Wohnungsmieten steigen im dritten Quartal um 1,2 Prozent
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStädte und Regionen mit starkem Mietanstieg
- Im dritten Quartal stiegen die Angebotsmieten gegenüber dem Vorquartal um 1,2 Prozent.
- Berlin und Düsseldorf verzeichneten unter den acht größten Städten die höchsten Quartalsanstiege.
- München blieb mit 23,7 Euro Kaltmiete je Quadratmeter die teuerste Großstadt.
Mietpreise steigen in deutschen Städten schneller
Die Wohnungsmieten in Deutschland sind im dritten Quartal deutlich stärker gestiegen als im Frühjahr. Die Angebotsmieten erhöhten sich ohne Berücksichtigung der Inflation um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, teilte das Kiel Institut für Weltwirtschaft mit.
Das war der stärkste Quartalsanstieg seit dem ersten Quartal des vergangenen Jahres. Besonders kräftig verteuerten sich die Mieten in Berlin und Düsseldorf mit 2,1 beziehungsweise 2 Prozent.
Hamburg führt beim Jahresvergleich
Im Vergleich zum Vorjahresquartal lagen die Angebotsmieten bundesweit nominal 3,7 Prozent höher. Preisbereinigt blieb ein Anstieg von 0,7 Prozent, weil die Betrachtung der Inflation die allgemeine Preisentwicklung berücksichtigt.
Hamburg verzeichnete im Jahresvergleich unter den acht größten deutschen Städten den stärksten nominalen Zuwachs von 6,7 Prozent. Außerhalb dieser Gruppe stiegen die Mieten besonders in Bochum, Augsburg und Mannheim; dort lag das Plus zwischen 6,3 und 5 Prozent.
München bleibt teuerste Großstadt
Die Auswertung des Kiel Instituts umfasst 37 Städte und Regionen, darunter die 30 bevölkerungsreichsten Städte Deutschlands. Der Mietpreisindex Greix basiert auf Immobilienmarktdaten aus mehr als 100 Quellen und bildet vor allem die Entwicklung in Großstädten ab.
Die teuerste Großstadt blieb München mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 23,7 Euro je Quadratmeter. Frankfurt und Hamburg folgten auf den Plätzen zwei und drei.
Hubig dringt auf schärferen Mieterschutz
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bekräftigte, sie wolle in der Koalition einen stärkeren Mieterschutz durchsetzen. Bei einem Wohngipfel des Deutschen Mieterbunds und des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Berlin sollte sie ihre Pläne erläutern.
Ihr Gesetzentwurf sieht unter anderem Änderungen bei Indexmieten, möblierten Wohnungen und Kurzzeitvermietungen vor. Bei der ersten Lesung im Juli hatten Abgeordnete der Union Lockerungen zugunsten der Vermieter gefordert.
Wohnraummangel verschärft den Druck
In Deutschland fehlen nach Schätzungen mehr als eine Million Wohnungen, besonders in Ballungsräumen. 2025 wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 18 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenige wie seit 2012 nicht mehr.
Die Bundesregierung will den Wohnungsbau mit einem sogenannten Bau-Turbo durch schnellere Genehmigungen und weniger Vorschriften ankurbeln. Der Eigentümerverband Haus und Grund lehnt Hubigs Gesetzentwurf ab und warnt vor Einschränkungen für private Kleinvermieter.
Mieten bleiben politisches Streitthema
Auch im Wahlkampf zur Berliner Abgeordnetenhauswahl spielten Mieten eine zentrale Rolle. Die Linke fordert unter anderem, große Wohnungskonzerne zu vergesellschaften und dadurch 220.000 Wohnungen in kommunale Hand zu überführen.
Die Bundesregierung hat sich darauf verständigt, eine Vergesellschaftung von Mietwohnungen über Landesgesetze künftig durch ein Bundesgesetz auszuschließen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf gibt es bislang noch nicht.
Der Mietanstieg fällt in eine Phase, in der sich der deutsche Wohnungsbau deutlich von den politischen Zielmarken entfernt hat. 2025 wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt, so wenige wie seit 2012 nicht mehr. Gleichzeitig konzentriert sich die Nachfrage weiterhin auf Großstädte und wirtschaftsstarke Regionen, während dort nur begrenzt neue und bezahlbare Wohnungen entstehen.
Der Greix-Index bildet vor allem die Entwicklung in Städten und Regionen ab und ist deshalb kein vollständiges Maß für die Mietbelastung aller Haushalte. Angebotsmieten zeigen zudem, welche Preise bei neuen Inseraten verlangt werden; sie können von den Mieten bestehender Mietverhältnisse abweichen. Für Wohnungssuchende sind sie dennoch unmittelbar relevant, weil sie die Kosten eines Umzugs oder eines neuen Mietvertrags prägen.
Politischer Streit über den Mieterschutz
Hubigs Vorhaben verbindet mehrere Konfliktfelder: Indexmieten, möblierte Wohnungen und Kurzzeitvermietungen. Änderungen könnten den Schutz von Wohnungssuchenden stärken, berühren aber zugleich die Kalkulation und Planungssicherheit von Vermietern. Genau an diesem Punkt dürften die Gespräche innerhalb der Koalition ansetzen.
Der sogenannte Bau-Turbo soll Genehmigungen beschleunigen und zusätzliche Wohnungen ermöglichen. Seine Wirkung kann jedoch erst mit Verzögerung sichtbar werden. Kurzfristig bleibt der Mietmarkt deshalb vor allem von der Zahl verfügbarer Wohnungen, der Nachfrage in den Städten und den Regeln für bestehende und neue Mietverträge geprägt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Fortlaufende Nachrichten vom 15. Oktober 2026“ (15.10.2026)
Der Deutschlandfunk habe berichtet, Hubig fordere die schwarz-rote Koalition zu mehr Mieterschutz auf. Der Beitrag setze damit den politischen Schwerpunkt auf die Koalitionsverhandlungen; die Mietdaten und ihre regionale Entwicklung stünden dort nicht im Mittelpunkt.
n-tv: „Der Börsen-Tag Donnerstag, 15. Oktober 2026“ (15.10.2026)
Der n-tv-Beitrag habe den Wohngipfel von Deutschem Mieterbund und Deutschem Gewerkschaftsbund sowie die erwarteten Erläuterungen Hubigs zu weiteren Gesetzesinitiativen eingeordnet. Anders als die dpa-Meldung liege der Schwerpunkt auf dem politischen Termin und der Forderung nach stärkerer Regulierung.
Beide Beiträge verbänden den aktuellen politischen Druck mit Hubigs Mieterschutzplänen. Offen bleibe, welche Änderungen die Koalition tatsächlich übernimmt und wie sie mit den Interessen der Vermieter sowie dem stockenden Wohnungsbau ausbalanciert werden.
