Wohnungsmangel, Pestel-Institut

Wohnungsmangel: Pestel-Institut beziffert die Lücke auf 1,35 Millionen

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 21:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Steigende Mieten, knappe Studentenunterkünfte und mehr Wohngeldbezug verdeutlichen den wachsenden Druck auf Haushalte.
Unfertige Wohngebäude auf einer Baustelle bei Dämmerung, die den aktuellen Wohnungsmangel symbolisieren. Illustration mit AI erstellt.

Die Situation auf dem deutschen Wohnungsmarkt spitzt sich weiter zu: Hohe Wohnkosten belasten zunehmend die Einkommen der Bürger, während Wartelisten für Wohnraum Rekordlängen erreichen und Studentenwohnheime überfüllt sind. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts fehlen in Deutschland derzeit 1,35 Millionen Wohnungen.

Eine Untersuchung der R+V-Versicherung zeigt zudem, dass die Wohnsituation mittlerweile zu den größten Sorgen der Bundesbürger zählt. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt in Mietwohnungen, womit die Bundesrepublik weiterhin das Mieterland Nummer eins in Europa bleibt.

Hohe Preisdynamik und Rekordstände beim Wohngeld

Der Druck auf die Mieterhaushalte hat sich zuletzt spürbar erhöht. Der Immobilien- und Mietpreisindex von Empirica Regio für das dritte Quartal 2026 verzeichnet bei Neubaumieten einen Anstieg von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Segment der Bestandswohnungen kletterten die Mieten im selben Zeitraum sogar um 10,2 Prozent.

Die finanziellen Folgen dieser Entwicklung schlagen sich auch in den Sozialsystemen nieder. Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge bezogen Ende 2025 rund 1,332 Millionen Privathaushalte Wohngeld, was einem Anteil von 3,2 Prozent aller Haushalte entspricht. Dies markiert ein Plus von 7,2 Prozent beziehungsweise rund 90.000 Haushalten gegenüber dem Stand von Ende 2024 mit damals 1,242 Millionen Empfängern – der höchste Stand seit Einführung der Zeitreihe im Jahr 2005. Die staatlichen Wohngeldausgaben erhöhten sich dabei von 4,69 Milliarden Euro auf 4,99 Milliarden Euro.

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Der bundesweit durchschnittliche monatliche Anspruch lag 2025 bei 296 Euro. Rentner und Pensionäre stellten in 51 Prozent der Empfängerhaushalte die Haupteinkommensperson, 85 Prozent von ihnen waren alleinstehend.

Trotz dieser Belastungen zeichnen sich finanzielle Einschnitte ab: Ein noch nicht beschlossener Kabinettsentwurf der Bundesregierung aus dem Juli 2026 sieht ab 2027 die Aussetzung der turnusmäßigen Anpassung, eine Halbierung der Heizkostenkomponente sowie eine Reform der Wohngeldformel vor. Der Bundesrat hatte sich Ende September 2026 kritisch mit diesen Plänen befasst.

Überfüllte Wohnheime und Engpässe zum Semesterstart

Besonders drastisch offenbart sich der Mangel an bezahlbarem Wohnraum im Hochschulbereich. Zum Semesterbeginn erhielten beim Studentenwerk Hannover lediglich 6 Prozent der rund 40.000 eingeschriebenen Studierenden einen Wohnheimplatz – der landesweite Durchschnitt in Niedersachsen liegt bei 10 Prozent.

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Für 600 freie Plätze lagen dem Studentenwerk über 2.200 Bewerbungen vor, während rund 6.000 Erstsemester auf der Suche nach Unterkünften waren. Die Durchschnittsmiete im Wohnheim liegt dort bei 342 Euro pro Monat, Zimmer in Wohngemeinschaften kosten mehr als 400 Euro. In Göttingen reagierte die Stadtverwaltung auf die Engpässe, indem sie Studienanfängern Hotelübernachtungen für 5 Euro anbot.

Bundesweit belaufen sich die monatlichen Kosten für Studierende laut dem Studierendenwerk Hamburg im Schnitt auf über 1.100 Euro, weshalb die staatliche Förderung zum Leben kaum mehr ausreiche. Zum Wintersemester 2026/27 deckt die BAföG-Wohnpauschale in den wenigsten Hochschulstandorten noch die Kaltmiete, da die Mieten regional schneller steigen als die Fördersätze.

An der Leuphana Universität Lüneburg stieg der Semesterbeitrag auf fast 485 Euro pro Semester und stellt damit den Höchstwert in Niedersachsen dar. Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs verwies darauf, dass die finanzielle Last hoch bleibe, die jüngste BAföG-Novelle den Betroffenen jedoch zusätzliche Mittel bereitstelle.

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