Zollschock, EU-Stahlexporte

Zollschock: EU-Stahlexporte in USA brechen um 34 Prozent ein

05.06.2026 - 05:26:01 | boerse-global.de

Washington senkt Abgaben auf Klimatechnik, führt aber neue Zölle auf Metallprodukte ein und verschärft Sanktionen gegen Zwangsarbeit.

US-Regierung justiert Stahl- und Aluminiumzölle neu
Zollschock - Nahaufnahme von gestapelten Stahl- und Aluminiumblechen in einer industriellen Umgebung, symbolisch für Zölle und Handel. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Präsident Donald Trump unterzeichnete eine Proklamation, die die Abgaben auf bestimmte Klimasysteme und landwirtschaftliche Geräte ab dem 8. Juni senkt. Gleichzeitig führt Washington neue Zölle auf andere Metallprodukte ein und bereitet schärfere Maßnahmen gegen Importe aus Regionen mit mutmaßlicher Zwangsarbeit vor.

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Entlastung für Klimatechnik und Landmaschinen

Der Zollsatz für spezifische Heizungs-, Belüftungs- und Klimasysteme (HVAC) sowie landwirtschaftliches Gerät sinkt von 25 auf 15 Prozent. Die Regierung begründet den Schritt mit dem Schutz der nationalen Sicherheit und dem Ziel, die heimische Produktion zu fördern. Marktbeobachter sehen darin zudem ein Instrument zur Inflationsbekämpfung.

Für mobile Industriegeräte aus der EU, Japan und Südkorea gilt der reduzierte Satz vorerst bis Ende 2027. Langfristig ist eine Anpassung der Ursprungsregeln geplant: Ab Januar 2028 soll ein niedrigerer Zollsatz von 10 Prozent gewährt werden – sofern der US-Metallanteil an den Produkten mindestens 85 Prozent beträgt. Bisher lag diese Schwelle bei 95 Prozent.

Neue Abgaben auf Alu-Platten und Stahlregale

Während einige Branchen entlastet werden, führt die Proklamation neue Abgaben von 25 Prozent auf Aluminium-Lithografieplatten und Stahlregale ein. Die Zollstruktur wird zudem in mehrere Kategorien unterteilt. Für Produkte aus Vollmetall (Annex I-A) gilt künftig ein Regelsatz von 50 Prozent – für Importe aus Großbritannien kann unter bestimmten Bedingungen ein Satz von 25 Prozent greifen.

Weitere Abstufungen betreffen überwiegend aus Metall gefertigte Waren (Annex I-B) mit einem Zollsatz von 25 Prozent. Britische Exporteure können hier reduzierte Sätze von 15 Prozent nutzen, wenn sie einen US-Metallanteil von zehn Prozent nachweisen. Für metallintensive Ausrüstung (Annex III) wurde ein Maximalsatz von 15 Prozent bis Ende 2027 festgelegt.

EU-Stahlexporte brechen ein

Die US-Handelspolitik zeigt bereits deutliche Auswirkungen auf die europäische Stahlindustrie. Nach Daten des Branchenverbandes Eurofer brachen die EU-Stahlexporte in die USA seit Einführung der 50-prozentigen Zölle innerhalb von drei Quartalen um 34 Prozent auf 1,94 Millionen Tonnen ein. Der Abwärtstrend setzt sich damit fort: 2017 exportierte die EU noch 4,7 Millionen Tonnen, 2024 waren es 4,1 Millionen, 2025 nur noch 3,4 Millionen Tonnen.

Eurofer-Chef Axel Eggert betont die Notwendigkeit, dass die USA bestehende Handelsabkommen umsetzen. Die EU-Kommission kritisiert die aktuellen Ausnahmeregelungen als Abweichung vom sogenannten Turnberry-Deal. Brüssel droht damit, Handelserleichterungen zurückzuziehen – sollten die US-Zölle auf eine breite Produktpalette nicht bis Jahresende auf 15 Prozent gesenkt werden.

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Neue Sanktionen wegen Zwangsarbeit

Parallel zu den Metallzöllen bereitet die US-Administration neue Abgaben zwischen 10 und 12,5 Prozent für rund 60 Handelspartner vor. Die Maßnahmen richten sich gegen Länder, denen die USA unzureichende Maßnahmen gegen Produkte aus Zwangsarbeit vorwerfen. Betroffen wären unter anderem die EU, Großbritannien, Kanada und China. Für die betroffenen Staaten läuft eine Anhörungsfrist bis zum 6. Juli, gefolgt von einer offiziellen Anhörung am 7. Juli 2026. Die EU verweist in diesem Zusammenhang auf ihr eigenes Verbot von Zwangsarbeitsprodukten, das ab Dezember 2027 gelten soll.

Mercedes-Benz im Visier des Kongresses

Ein Gesetzentwurf im US-Repräsentantenhaus sorgt derweil für Unruhe in der Automobilbranche. Er sieht Sanktionen gegen Hersteller vor, die zu mindestens 15 Prozent von Investoren aus als Gegnerstaaten eingestuften Ländern kontrolliert werden. Davon wäre Mercedes-Benz betroffen: Die chinesischen Großaktionäre BAIC (9,98 Prozent) und Li Shufu (9,69 Prozent) überschreiten gemeinsam die kritische Schwelle. Im Extremfall drohen dem Hersteller, der in den USA knapp 160.000 Arbeitsplätze sichert, Produktions- und Verkaufsverbote auf dem US-Markt.

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