ZEW-Analyse: Inklusive Betriebe erzielen 6,2 Prozent mehr Umsatz
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bindung qualifizierter Fachkräfte und das Wohlbefinden von Belegschaften hängen zunehmend von gelebten Werten, flexiblen Arbeitsbedingungen und passgenauen Zusatzangeboten ab.
Verschiedene Untersuchungen und Unternehmensbeispiele verdeutlichen, dass reine Gehaltsversprechen in vielen Branchen nicht mehr ausreichen. Eine glaubwürdige Arbeitsplatzkultur, betriebliche Unterstützungsmodelle sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben rücken für Beschäftigte spürbar in den Vordergrund.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Kernfaktor
Der Stellenwert von Rahmenbedingungen abseits des Entgelts spiegelt sich in internationalen Erhebungen wider. Im Randstad Workmonitor 2025 nannten mehr als 26.000 Befragte in 35 Märkten erstmals die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben häufiger als die Bezahlung als wichtigsten Motivator.
Im Randstad Arbeitsbarometer 2026 für Deutschland stuften zudem 71 % der Befragten Jobsicherheit als wichtig oder sehr wichtig ein, während 45 % Unterstützung für die mentale Gesundheit hervorhoben.
Dass Belastungen das Wohlbefinden direkt beeinträchtigen, belegen auch offizielle Arbeitszeitdaten: Auswertungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) verknüpfen Überstunden, Sonntagsarbeit und eine erweiterte Erreichbarkeit mit einer nachweislich schlechteren Erholung.
In Österreich fordert die Organisation Hilfswerk anlässlich des Tages der Tageseltern den bundesweiten Ausbau von Betriebstageseltern. Derzeit werden dort rund 7.500 Kinder von Tageseltern betreut. Während sechs Bundesländer seit den 2010er-Jahren entsprechende rechtliche Vorgaben für eine betriebliche Betreuung besitzen, fehlen diese laut Hilfswerk in Wien, Vorarlberg und dem Burgenland.
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Eine Betreuungsgruppe umfasst maximal sechs Kinder, wobei betriebliche Modelle bereits ab zwei Kindern umsetzbar sind. Die Brauerei Stiegl setzt ein solches Modell gemeinsam mit dem Hilfswerk Salzburg bereits seit 2024 in der Praxis um.
Langfristige Maßnahmen verfolgt auch dm drogerie markt: Das Unternehmen qualifizierte sich kürzlich in Wien zum sechsten Mal in Folge für das staatliche Gütezeichen „berufundfamilie“, das es seit 13 Jahren trägt, und plant bis 2028 weitere flexible Arbeitsmodelle sowie familienbewusste Führungskonzepte.
Kultureller Wandel und Inklusion im Betrieb
Neben familiären Hilfen gewinnen Organisationskultur und interne Mitsprache an Bedeutung. Eine Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) von 1.692 Unternehmen – davon 89,7 % kleine und mittlere Betriebe – zeigt positive wirtschaftliche Korrelationen: Betriebe, die im Zeitraum von 2020 bis 2022 erstmals inklusive Maßnahmen einführten, erzielten im Durchschnitt rund 6,2 % mehr Umsatz und beschäftigten etwa 4,7 % mehr Mitarbeitende als vergleichbare Firmen, wenngleich die Untersuchung keine Kausalität nachweist.
Insgesamt führten 19 % der analysierten Unternehmen entsprechende Angebote ein, darunter 9,3 % für ältere Beschäftigte, 8,5 % zur Integration von Migranten, 4,3 % für Menschen mit Behinderung und 3,1 % zur Geschlechtergleichstellung.
Wie regionale Praxisinitiativen aussehen können, zeigt die IHK Nürnberg für Mittelfranken: Sie zeichnete das Schotter- und Steinwerk Weißenburg mit rund 100 Beschäftigten mit dem Innovationspreis Fachkräfte 2026 aus. Der Betrieb überzeugte die neunköpfige Jury unter 14 Bewerbungen mit Führungskräfte-Arbeitskreisen, Gesundheitstagen und umgesetzten Mitarbeiteranregungen.
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Glaubwürdigkeit entscheidet über den Erfolg
Branchenanalysen von Raven51 unterstreichen jedoch, dass reine Kommunikation ohne reale Substanz verpufft. Laut dem HR-Radar 2025 von Personio, der TH Köln und Workfive besitzen zwar 38 % der befragten kleinen und mittleren Unternehmen eine Strategie für ihre Arbeitgebermarke. Entscheidend bleibe aber die tatsächliche Arbeitserfahrung.
Zeigen sich Abweichungen zwischen Versprechen und Realität, müssen Führung, Arbeitsbedingungen und Entwicklungschancen angepasst werden. Dies deckt sich mit dem Handwerkskompass von ISOTEC und IW Consult: Während sich 29,4 % der befragten Jugendlichen grundsätzlich eine Handwerkskarriere vorstellen können, ergreifen letztlich nur 9,8 % diesen Weg. Für die Bindung zählen neben fairer Entlohnung vor allem Wertschätzung, Respekt und verlässliche Perspektiven.
