Zollbehörden: 100 Milliarden Euro Steuerverluste jährlich in Deutschland
30.05.2026 - 22:18:29 | boerse-global.de
Deutsche und Schweizer Zollbehörden zeigen sich öffentlichkeitswirksamer denn je. Grund sind massive Drogenfunde, Milliardenverluste durch Steuerbetrug und ein akuter Personalmangel.
Rekordfund an der Grenze
Die Schweizer Zoll- und Grenzsicherheitsbehörde (BAZG) gewährte am heutigen Samstag seltene Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Auf Social-Media-Kanälen präsentierte die Behörde Fahrzeugkontrollen, Flughafenpatrouillen und den Einsatz von Spürhunden.
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Ein Vorfall am Grenzübergang Thayngen verdeutlicht die tägliche Arbeit: Beamte stoppten einen Schweizer Reisenden, der mit 55 Gepäckstücken aus dem Urlaub zurückkehrte. Mediensprecher Oliver Varga erklärte, die anschließende 20-minütige Röntgenkontrolle habe keine Verstöße ergeben – es handelte sich um persönliche Gegenstände, die nicht im Ausland gekauft worden waren.
Drogenfunde auf Rekordniveau
Die deutschen Zollfahnder vermelden derweil einen historischen Höchstwert bei sichergestellten Betäubungsmitteln. Fast zwei Tonnen Drogen sowie Millionen Zigaretten wurden beschlagnahmt. Cannabis war dabei die am häufigsten sichergestellte Substanz – doch die Ermittler betonen: Harte Drogen bleiben im Fokus.
Die finanziellen Dimensionen der Wirtschaftskriminalität sind gewaltig. Schätzungen zufolge entgehen dem deutschen Fiskus jährlich rund 100 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung. Weitere 100 Milliarden Euro gehen auf Geldwäsche zurück. Die Schäden aus CumEx- und CumCum-Geschäften belaufen sich auf etwa 40 Milliarden Euro. Bislang konnten weniger als ein Prozent der CumCum-Verluste zurückgeholt werden.
Personalmangel: Tausende Stellen unbesetzt
Um die steigende Arbeitsbelastung zu bewältigen, starten Sicherheitsbehörden und Verkehrsunternehmen großangelegte Rekrutierungskampagnen. Die Bundespolizei veranstaltete heute in Lübeck eine Nachwuchsmesse mit rund 10.000 erwarteten Besuchern. Der Druck auf die bestehenden Mitarbeiter ist enorm: Allein in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern leisteten 2024 rund 2.500 Beschäftigte über 150.000 Überstunden.
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Auch andere Branchen suchen händeringend Personal:
- Deutsche Bahn: In Nordhausen werden Quereinsteiger für eine neunmonatige Umschulung zum Zugverkehrssteuerer gesucht
- Ausbildungslücke: In Erfurt standen 950 Ausbildungsplätze nur 700 Bewerbern gegenüber. Im Kreis Mettmann blieben 920 Stellen unbesetzt
- Internationale Fachkräfte: Die Initiative „WE-Fair" will bis Jahresende 100 Fachkräfte aus Afrika für die Bauwirtschaft in Nordrhein-Westfalen gewinnen
Zollkonflikte belasten die Wirtschaft
Die Zollbehörden arbeiten unterdessen in einem schwierigen handelspolitischen Umfeld. Martin Hirzel, Präsident von Swissmem, warnte am Samstag vor einer Verdopplung der EU-Stahlzölle von 25 auf 50 Prozent – eine existenzielle Bedrohung für Schweizer Stahlwerke. Ricola-Chef Thomas P. Meier bestätigte zudem, dass US-Strafzölle bereits Schäden in Millionenhöhe verursacht haben. Das Unternehmen hat entsprechende Rückforderungen angemeldet.
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