Institut der deutschen Wirtschaft sieht Trendwende bei prekärer Beschäftigung

04.02.2020 - 10:30:55 | ad-hoc-news.de

Zahl der unbefristeten Stellen hat in den Jahren 2012 bis 2017 laut einer aktuellen Studie des IW deutlich zugenommen.

Arbeiter Gleisanlage - Foto: über dts Nachrichtenagentur
Arbeiter Gleisanlage - Foto: über dts Nachrichtenagentur
In den Jahren zwischen 2012 bis 2017 hat in Deutschland die Anzahl der unbefristeten Stellen erheblich zugenommen. Im Untersuchungszeitraum haben 42 Prozent der Betriebe in Deutschland mehr unbefristete Arbeitsverhältnisse abgeschlossen. Nur in 11 Prozent der Unternehmen hat sich der prekäre Beschäftigungssektor ausgeweitet. Das Institut der deutschen Wirtschaft widersprach anhand der Untersuchungsergebnisse der allgemein verbreiteten Überzeugung, dass unbefristete Arbeitsverhältnisse zunehmend in zeitlich begrenzte Verträge umgewandelt würden. Ein derartiger Trend ist laut IW nicht feststellbar, das Gegenteil sei vielmehr der Fall. In absoluten Zahlen registrierte das IW einen Rückgang befristeter Stellen von 2,64 Millionen auf 2,55 Millionen. In die Analyse dieser absoluten Zahlen müssten dabei auch noch einfließen, dass im Zeitraum die Gesamtzahl der Beschäftigten deutlich angestiegen sei. Die befristete Beschäftigung wird von den Arbeitsmarktexperten zu den „atypischen Erwerbsformen“ gezählt. Neben der zeitlichen Befristung gehören auch Zeitarbeit und Werkverträge in diese Kategorie, die vor allem bei Arbeitnehmervertretern skeptisch beurteilt werden. Zu Unrecht, wie das Institut festhält. Nur bei 9 Prozent der Unternehmen wurden diese atypischen Beschäftigungsmodelle ausgeweitet, ohne gleichzeitig auch die Zahl der unbefristet Beschäftigten auszubauen. Bei 36 Prozent der Unternehmen wurde dagegen nur die unbefristete Beschäftigung gesteigert. Die prekäre Beschäftigung wird von den Betrieben nicht als Kostensenkungsfaktor genutzt, sondern ist ein Reflex auf die Veränderungen der wirtschaftlichen Bedingungen. Die Unternehmen versuchen, mit befristeten Stellen die Unsicherheit gegenüber der kurzfristigen wirtschaftlichen Entwicklung abzufedern. Dementsprechend steige die Zahl von befristet Beschäftigten vor allem in Zeiten mit einer negativen Zukunftserwartung auf Seiten der Betriebe. Die Ergebnisse der IW-Studie spiegeln daher die stabile Zukunftserwartung der Unternehmen zwischen 2012 und 2017. Der Autor der Studie, Holger Schäfer, widersprach aufgrund der Ergebnisse auch der These, wonach die Unternehmen das Instrument der Befristung willkürlich einsetzen würden. Wenn die Betriebe auf die Befristung zurückgreifen, dann aus guten Gründen, so die IW-Studie. Aus diesem Grund sei von einer staatlichen Regulierung, wie sie derzeit von Arbeitsmarktexperten diskutiert wird, entschieden abzuraten. Das schadet beiden Seiten, so der Autor der Studie, Arbeitgebern wie Arbeitnehmern.

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