Zementindustrie: Neue Testanlage schafft 95% CO2-Rückgewinnung
10.06.2026 - 22:25:30 | boerse-global.de
In Martres-Tolosane ist mit dem „CaptureLab“ eine industrielle Testplattform für die Zementindustrie an den Start gegangen. Die 2.500 Quadratmeter große Anlage analysiert und behandelt reale Emissionen unter Industriebedingungen. Herzstück ist eine von Air Liquide betriebene Piloteinheit mit der Cryocap-FG-Technologie.
Die Anlage schafft 3.000 Normkubikmeter Rauchgas pro Stunde und soll eine CO2-Rückgewinnungsrate von über 95 Prozent erreichen. Das Besondere: Das Verfahren kommt ohne chemische Lösungsmittel aus und arbeitet ausschließlich mit elektrischem Strom. Die Technologie basiert auf zehn Jahren Erfahrung aus anderen Industriebereichen.
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Die Plattform dient dazu, verschiedene Abscheidetechnologien unter realen Bedingungen zu testen – bevor sie im großen Maßstab zum Einsatz kommen.
Norwegisches Vorzeigeprojekt enttäuscht
Während in Frankreich die Forschung voranschreitet, kämpft ein prominentes CCS-Projekt von Heidelberg Materials in Brevik, Norwegen, mit technischen Problemen. Seit Juni 2025 senkte die Anlage die CO2-Emissionen laut Medienberichten nur um 15 Prozent. Ursprünglich waren 50 Prozent angekündigt.
Die Abscheideleistung liegt mit 35 bis 38 Tonnen CO2 pro Stunde deutlich unter dem Zielwert von 50 Tonnen. Grund sind Konstruktionsfehler und Lecks, die mehrfach zu Stillständen führten – im September und Dezember 2025 sowie zwischen Februar und April 2026. Zudem verlor im September 2025 ein Mitarbeiter nach Kontakt mit austretendem Kohlendioxid das Bewusstsein.
Die Zementproduktion ist weltweit für rund 7 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Der Druck auf funktionierende CCS-Lösungen bleibt hoch.
Milliarden für CCS-Infrastruktur
Trotz der Rückschläge fördert der Staat den Ausbau der CCS-Infrastruktur massiv. Der Hersteller Aalborg Portland schloss mit der dänischen Energieagentur einen Vertrag über Subventionen für das Projekt „ACCSION“. Die Förderung liegt bei rund 117 Euro pro Tonne CO2.
Ab 2030 sollen jährlich bis zu 1,25 Millionen Tonnen CO2 abgeschieden werden. Über 15 Jahre kann die staatliche Unterstützung auf bis zu 2,2 Milliarden Euro anwachsen.
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Alternative Rohstoffe im Fokus
Neben der Abscheidung setzt die Branche zunehmend auf alternative Materialien. Tata Steel IJmuiden und Ecocem wollen Stahlschlacken aus Oxygenstahlwerken und Elektrolichtbogenöfen als Zementbestandteile nutzen. In Großbritannien testet Holcim Betonmischungen mit Biokohle und gebrauchten Kaffeebohnen.
Emissionsbilanzen zeigen Fortschritte
Holcim Deutschland meldet in seinem Nachhaltigkeitsbericht für 2025 eine Reduzierung der Scope-1- bis Scope-3-Emissionen um 43 Prozent seit 2021. Knapp ein Fünftel des Absatzes entfällt inzwischen auf CO2-reduzierte Zemente.
Auch die Müller-Steinag Gruppe legt Zahlen vor: Im Kerngeschäft Beton sanken die Treibhausgasemissionen gegenüber 2022 um 23 Prozent. Neue Photovoltaikanlagen steigerten die Eigenstromversorgung um 1,62 Gigawattstunden.
In der Forschung läuft zudem der Test von Graphen-Zusätzen. Sie erhöhen die Betonfestigkeit und könnten so indirekt Zement einsparen.
