Zuckersteuer: 26–38 Cent pro Liter ab 2027 geplant
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung hat am Mittwoch eine Ausweitung der geplanten Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke abgelehnt. Finanzminister Klingbeil (SPD) und Bundeskanzler Merz (CDU) verständigten sich darauf, dass Erfrischungsgetränke ohne Zuckeranteil nicht steuerlich belastet werden sollen. Damit ist ein zuvor diskutiertes Eckpunktepapier des Finanzministeriums, das auch Süßstoff-Getränke einbezogen hätte, hinfällig.
Einigung der Koalitionsspitzen beendet internen Streit
Nach Verhandlungen der Koalitionsspitzen stellte Finanzminister Klingbeil am Mittwoch klar, dass es keine Steuer auf nicht-zuckerhaltige Getränke geben werde. Bundeskanzler Merz ergänzte, dass über dieses Thema in der Regierung kein Streit mehr bestehe.
Klingbeil stoppte damit offizielle Pläne seines eigenen Hauses, die erst am Vortag für öffentliche Diskussionen gesorgt hatten. Das interne Eckpunktepapier, welches eine Besteuerung von Süßstoffen vorsah, bezeichnete das Finanzministerium nunmehr als bloßen Arbeitsstand, der verworfen wurde.
Zuvor hatte eine Gesundheitsexpertin der Union die Besteuerung von sogenannten Zero-Getränken abgelehnt. Auch Hessen-Ministerpräsident Rhein sowie Vertreter der Ernährungsindustrie hatten die Pläne scharf kritisiert.
Geplante Steuerstufen für gezuckerte Getränke ab 2027
Trotz der Entscheidung gegen eine Süßstoff-Abgabe hält die Bundesregierung an der Einführung einer Zuckersteuer auf gezuckerte Getränke fest, die ab dem Jahr 2027 greifen soll. Die ursprünglichen Entwürfe des Finanzministeriums sahen dafür ein dreistufiges Modell vor:
- 26 Cent pro Liter bei einem Zuckergehalt ab 4,5 Gramm pro 100 Milliliter
- 32 Cent pro Liter ab 7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter
- 38 Cent pro Liter ab 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter
Nach den am Dienstag bekannt gewordenen Plänen sollten unter anderem Limonaden, Säfte, Eistees, Fruchtschorlen, alkoholfreies Bier sowie Milchmischgetränke und Haferdrinks unter die Steuerpflicht fallen. Ausgenommen bleiben nach aktuellem Stand reine Milch sowie Fruchtsäfte aus 100 Prozent Fruchtgehalt.
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Differenzen zwischen Finanz- und Agrarministerium
Im Vorfeld der Einigung am Mittwoch hatte Agrarminister Alois Rainer (CSU) einen Leitungsvorbehalt gegen die Entwürfe des Finanzministeriums eingelegt. Er kritisierte die Abweichungen von den Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit (FKG).
Das Agrarministerium forderte stattdessen ein Zwei-Stufen-Modell ab einem Gehalt von 5 Gramm beziehungsweise 8 Gramm Zucker pro 100 Milliliter sowie weitreichendere Ausnahmen für Schorlen, Smoothies und alkoholfreies Bier. Zudem sprach sich Rainer gegen einen Starttermin bereits im Jahr 2027 aus.
In der Arbeit um die fiskalischen Auswirkungen gab es widersprüchliche Prognosen. Während das Finanzministerium mit Einnahmen von 650 Millionen Euro für 2027 und jährlich 450 Millionen Euro ab 2028 kalkulierte, erwartete das Agrarministerium bei einer breiten Ausweitung der Steuer jährliche Einnahmen von rund 2 Milliarden Euro. Das Gesundheitsministerium sollte ursprünglich in diesem Streit vermitteln.
Gesundheitliche und wirtschaftliche Einordnung
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Verbraucherzentrale hatten sich zuvor für die Einbeziehung von Süßstoffen ausgesprochen. Demgegenüber bemängelte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), dass der aktuellen Planung die notwendige Lenkungswirkung fehle.
Kritik kam zudem von den Grünen und aus der Union, die der Regierung vorwarfen, die Steuer primär zur Haushaltskonsolidierung und weniger aus gesundheitspolitischen Erwägungen einzuführen.
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Für die Landwirtschaft könnte die Einführung der Steuer spürbare Folgen haben. Schätzungen zufolge könnte der Rübenanbau in Deutschland um 3 bis 5 Prozent sinken, was einer Fläche von 11.500 bis 17.300 Hektar entspricht.
Experten verweisen jedoch auf Erfahrungen aus Großbritannien, wo eine ähnliche Steuer ohne die Einbeziehung von Süßstoffen dazu führte, dass die Zuckermenge in Softdrinks zwischen 2015 und 2020 um ein Drittel sank, da Hersteller ihre Rezepturen anpassten.
