Zahnmedizin-IT: BSI warnt vor Mängeln in drei von vier Praxen
27.05.2026 - 17:30:14 | boerse-global.deKünstliche Intelligenz hilft bei der Diagnose, Software steuert die Abläufe, und Apps begleiten Patienten zu Hause. Doch der Fortschritt hat Schattenseiten: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor gravierenden Sicherheitslücken in Praxisverwaltungssystemen.
Die CompuGroup Medical (CGM) erzielte 2025 einen Umsatz von 1,213 Milliarden Euro – ein Plus von fünf Prozent. Das zeigt: Praxen investieren massiv in digitale Infrastruktur. Am 26. Mai eröffneten Miriam und Stephan Sauer in Soest die Praxis „Thomä4 – Zahnmedizin am Dom". Sie setzt auf Vollnarkose-Behandlungen und einen eigenen OP-Saal – speziell für Angstpatienten.
Da das BSI bei drei von vier Praxisverwaltungssystemen gravierende Sicherheitsmängel festgestellt hat, rücken die Haftungsrisiken für Praxisinhaber verstärkt in den Fokus. Dieser kostenlose Experten-Report klärt darüber auf, wie Sie sich bei Fehlern Ihrer IT-Dienstleister rechtlich absichern. Haftungsrisiken bei Auftragsverarbeitern jetzt prüfen
KI in der Radiologie: Über 300 Systeme zertifiziert
Künstliche Intelligenz wird zum Standard. Laut Health AI Register waren im April 2026 über 300 KI-Systeme als Medizinprodukte für die Radiologie zertifiziert. Zum Vergleich: In den USA ließ die FDA bis Ende 2025 insgesamt 1451 KI-gestützte Medizinprodukte zu – allein 2025 kamen 295 Neuzulassungen dazu.
Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch. Eine Bitkom-Umfrage vom 26. Mai zeigt: 74 Prozent der Deutschen befürworten KI für Zweitmeinungen. 72 Prozent finden KI-gestützte Diagnosen sinnvoll, 59 Prozent die automatisierte Röntgenanalyse.
Die Industrie liefert passende Lösungen. Dürr Dental brachte VistaSoft auf den Markt – eine KI-Software für die automatisierte Röntgenanalyse in der Zahnmedizin. Dräger präsentierte das „Silent Care Package", das unnötige Alarme auf Intensivstationen unterdrückt.
Digitale Patientenbegleitung: App-Studie zeigt Potenzial und Hürden
Digitale Anwendungen enden nicht an der Praxistür. Eine MDR-Studie untersuchte die App ParoComPas, die Parodontitis-Patienten begleitet. An sieben Universitätskliniken mit 194 Teilnehmern zeigte sich: Moderate Nutzer (54 Prozent der Probanden) hatten eine deutlich bessere mundgesundheitsbezogene Lebensqualität.
Besonders bei der Plaque-Kontrolle (PCR) waren die Effekte messbar: Moderate Nutzer verbesserten ihre Werte um 16,2 Prozentpunkte im Vergleich zu Wenig-Nutzern.
Doch die Technik hakt noch. Push-Benachrichtigungen erreichten nur 24 Prozent der Teilnehmer. Das klinische Dashboard für Behandler war nur zu 77 Prozent befüllt. Die Forscher sehen Nachbesserungsbedarf: Für eine Zulassung als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sei eine technisch ausgereiftere Lösung nötig. Derzeit gelten nur 17 Prozent der Probanden als Viel-Nutzer.
IT-Sicherheit: Drei von vier Praxis-Systemen mangelhaft
Mit der Vernetzung steigen die Risiken. Das BSI prüfte Praxisverwaltungssysteme (SiPra) und fand bei drei von vier Systemen Mängel – Angriffe aus dem Internet wären möglich. Hauptkritik: fehlende Verschlüsselung und veraltete Algorithmen.
Auch bei digitalen Pflegedokumentationssystemen (DiPS) gibt es Defizite bei Authentifizierung und Software-Updates. Das BSI rät Praxisbetreibern dringend, Verschlüsselungsprotokolle, Berechtigungskonzepte und Update-Zyklen zu prüfen.
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Neben der Technik gewinnt die fachliche Spezialisierung an Bedeutung. In der Implantologie gilt das Weichgewebsmanagement als Schlüssel zum Erfolg. Dr. Elias Jean-Jacques Khoury betont die Relevanz von stabilem periimplantärem Gewebe – mit Verfahren wie freien Bindegewebstransplantaten.
Dentsply Sirona bietet seit Frühjahr 2026 eine digitale Kursreihe für die SureSmile Aligner-Behandlung an. Über die DS Academy können Behandler in verschiedenen Schwierigkeitsstufen lernen.
Analyse: Ökonomischer Druck trifft auf technologischen Fortschritt
Die Zahnmedizin steckt im Wandel. Die Umsatzsteigerungen bei CGM zeigen: Digitalisierung ist kein Extra mehr, sondern Pflichtinvestition. Die vorgeschlagene Dividende von 0,50 Euro pro Aktie – ein deutlicher Anstieg gegenüber 0,05 Euro im Vorjahr – unterstreicht die solide Marktposition.
Doch die ParoComPas-Studie und die BSI-Warnungen zeigen: Neue Technologien sind kein Selbstläufer. Die Kluft zwischen der hohen KI-Akzeptanz in der Bevölkerung und den realen Sicherheitsmängeln in der Praxissoftware ist eklatant.
Praxen müssen nicht nur in Geräte investieren, sondern auch in Cybersicherheit und Mitarbeiterschulung. Der trend zur Spezialisierung, wie bei der Praxiseröffnung in Soest, ist die Antwort auf die steigende Komplexität der Behandlungsmethoden.
Ausblick: Die Praxis als hochvernetztes System
In den kommenden Monaten wird sich die Konsolidierung digitaler Lösungen fortsetzen. Mit mehr zertifizierten KI-Medizinprodukten wird die automatisierte Befundung vom Alleinstellungsmerkmal zur Standarderwartung.
Der Erfolg von Patienten-Apps hängt von stabiler Technik und gezielter Interaktion ab. Für Praxisinhaber verschiebt sich der Fokus: Vom Handwerker zum Manager eines hochvernetzten Gesundheitssystems.
Die kontinuierliche Fortbildung – etwa durch digitale On-Demand-Module – wird zum integralen Bestandteil des Berufslebens. Nur die Kombination aus fachlicher Exzellenz und robuster digitaler Infrastruktur sichert die Zukunftsfähigkeit der Zahnmedizin.
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