Zalando-Schließung Erfurt: 109 Kündigungsklagen am Arbeitsgericht
Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am Arbeitsgericht Erfurt ist eine erste Klagewelle gegen den Online-Modehändler Zalando eingegangen. Nach dem Stand vom 27. August 2026 wurden insgesamt 109 Kündigungsschutzklagen eingereicht. Die juristischen Auseinandersetzungen stehen im Zusammenhang mit der geplanten Schließung des Logistikstandorts in Thüringen, die für das Ende des kommenden Monats angesetzt ist.
Juristische Aufarbeitung der Entlassungen beginnt
Die betroffenen Mitarbeiter erhielten ihre Kündigungen bereits Ende Juli 2026. Da der Standort Erfurt zum Ende September 2026 vollständig geschlossen werden soll, wehren sich nun zahlreiche Beschäftigte gerichtlich gegen die Beendigung ihrer Arbeitsverhältnisse.
Das Arbeitsgericht Erfurt bereitet sich auf eine intensive Phase der Rechtsprechung vor: Die ersten Güteverhandlungen sollen bereits ab diesem Freitag aufgenommen werden. Weitere Gerichtstermine für die anhängigen Verfahren sind nach aktuellem Planungsstand bis in den November hinein angesetzt.
Die hohe Zahl der Klagen in kurzem Zeitraum verdeutlicht die Unruhe innerhalb der Belegschaft des Erfurter Logistikzentrums. In den Verhandlungen wird es primär darum gehen, die Rechtmäßigkeit der betriebsbedingten Kündigungen im Rahmen der Standortaufgabe zu prüfen oder mögliche Abfindungsregelungen zu konkretisieren.
Massiver Stellenabbau am Standort Erfurt
Die Schließung des Logistikzentrums trifft eine große Anzahl von Arbeitnehmern in der Region. Die Angaben zur Gesamtzahl der betroffenen Stellen variieren je nach Erhebung leicht, bewegen sich jedoch in einem signifikanten Bereich.
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Während einige Berichte von rund 2.100 betroffenen Arbeitsplätzen ausgehen, beziffern andere Quellen die Zahl der gefährdeten Stellen auf rund 2.700 Beschäftigte. Viele der dort tätigen Mitarbeiter verfügen laut Berichten über keinen abgeschlossenen Berufsabschluss, was die Suche nach einer Anschlussbeschäftigung auf dem regionalen Arbeitsmarkt erschweren könnte.
Zalando hatte die Entscheidung zur Schließung des Standorts bereits im Vorfeld kommuniziert. Als Termin für die endgültige Abwicklung wurde das Ende September 2026 festgelegt. Damit endet nach Jahren der Betrieb einer der größten Logistikeinheiten des Unternehmens in Ostdeutschland.
Konflikt um soziale Absicherung und Transfergesellschaft
Trotz der bereits im Juli 2026 erfolgten Einigung auf einen Sozialplan bleibt die Stimmung unter den Beschäftigten angespannt. Ein wesentlicher Streitpunkt zwischen der Unternehmensleitung und den Arbeitnehmervertretern war die Ausgestaltung der flankierenden Maßnahmen für den Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse.
Nach vorliegenden Informationen hat Zalando die Einrichtung einer Transfergesellschaft abgelehnt. Solche Gesellschaften dienen in der Regel dazu, entlassene Mitarbeiter aufzufangen, weiterzuqualifizieren und bei der Vermittlung in neue Jobs zu unterstützen, ohne dass diese unmittelbar in die Arbeitslosigkeit rutschen.
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Dass dieser Mechanismus im vorliegenden Fall nicht zum Tragen kommt, wird als einer der Gründe für die hohe Zahl der Kündigungsschutzklagen angesehen. Die rechtlichen Auseinandersetzungen am Arbeitsgericht Erfurt werden zeigen, inwieweit die getroffenen Vereinbarungen des Sozialplans vor dem Hintergrund der verweigerten Transfergesellschaft Bestand haben.
Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „Kündigungsschutzklagen - 109 Klagen gegen Zalando nach Kündigungen in Erfurt - Wirtschaft“
