Zollgebühren, Pakete

Zollgebühren wirken: Pakete aus China um 46% gesunken

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU führt im November eine neue Paketgebühr ein. Textilverbände verlangen 10 Euro, während sinkende Lieferzahlen erste Folgen zeigen.

EU bestätigt Gebühr für Kleinsendungen ab November 2026
Weitläufige, leere Logistikhalle mit automatisierten Sortieranlagen und Förderbändern in einer Industrieumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben die Einführung einer neuen Bearbeitungsgebühr für Kleinsendungen aus dem Online-Handel zum 1. November 2026 bestätigt. Während der Grundsatz der Gebühr feststeht, ist die genaue Höhe noch offen und soll von der EU-Kommission festgelegt werden. Die Maßnahme zielt darauf ab, die massiv gestiegenen Importe aus Drittstaaten, insbesondere im Bereich des E-Commerce, stärker zu regulieren.

Textilverbände fordern deutlich höhere Abgaben

Europäische Branchenverbände der Textilindustrie, darunter UFIMH, UIT und EURATEX, halten die bisher diskutierten Summen für unzureichend. Während ein EU-Kommissar eine Gebühr von 2 Euro vorgeschlagen hatte, fordern die Verbände eine Bearbeitungsgebühr von 10 Euro pro Paket für sogenannte Fast-Fashion-Importe.

Eine Summe von lediglich 2 bis 4 Euro spiele laut den Branchenvertretern die tatsächlichen Kosten für die Durchsetzung der Vorschriften nicht angemessen wider. Eine Gebühr von 10 Euro sei hingegen notwendig, um den Aufwand der Behörden zu decken.

Die Verbände verwiesen in diesem Zusammenhang auf die wirtschaftliche Bedeutung ihrer Branche, die rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze und etwa 200.000 Unternehmen innerhalb der EU repräsentiere. Die geforderte Bearbeitungsgebühr soll nach den Vorstellungen der Verbände zusätzlich zu bestehenden Abgaben bis zum Jahr 2028 erhoben werden.

Massive Rückgänge bei Paketlieferungen seit Juli beobachtet

Die geplante Gebühr folgt auf eine erste Verschärfung der Einfuhrregeln. Bereits seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU einen Pauschalzoll von 3 Euro pro Warengruppe auf Sendungen mit einem Wert von unter 150 Euro. Zuvor war die langjährige Zollbefreiung für solche Kleinsendungen vollständig abgeschafft worden.

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Die Auswirkungen dieser Neuregelung zeigen sich bereits deutlich in der Statistik. In Frankreich wurde seit Juli 2026 ein Rückgang kleiner Pakete um 30 bis 40 Prozent verzeichnet, wobei der Anbieter Temu sogar ein Minus von 50 Prozent hinnehmen musste.

Die niederländische Zollbehörde meldete für die Monate Juli und August einen Rückgang der E-Commerce-Anmeldungen um 46 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt des ersten Halbjahres. Auch die Zahl der Pakete aus China in die Niederlande sank um 46 Prozent.

Dennoch spülte die neue Abgabe im Juli 134 Millionen Euro in die niederländische Staatskasse, wobei 35 Millionen Euro als zusätzliche Einnahmen durch die neue Heffing verbucht wurden.

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Deutsche Händler fordern bessere Kontrollinfrastruktur

In Deutschland fallen die Reaktionen gemischt aus. Während hiesige Händler den Effekt des Pauschalzolls bislang kaum spüren, gibt es Ausnahmen: Ein Einzelhändler für Mobilfunkzubehör berichtete von einem Umsatzanstieg von 200 Prozent seit Einführung der Abgabe. Es besteht jedoch der Verdacht, dass große Plattformen vermehrt Sammelcontainer-Lager innerhalb der EU nutzen, um die Zollabwicklungen an der Grenze zu umgehen. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass die Abgaben kleine Importeure überproportional belasten könnten.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) forderte in diesem Kontext eine beschleunigte Umsetzung des „Customs Data Hub“. Zudem seien wirksame Sperrmöglichkeiten bei systematischen Regelverstößen notwendig, um faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

Hintergrund und strukturelle Reformen

Die Notwendigkeit strengerer Kontrollen verdeutlichen die Zahlen aus dem Jahr 2025: In diesem Zeitraum verzeichnete die EU insgesamt 6 Milliarden Pakete, von denen 90 Prozent aus China stammten. Um die steigenden Anforderungen an die Zollverwaltung zu bewältigen, plant die EU eine grundlegende Strukturreform.

Ab dem Jahr 2027 soll eine neue EU-Zollbehörde mit Sitz im französischen Lille ihren Dienst aufnehmen, um die nationalen Behörden zu koordinieren und die Einhaltung der neuen Einfuhrregeln sicherzustellen.

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