ZF-Konzernbetriebsrat, Achim

ZF-Konzernbetriebsrat: Achim Dietrich als Vorsitzender bestätigt

11.05.2026 - 22:57:34 | boerse-global.de

Achim Dietrich führt den Gesamtbetriebsrat von ZF Friedrichshafen für vier weitere Jahre. Seine Wiederwahl erfolgt inmitten eines tiefgreifenden Konzernumbaus.

ZF-Konzernbetriebsrat: Achim Dietrich als Vorsitzender bestätigt - Foto: über boerse-global.de
ZF-Konzernbetriebsrat: Achim Dietrich als Vorsitzender bestätigt - Foto: über boerse-global.de

Achim Dietrich bleibt Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats und damit oberster Arbeitnehmervertreter des Autozulieferers. Die Wiederbestätigung folgt auf einen deutlichen Wahlerfolg der IG Metall bei den örtlichen Betriebsratswahlen im Frühjahr. Dietrich übernimmt das Amt in einer kritischen Phase: Der Friedrichshafener Technologiekonzern durchläuft derzeit einen umfassenden Restrukturierungsprozess, um seine Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der elektrifizierten Mobilität zu sichern. Seine Führung wird entscheidend sein für die Bewältigung des laufenden Umbaus – unter Einhaltung der mit dem Management Ende 2025 vereinbarten Arbeitsregelungen.

Klares Mandat für IG Metall und lokale Führung

Die Grundlage für Dietrichs Wiederwahl als bundesweiter Arbeitsdirektor wurde bei den örtlichen Betriebsratswahlen am 18. März 2026 gelegt. In den beiden Hauptwerken in Friedrichshafen sicherte sich die IG Metall eine dominante Position und gewann rund 85 Prozent der verfügbaren Sitze. Die hohe Wahlbeteiligung werteten die Arbeitnehmervertreter als klares Zeichen für das Engagement der Belegschaft im Mitbestimmungsprozess – in einer Zeit des industriellen Wandels.

Im N-Bereich von ZF Friedrichshafen, den Dietrich als örtlicher Vorsitzender führt, errangen IG-Metall-Kandidaten 28 von 33 Sitzen – knapp 85 Prozent der Mandate. Ein ähnlich starkes Ergebnis erzielte die Gewerkschaft im Z-Bereich, wo sie 23 von 27 Sitzen gewann. Igor Panic, bisher stellvertretender Vorsitzender des örtlichen Betriebsrats, führte dort die Liste an. Dietrich betonte, das Ergebnis sei ein starkes Signal der Beschäftigten für eine verlässliche Interessenvertretung – besonders in Zeiten tiefgreifender struktureller Veränderungen in der Branche.

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Der Sanierungspakt: „Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung“

Dietrichs neue Amtszeit wird vom „Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung" bestimmt – einer wegweisenden Vereinbarung zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und ZF-Management vom Oktober 2025. Der Sanierungsplan zielt darauf ab, die Nettoverschuldung des Konzerns zu reduzieren, die Mitte 2025 bei rund 10,5 Milliarden Euro lag, und die Abläufe für den Markt der Elektrofahrzeuge zu optimieren.

Im Rahmen des Bündnisses plant ZF einen weltweiten Personalabbau. Ende 2025 beschäftigte der Konzern noch 153.000 Mitarbeiter. In Deutschland sollen bis 2028 bis zu 14.000 Stellen wegfallen. Ein Großteil der Kürzungen – rund 7.600 Arbeitsplätze – ist bis 2030 in der Division E (Electrified Powertrain Technology) vorgesehen. Die Arbeitnehmervertreter konnten jedoch einen vollständigen Verkauf oder eine Ausgliederung dieser Sparte verhindern. Die Antriebstechnologie für Pkw bleibt damit ein Kernbestandteil der ZF-Gruppe.

Um die Einschnitte abzufedern, setzt die Vereinbarung auf freiwillige Maßnahmen: Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestandsprogramme. Zudem wurden sofortige Kostensenkungen für die deutsche Belegschaft eingeführt. Dazu gehört eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit um sieben Prozent auf 32,5 Stunden für bestimmte Verwaltungs-, Forschungs- und Entwicklungsmitarbeiter in Friedrichshafen und Schweinfurt – verbunden mit entsprechenden Gehaltseinbußen. Diese Maßnahmen gelten voraussichtlich bis Ende 2027.

Lohnzugeständnisse und strategischer Wandel

Die Arbeitnehmerführung musste auch schwierige Zugeständnisse bei der Vergütung hinnehmen. Als Teil der Kostensenkungen, die bis 2027 Einsparungen von über 500 Millionen Euro bringen sollen, wurde die für April 2026 geplante Lohnerhöhung von 3,1 Prozent auf Oktober 2026 verschoben. Zudem werden bestimmte Tarifbestandteile wie Transformationszahlungen in den nächsten drei Jahren in zusätzliche Freizeit umgewandelt statt in Geld ausgezahlt.

