Zalando Erfurt: Einigungsstelle verhandelt über 100-Millionen-Sozialplan
23.06.2026 - 23:42:02 | boerse-global.de
Während der Berliner Klinikbetreiber Vivantes eine Einigung mit Verdi erzielt, eskalieren die Konflikte bei Zalando in Erfurt. Die deutsche Tariflandschaft zeigt sich gespalten.
Vivantes einigt sich mit Verdi auf langfristigen Tarifvertrag
Nach intensiven Verhandlungen haben Vivantes und Verdi am heutigen Dienstag einen Tarifabschluss für rund 2.200 Beschäftigte in den Service-Tochtergesellschaften erzielt. Die Vereinbarung sieht vor, die Entgelte stufenweise bis Juli 2031 auf das Niveau des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) anzuheben.
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Betroffen sind Bereiche wie Gastronomie, Logistik, Reinigung, Technik sowie Rehabilitation und Medizinische Versorgungszentren. Neben den Lohnsteigerungen enthält der Abschluss eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 38,5 Stunden. Für Schicht- und Wechselschichtarbeit wurden Zulagen vereinbart, die teilweise ab 2029 wirksam werden.
Die Laufzeit des Vertrags beträgt 72 Monate bis Ende 2031. Die Gremien auf Arbeitgeberseite und die Gewerkschaftsmitglieder haben bis zum 3. Juli Zeit, dem Kompromiss zuzustimmen. Die Gewerkschaft spricht von einem hart errungenen Kompromiss, die Geschäftsführung von weitgehendem Entgegenkommen.
Zalando-Standort Erfurt: Einigungsstelle nimmt Arbeit auf
Ganz anders sieht die Lage am Zalando-Standort Erfurt aus. Hier hat am heutigen Dienstag die Einigungsstelle unter neutralem Vorsitz ihre Arbeit aufgenommen. Die Verhandlungen über einen Sozialplan für die rund 2.100 betroffenen Beschäftigten waren am vergangenen Samstag gescheitert, woraufhin der Betriebsrat die Gespräche abbrach.
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Zalando hält an der Schließung des Logistikzentrums zum 30. September fest. Die Positionen klaffen vor allem bei der finanziellen Ausstattung des Sozialplans auseinander. Das Unternehmen bot 30 Millionen Euro, die Arbeitnehmerseite fordert 100 Millionen Euro. Kritiker verweisen auf hohe Ausgaben des Konzerns für Marketing und Aktienrückkäufe.
Die Einigungsstelle hat vier Sitzungstermine vereinbart, die abschließende Beratung ist für den 9. Juli terminiert. Die Thüringer Landesregierung mahnt eine zügige Lösung und Qualifizierungsangebote für die Belegschaft an.
Stillstand in Hamburg und im Einzelhandel
Weniger Fortschritte gibt es im Hamburger Groß- und Außenhandel. Die dritte Tarifrunde endete am Montag ohne Einigung für die rund 60.000 Beschäftigten. Der Arbeitgeberverband AGA bot 3,4 Prozent in zwei Stufen bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Verdi fordert 7 Prozent, mindestens 250 Euro monatlich, bei einer Laufzeit von einem Jahr.
Die Verhandlungen sollen am 11. August fortgesetzt werden. Bis dahin bereitet die Gewerkschaft Warnstreiks vor. Im bundesweiten Einzelhandel dauern die Auseinandersetzungen ebenfalls an. Seit Mitte Mai gibt es verstärkt Warnstreiks, unter anderem bei IKEA. Die Gewerkschaft fordert 7 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber bieten eine sechsmonatige Nullrunde und anschließend 3,5 Prozent über 24 Monate.
Vertagung in der Süßwarenindustrie, Abschluss bei GOA
In der niedersächsischen und bremischen Süßwarenindustrie blieb die zweite Verhandlungsrunde am Montag zwischen dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) und der Gewerkschaft NGG ohne Ergebnis. Das Arbeitgeberangebot sieht Erhöhungen in zwei Stufen ab Oktober vor – die Gewerkschaft lehnte ab. Eine dritte Runde ist für den 22. Juli in Hannover angesetzt.
Einen erfolgreichen Abschluss meldet hingegen der Bereich GOA. Die Verdi-Mitglieder stimmten am Montag einem neuen Tarifvertrag zu. Dieser sieht Entgelterhöhungen in zwei Schritten vor: 2,8 Prozent im Mai 2026 und weitere 2,0 Prozent ab Januar 2027. Die Laufzeit endet am 31. Dezember 2027. Zudem wurden Sonderzahlungen for 2026 und 2027 sowie deutliche Steigerungen der Ausbildungsvergütungen vereinbart.
