Zahlungsziele: Deutsche Unternehmen dehnen Fristen auf 32 Tage aus
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutsche Unternehmen gewähren ihren Kunden so lange Zahlungsziele wie seit 2019 nicht mehr. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Creditreform auf Basis von rund vier Millionen Rechnungsbelegen. Das durchschnittliche Zahlungsziel stieg demnach auf 32,21 Tage. Die Entwicklung spiegelt wachsende wirtschaftliche Spannungen und steigende Betriebskosten wider.
Längere Fristen belasten den Mittelstand
Für viele Betriebe bedeutet die Ausweitung der Zahlungsziele eine wachsende finanzielle Belastung. Der Zahlungsindikator von Creditreform stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,75 Tage – gegenüber 2023 sind es sogar rund zwei Tage mehr. Besonders kleine und mittlere Unternehmen geraten unter Druck: Sie warten länger auf Geldeingänge, müssen aber selbst höhere Kosten stemmen.
Branchenübergreifend hat die tatsächliche Forderungslaufzeit – also die Zeit bis zum endgültigen Geldeingang – inzwischen die Marke von 40 Tagen überschritten. Die Zahlungsmoral verschlechtert sich spürbar. Der durchschnittliche Zahlungsverzug liegt aktuell bei 8,14 Tagen. Gerade im Mittelstand werden Rechnungen vermehrt erst nach dem vereinbarten Termin beglichen.
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Große Unternehmen nutzen ihre Marktmacht
Die Untersuchung zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen den Unternehmensgrößen. Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sichern sich durchschnittlich 35,51 Tage Zahlungsziel. Kleine Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern müssen dagegen mit nur 26,37 Tagen kalkulieren.
Die Folge: Größere Akteure nutzen verlängerte Zahlungsziele als Instrument zur Liquiditätssicherung, während kleinere Zulieferer die Wartezeit vorfinanzieren müssen. Die Studienautoren werten die Entwicklung als Reaktion auf allgemeine Kostensteigerungen – mit ungleicher Lastenverteilung.
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Chemie führt, Einzelhandel legt kräftig zu
Zwischen den Branchen klaffen erhebliche Unterschiede. Die Chemie- und Kunststoffbranche verzeichnet mit 40,51 Tagen weiterhin die längsten Zahlungsziele – wenngleich der Wert leicht rückläufig ist.
Massiv verändert hat sich der Einzelhandel: Dort kletterte das Zahlungsziel auf 34,79 Tage, nachdem es im Vorjahreszeitraum noch bei 32,73 Tagen lag. Inklusive eines Verzugs von rund 6,50 Tagen ergibt sich für den Handel eine Forderungslaufzeit von 41,29 Tagen. Auch die Logistikbranche registriert spürbar längere Fristen. Besonders betroffen von verzögerten Zahlungen ist das Baugewerbe, wo Unternehmen überdurchschnittlich lange auf den Ausgleich ihrer Rechnungen warten müssen.