Dietrich hat stets betont, dass diese schmerzhaften Zugeständnisse notwendig seien, um das Unternehmen in eine sichere Zukunft zu führen und die Division E im Konzern zu halten. Die strategische Neuausrichtung umfasst auch eine „Neubewertung" der Beschaffungsstrategie für Komponenten wie Elektromotoren und Wechselrichter. Während das Unternehmen „Ökosystem-Partnerschaften" prüft, hat sich der Betriebsrat historisch für den Erhalt interner Fertigungskapazitäten an Standorten wie Schweinfurt und Auerbach eingesetzt, um spezialisierte Arbeitsplätze zu schützen.

CEO Mathias Miedreich, der am 1. Oktober 2025 den Vorstandsvorsitz übernahm, bezeichnete das Bündnis als Meilenstein, der in der Branche Neuland betrete. Auch der Vorstand verzichtet im Rahmen der gemeinsamen Anstrengungen auf einen Teil seiner Vergütung.

Finanzielle Lage und Ziele für 2026

Die Wiederwahl der Betriebsratsspitze fällt mit der Veröffentlichung der aktuellen Finanzdaten von ZF zusammen. Auf der Jahrespressekonferenz am 19. März 2026 berichtete Finanzvorstand Michael Frick, dass ZF im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 38,8 Milliarden Euro erzielte. Trotz des Personalabbaus – weltweit rund fünf Prozent weniger Beschäftigte als im Vorjahr – verbesserte sich das operative Ergebnis der E-Mobilitäts-Sparte. Nach deutlichen Verlusten im Jahr 2024 erzielte die Division E 2025 ein positives Ergebnis und trug eine „schwarze Null" zur Konzernbilanz bei.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 streben Management und Arbeitnehmervertreter eine bereinigte EBIT-Marge zwischen vier und fünf Prozent an. Zudem erwartet das Unternehmen einen starken freien Cashflow von über einer Milliarde Euro. Die Erreichung dieser Ziele hängt maßgeblich von der erfolgreichen Umsetzung der Kostenstrukturen und Personalanpassungen ab, die der neu gewählte Betriebsrat unter Dietrich steuert.

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Mitbestimmung in der Industriekrise

Die derzeitige Arbeitsumgebung bei ZF spiegelt einen breiteren trend industrieller Spannungen in der deutschen Automobilbranche wider. Bereits Anfang 2025 warnten Arbeitsvertreter wie Dietrich vor einem „Kampf um die Mitbestimmung", während Zulieferer unter hohen Energiekosten, intensivem internationalem Wettbewerb und dem Druck des Verbrenner-Aus litten.

Dietrich hat sich wiederholt kritisch darüber geäußert, dass Führungskräfte nach „mitbestimmungsfreien Zonen" suchten und niedrigeren Arbeitskosten im Ausland hinterherliefen. Mit dem starken Mandat aus den Wahlen 2026 hat der IG-Metall-geführte Betriebsrat bei ZF seine Position als notwendiger Partner im Transformationsprozess gefestigt. Das „Friedrichshafener Modell" – die enge Zusammenarbeit zwischen der städtischen Zeppelin-Stiftung, dem Vorstand und dem Betriebsrat – wird durch das Ausmaß der geplanten Stellenstreichungen auf eine harte Probe gestellt. Die jüngsten Wahlergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Belegschaft weiterhin auf eine Strategie des ausgehandelten Kompromisses setzt – statt auf offene Konfrontation.

Ausblick auf die Amtszeit 2026–2030

Die neue Amtszeit des Gesamtbetriebsrats wird von der Umsetzung des Bündnisses von 2025 dominiert. Zwar sind Werkschließungen in der Division E für die unmittelbare Zukunft ausgeschlossen, doch der Druck, „schuldenfrei" zu werden und technologisch führend zu bleiben, erfordert eine ständige Überwachung der Stellenabbauziele.

Bis Ende 2026 sollen viele der ursprünglich auf vier Jahre angelegten Kostensenkungen nahezu abgeschlossen sein. Der Betriebsrat wird sich darauf konzentrieren, dass der Umstieg auf „grünen Stahl" – ab diesem Jahr werden jährlich 250.000 Tonnen erwartet – und die Entwicklung neuer Plattformen wie des SELECT-Elektroantriebssystems in langfristige Beschäftigungssicherung für die verbleibenden 49.000 Mitarbeiter in Deutschland münden. Der Erfolg von Dietrichs Führung wird sich wohl daran messen lassen, ob das Unternehmen seine inländische Produktionsbasis stabilisieren kann – bei gleichzeitiger Erreichung seiner ambitionierten finanziellen Erholungsziele bis 2028.

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