Zigarettenpreise steigen bis 2030 auf 11,78 Euro
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 05:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSteuerplan bis 2030
- Der Finanzausschuss des Bundestags stimmt am Mittwoch über die Gesetzesnovelle ab.
- Das Plenum soll am Donnerstag entscheiden; ein Einspruch des Bundesrats am Freitag gilt als so gut wie ausgeschlossen.
- Der Fiskus nahm 2025 insgesamt 17,6 Milliarden Euro Tabaksteuern ein.
- Für 2030 werden zusätzliche Einnahmen von 4,5 Milliarden Euro prognostiziert.
Deutschlands Raucherinnen und Raucher müssen sich auf deutlich höhere Zigarettenpreise einstellen, wenn der Bundestag die geplante Anhebung der Tabaksteuer beschließt.
Preise steigen stufenweise
Nach dem Vorhaben sollen Steuern und Preise ab 2027 schrittweise steigen. Der durchschnittliche Preis einer 20er-Packung würde demnach von derzeit 8,05 Euro auf 9,10 Euro im kommenden Jahr klettern.
Für 2028 werden 9,91 Euro erwartet, 2029 wären es 10,81 Euro. 2030 könnte der Durchschnittspreis schließlich 11,78 Euro erreichen. Markenzigaretten könnten dann bis zu 14 Euro kosten; derzeit liegen sie unter 10 Euro.
Feinschnitt wird ebenfalls teurer
Auch selbstgedrehte Zigaretten wären von der Reform betroffen. Eine 30-Gramm-Packung Feinschnitt kostet derzeit etwa 6 bis 8 Euro und enthält ungefähr doppelt so viel Tabak wie eine vorgefertigte 20er-Packung.
Der gewichtete durchschnittliche Kleinverkaufspreis könnte laut der im Zusammenhang mit dem Vorhaben genannten Statistik von gut acht Euro im kommenden Jahr auf mehr als 12 Euro im Jahr 2030 steigen. Auch Zigarren, Zigarillos und Wasserpfeifentabak würden teurer, allerdings weniger stark als zwischenzeitlich erwogen.
Bund rechnet mit Milliarden
Die Bundesregierung begründet die Reform mit der Konsolidierung des Haushalts und dem Gesundheitsschutz. Für 2027 erwartet das Bundesfinanzministerium 1,5 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen gegenüber einem Verzicht auf die Anhebung.
Die prognostizierten Mehreinnahmen sollen danach jährlich steigen und 2030 bei 4,5 Milliarden Euro liegen. Vertreter der Tabakwirtschaft bezweifeln diese Kalkulation und warnen vor einer Verlagerung auf den Schwarzmarkt oder ins EU-Ausland.
Streit über Schwarzmarkt
Das Bundesfinanzministerium verweist darauf, dass unabhängige empirische Daten für eine solche Ausweichbewegung fehlen. Der Zoll solle illegale Aktivitäten mit Kontrollen bekämpfen.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum unterstützt die Steueranhebung wegen ihrer möglichen abschreckenden Wirkung. Krebsforscherin Katrin Schaller hält höhere Tabaksteuern für eine besonders wirksame Maßnahme, um Menschen zum Nichtrauchen zu bewegen.
Rauchen bleibt weit verbreitet
Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums starben 2023 rund 131.000 Menschen in Deutschland an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen. Der Mikrozensus 2025 weist unter den Menschen ab 15 Jahren einen Raucheranteil von 19 Prozent aus.
Davon rauchen den Angaben zufolge 14 Prozent regelmäßig und fünf Prozent gelegentlich.
Steuern als Gesundheits- und Haushaltspolitik
Die geplante Anhebung verbindet zwei Ziele: Der Staat will zusätzliche Einnahmen erzielen und den Tabakkonsum eindämmen. Höhere Preise gelten als besonders wirksamer Hebel, weil sie den regelmäßigen Kauf unmittelbar verteuern und vor allem jüngere Menschen vom Einstieg abhalten können.
Für den Bundeshaushalt entsteht zugleich ein Zielkonflikt. Die erwarteten Mehreinnahmen setzen voraus, dass der legale Absatz nicht stärker zurückgeht als kalkuliert. Wechsel auf selbstgedrehte Zigaretten, Käufe im Ausland oder illegale Angebote könnten die Einnahmen mindern. Der Staat müsste deshalb neben der Steuerpolitik auch Kontrollen und Prävention im Blick behalten.
Belastung für Verbraucher
Besonders spürbar wäre die Reform für Menschen mit geringem Einkommen, weil Tabakausgaben einen größeren Anteil ihres verfügbaren Budgets ausmachen. Der Preisanstieg kann den Rauchstopp fördern, erhöht aber zunächst die laufenden Kosten für diejenigen, die weiter rauchen.
Für Verbraucher bedeutet die schrittweise Anhebung, dass sich die Belastung über mehrere Jahre verteilt und die Preisentwicklung planbarer wird. Entscheidend bleibt, ob die höheren Preise tatsächlich zu weniger Konsum führen und ob der legale Markt seine Funktion als wichtigste Bezugsquelle behält.
