus ganz Deutschland aufgerufen, ihre Lösungen für eine bezahlbare, nachhaltige und sichere Energieversorgung vor Ort zu zeigen. Die besten Projekte wurden gestern mit dem Zukunftspreis Deutsche Energie ausgezeichnet.
Gesellschaftlicher Nutzen, regionale Wertschöpfung und die Beteiligung der Menschen vor Ort waren nur einige Kriterien, unter denen die Jury über vierzig eingegangene Bewerbungen unter die Lupe genommen hatte. Neun Nominierungen schafften es in die engere Auswahl des Zukunftspreises Deutsche Energie. Gewonnen haben nun die Gemeinde Uckerland mit dem Windwärmespeicher Nechlin, die FTM-Service GmbH aus Linthe und der Hochwasserhilfeverein Marienthal.
Nechlin in der Uckermark: Wind wärmt ein ganzes Dorf
In der Kategorie Kommunen setzte sich die Gemeinde Uckerland mit einem Konzept durch, das den Ortsteil Nechlin mit preiswerter und nachhaltiger Wärme versorgt. Das Prinzip verwendet Strom aus dem benachbarten Windpark, der andernfalls nicht genutzt werden könnte: Elektrische Heizstäbe erwärmen Wasser, das direkt in das örtliche Nahwärmenetz eingespeist. Inzwischen sind nahezu alle Haushalte in Nechlin an das kommunale Nahwärmenetz angeschlossen. Zusätzliche Einnahmen aus der Windenergie flossen in der Vergangenheit unter anderem in neue Feuerwehrfahrzeuge, ein Sportlerheim sowie die Ausstattung von Grundschule und Kita.
Bürgermeister Matthias Schilling nahm den Preis in Empfang und erklärte: "Bei uns gibt es ein geflügeltes Wort: Wer ertragen muss, muss auch Ertrag haben, und Windräder sind ja nicht unbedingt so attraktiv. Insofern sind die Bürger schon belastet davon. Wir haben gesagt, dafür müssen wir einen Ausgleich schaffen. Deshalb versuchen wir, jetzt auch die anderen Ortsteile mit dem Wärmenetz auszustatten. Das ist unser Ziel."
Linthe/Alt Bork: Wie ein Kfz-Betrieb jährlich 42 Tonnen CO2 spart
Rund 200 km von Nechlin entfernt befindet sich die FTM-Service GmbH. Der KFZ-Meisterbetrieb ist auf die Ausstattung und Instandsetzung von Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen spezialisiert. Wenn Geschäftsführer Marcel Mika oder seine Mitarbeiter Dienstfahrten zu erledigen haben, nutzen sie eins der sieben E-Fahrzeuge. Den benötigten Strom erzeugen Photovoltaikanlagen auf Dach und Fassade des Betriebs. Beheizt werden die Firmengebäude mit zwei Wärmepumpen, die mit einem Kapillarheizsystem verbunden sind.
"Als Unternehmer geht es mir um Unabhängigkeit von Energielieferanten, Verantwortung und Kostenersparnis", resümiert Marcel Mika. "Seit der Umrüstung sparen wir jährlich rund 42 Tonnen CO2 und etwa 30.000 Euro Energiekosten. Diese können wir in ein sicheres Umfeld für unsere Mitarbeiter und in gute Werkzeuge investieren. Sein Tipp für andere Unternehmer: Einfach machen. Ein bisschen rechnen, dann bleibt einem eigentlich keine andere Lösung übrig.
Dernau/Rheinland-Pfalz: Ein Dorf baut seine Zukunft neu
Nach der Flut nicht nur wiederaufbauen, sondern neu anfangen: Genau das haben die Bewohner von Marienthal in Dernau/Rheinland-Pfalz geschafft. Als die Ahr 2021 zum reißenden Strom wurde, zerstörte die Flut große Teile des Ortes. Die Menschen standen buchstäblich vor dem Nichts - und krempelten die Ärmel hoch. Sie gründeten den Hochwasserhilfeverein Marienthal e.V. und nahmen den Wiederaufbau selbst in die Hand. Entstanden sind ein Nahwärmenetz mit Pelletsheizung, Solarthermie, Photovoltaik und Speicher sowie ein neues Dorfgemeinschaftshaus mit Spielplatz und Brunnen. Gleichzeitig wurden Wasserleitungen, Glasfaser und Straßenbeleuchtung erneuert.
Auch die Umwelt profitiert von der Weitsicht und Innovationskraft der Marienthaler: Die Wärmeversorgung ist heute nahezu CO2-neutral. Für Gisbert Knichwitz, der den Award im Namen seines Vereins entgegennahm, ist jedoch etwas anderes entscheidend: In Marienthal sei etwas entstanden, von dem der ganze Ort profitiere. "Wir wollen unseren Ort attraktiv machen, für junge Familien und ihnen eine Heimat geben, in der sie sich wohlfühlen. Die neue Dorfmitte - mit allem, was dazu gehört - das sind wir!".
Neun Projekte ausgezeichnet
Die Verleihung des Zukunftspreises Deutsche Energie fand im Rahmen der 2. Berliner Konferenz für Bürgerlichen Klimaschutz statt. Im Namen der Jury überreichte Bertram Fleck, ehemaliger Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises und selbst Initiator erfolgreicher Energieprojekte, die Auszeichnungen. Die neun nominierten Organisationen erhielten jeweils ein Preisgeld von 2.000 Euro zur Finanzierung einer Veranstaltung. Die Erstplatzierten der drei Kategorien wurden zusätzlich mit einem Preisgeld von 5.000 Euro ausgezeichnet. Der Zukunftspreis wird gesponsert von DoppelErnte GmbH, einem Unternehmen, das Agri-PV-Modelle entwickelt. Schirmherrin Kerstin Schreyer ist Staatsministerin a.D. und CSU-Landtagsabgeordnete in Bayern. Partner der Initiative "Zukunftspreis Deutsche Energie" ist der Bundesverband Neue Energiewirtschaft.e.V. (bne) und die Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND).
Über Heimatwurzeln e.V.
Heimatwurzeln e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn und setzt sich für bürgerlichen Klimaschutz ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus dem bürgerlichen Spektrum will der Verein die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen in der Mitte der Gesellschaft fördern.
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