ZEW-Konjunkturerwartungen steigen im September 2026 leicht an
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 11:07 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im September 2026 leicht verbessert und bleiben deutlich im positiven Bereich. Gleichzeitig hat sich die Einschätzung der aktuellen Lage spürbar aufgehellt, liegt aber weiterhin unter der Nulllinie und signalisiert eine noch immer angespannte wirtschaftliche Situation.
Erwartungs- und Lageindikator für Deutschland
Der Erwartungsindikator für die deutsche Konjunktur steigt in der aktuellen Umfrage auf 34,7 Punkte und liegt damit um 0,5 Zähler über dem Wert aus dem August. Dies deutet darauf hin, dass die befragten Finanzmarktexperten mit einer weiteren Erholung der Wirtschaft in den kommenden Monaten rechnen. Der Lageindikator für Deutschland verbessert sich zugleich kräftig auf -47,1 Punkte, was einem Anstieg um 14,0 Punkte gegenüber dem Vormonatswert entspricht. Trotz dieser deutlichen Bewegung bleibt die Lagebewertung damit klar negativ.
Wambach: Fiskalgetriebene Erholung mit erheblichen Risiken
ZEW-Präsident Achim Wambach fasst die Ergebnisse mit den Worten zusammen: „Die ZEW-Konjunkturerwartungen bleiben stabil“. Die Experten seien vorsichtig optimistisch in Bezug auf die wirtschaftliche Erholung. „Diese bleibt weiterhin fiskalgetrieben und wird durch zusätzliche Exportimpulse gestützt“, so Wambach. Gleichzeitig verweist er auf anhaltende Risiken für die deutsche Wirtschaft. Teure Energie infolge des Iran-Kriegs sowie eine zusätzliche Verunsicherung durch hybride Angriffe belasten demnach die Entwicklung.
Unterschiedliche Branchenentwicklung
Im Branchenvergleich zeigt sich im September ein stabiles, aber weiterhin gemischtes Bild. Die Versicherungsbranche profitiert von den gestiegenen Zinsen; ihr Saldo verbessert sich um 12,1 Punkte auf 46,4 Punkte. Nennenswert ist auch die Entwicklung im Bankensektor, dessen Saldo auf 52,9 Punkte steigt und damit um 8,2 Zähler über dem August-Wert liegt. Dagegen verharren die Stahl- und Metallproduktion sowie die Fahrzeugbranche im negativen Bereich, mit -16,7 beziehungsweise -22,6 Punkten, was auf anhaltende Belastungen in diesen Industriezweigen hinweist.
Eurozone: Erwartungsrückgang bei besserer Lageeinschätzung
Für die Eurozone fallen die Erwartungen der Finanzmarktexperten im September etwas verhaltener aus. Der entsprechende Index sinkt auf einen Saldo von +25,8 Punkten und liegt damit 5,6 Zähler unter dem Wert des Vormonats. Gleichzeitig verbessert sich jedoch die Bewertung der aktuellen Lage in der Eurozone auf -13,9 Punkte, ein Plus von 7,6 Punkten gegenüber August. Damit bleiben die Einschätzungen zwar insgesamt vorsichtig, lassen aber eine leichte Annäherung von Erwartungs- und Lageindikatoren erkennen.
Die aktuellen ZEW-Konjunkturerwartungen signalisieren eine Phase vorsichtiger Zuversicht für die deutsche Wirtschaft. Der Erwartungsindikator liegt deutlich im positiven Bereich, was darauf hindeutet, dass die befragten Finanzmarktexperten mehrheitlich mit einer weiteren konjunkturellen Verbesserung in den kommenden sechs Monaten rechnen. Zugleich bleibt der Lageindikator klar negativ, wenn auch mit spürbarer Erholung gegenüber dem Vormonat. Das zeigt: Die tatsächliche wirtschaftliche Situation wird weiterhin kritisch bewertet, die Trendwende wird aber zunehmend antizipiert.
Deutschland zwischen fiskalgestützter Erholung und geopolitischen Risiken
Besonders wichtig ist der Hinweis auf eine fiskalgetriebene Erholung. Gemeint ist, dass staatliche Ausgaben, Entlastungsprogramme und Investitionsvorhaben derzeit eine zentrale Rolle für die Konjunktur spielen. Gleichzeitig stützen Exportimpulse die Perspektiven, was für die stark außenhandelsorientierte deutsche Volkswirtschaft von hoher Bedeutung ist. Die Risiken bleiben jedoch erheblich: hohe Energiekosten, die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten und wachsende Sicherheitsbedrohungen im Cyber- und Hybridbereich können Investitionsentscheidungen verzögern und Produktionskosten erhöhen.
Branchenbild: Gewinner und Sorgenkinder
Das differenzierte Branchenbild unterstreicht die asymmetrische Entwicklung. Versicherungen und Banken profitieren sichtbar von dem Zinsumfeld, was ihre Ertragslage und damit die Einschätzung der Experten verbessert. Dagegen bleiben Stahl- und Metallproduktion sowie die Fahrzeugbranche im negativen Bereich. Das verweist auf strukturelle Herausforderungen wie hohe Energiepreise, Transformationsdruck durch Klimapolitik und technologische Umbrüche in der Industrie. Für Leser bedeutet dies: Die Gesamtaussichten hellen sich vorsichtig auf, doch die reale Lage vieler Industrieunternehmen bleibt angespannt, und die konjunkturelle Erholung steht weiterhin unter geopolitischem und energiepolitischem Vorbehalt.
