Zahnvorsorge, Pflegebedürftigen

Zahnvorsorge bei Pflegebedürftigen: Nur 3% ambulant versorgt

03.06.2026 - 23:03:15 | boerse-global.de

Bundesgesundheitsministerin Warken setzt auf Prävention, um die Pflegeversicherung zu entlasten und Pflegebedürftigkeit zu verzögern.

Zahnvorsorge bei Pflegebedürftigen: Nur 3% ambulant versorgt - Bild: über boerse-global.de
Zahnvorsorge bei Pflegebedürftigen: Nur 3% ambulant versorgt - Bild: über boerse-global.de

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will deshalb umsteuern: Mehr Geld soll künftig in Prävention fließen. Ziel ist es, Pflegebedürftigkeit zu verzögern oder ganz zu vermeiden.

„Wir müssen die Mittel effektiver einsetzen“, sagte Warken der Rheinischen Post. Derzeit könne die Liquidität der Pflegeversicherung nur durch Bundesdarlehen gesichert werden. Die Ministerin setzt darauf, die Selbstständigkeit der Betroffenen möglichst lange zu erhalten und Angehörige gezielter zu unterstützen.

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Modellprojekt verbindet Pflege und Klimaschutz

Schon seit Oktober 2025 läuft das bundesweite Projekt „Gemeinsam für Pflege & Planetare Gesundheit“. Dahinter steckt eine Kooperation von BAGSO, KLUG, der Volkssolidarität und der Barmer. Die Idee: Prävention in der teilstationären Pflege mit Umwelt- und Klimaschutz verknüpfen.

Bis 2028 konzentriert sich das Vorhaben auf Hitzeschutz, Ernährung, Bewegung und mentale Gesundheit. Umgesetzt wird es in sechs Tagespflegeeinrichtungen in Ostdeutschland und fünf Modellkommunen bundesweit.

Zahnärztliche Versorgung: Große Lücken

Trotz aller Bemühungen zeigen aktuelle Daten massive Defizite. Der Barmer-Zahnreport 2024 offenbart: Die zahnärztliche Vorsorge bei Pflegebedürftigen wird sträflich vernachlässigt. Nur bei gut 25 Prozent der stationär Gepflegten wurde ein aktueller Mundgesundheitsstatus festgestellt. Im ambulanten Bereich sind es gerade einmal drei Prozent.

Der Schlüssel zu besserer Versorgung: Kooperationsverträge zwischen Heimen und Zahnärzten. Rund 80 Prozent der Vorsorgeleistungen in Heimen laufen über solche Vereinbarungen. Doch weniger als die Hälfte aller Pflegeheime hat überhaupt einen solchen Vertrag. Die regionalen Unterschiede sind enorm: In Niedersachsen liegt die Quote bei 16,8 Prozent, in Berlin immerhin bei 45,5 Prozent. Die Barmer fordert einen massiven Ausbau.

Betriebliche Gesundheit: Jeder Euro bringt 2,70 Euro

Auch die betriebliche Gesundheitsförderung (BGM) rückt in den Fokus – besonders bei der Ausbildung. Krankenkassen fördern zertifizierte Maßnahmen für Azubis in Bewegung, Ernährung und Stressmanagement.

Die Rechnung geht auf: Laut BKK Dachverband bringt jeder investierte Euro im Schnitt 2,70 Euro Rendite. Zum Vergleich: Ein Ausbildungsabbruch kostet nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) durchschnittlich 6.478 Euro. Für kleine Betriebe gibt es daher oft vollfinanzierte, betriebsübergreifende Formate.

Regionale Angebote und neue Infrastruktur

Die Praxis zeigt sich vor Ort. In Bernau bei Berlin startet Anfang Juni ein Kurs zur aktiven Entspannung im Pflegealltag. In Nürtingen ist für den 8. Juni eine Informationsveranstaltung zu einem Kinästhetik-Kurs geplant – speziell für pflegende Angehörige.

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Gleichzeitig wird in die stationäre Infrastruktur investiert. In Waidhofen an der Ybbs begann Anfang Juni der Neubau eines Pflege- und Betreuungszentrums mit 144 Plätzen und einem Tageszentrum.

Behandlungsfehler: Höchststand bei Verdachtsfällen

Während der Ausbau voranschreitet, melden Krankenkassen auch Probleme. Die Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnete 2025 einen Höchststand bei Verdachtsfällen auf Behandlungsfehler. Von 648 eingegangenen Meldungen entfielen 28 Prozent auf die Chirurgie und 14 Prozent auf die Zahnmedizin. Die Kasse geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

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