Wohnungsbau-Krise, GdW

Wohnungsbau-Krise: GdW erwartet nur 200.000 Fertigstellungen 2026

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 23:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die deutsche Baubranche steckt in der Krise. Ein neuer Gesetzentwurf soll einfachere Standards ermöglichen, während Verbände vor einem massiven Einbruch der Neubauzahlen warnen.

Wohnungsbau-Krise: Neuer Gesetzentwurf soll Baukosten senken
Wohnungsbau-Krise - Ein Bauplan eines Wohngebäudes überlagert von fallenden Finanzgrafiken vor einer Stadtkulisse bei Dämmerung, mit Rechtsdokumenten und Werkzeugen. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während die Politik neue Gesetze für günstigeres Bauen vorlegt, warnen Verbände vor einem massiven Einbruch der Neubauzahlen.

Gebäudetyp E: Einfacher bauen, Kosten senken

Justizministerin Hubig und Bauministerin Hubertz stellten heute den Gesetzentwurf für den Gebäudetyp E vor. Die Neuregelung soll einfachere Baustandards rechtssicher ermöglichen und so die Baukosten drücken. Der Hintergrund: Die Baukosten sind seit dem Jahr 2000 um 245 Prozent gestiegen. Ein Kabinettsbeschluss wird für die zweite Jahreshälfte angestrebt.

Auch der Normenkontrollrat hatte zuvor eine Vereinfachung der Standards gefordert. Parallel dazu hat IVD-Präsident Dirk Wohltorf turnusgemäß den Vorsitz der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) übernommen. Der Verband fordert ein höheres Reformtempo – besonders bei der Grunderwerbsteuer und der Planungssicherheit.

GdW rechnet mit nur 200.000 Fertigstellungen

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) zeichnet ein düsteres Bild. Für 2026 erwartet der Verband lediglich 200.000 Wohnungsfertigstellungen – weit unter dem geschätzten Bedarf von 320.000 Einheiten. Bereits 2025 war die Zahl der Fertigstellungen um 18 Prozent auf rund 206.600 gesunken.

Die Neubauinvestitionen der GdW-Mitgliedsunternehmen sollen 2026 um 26 Prozent auf 6 Milliarden Euro zurückgehen. Hauptursachen: Die Baupreise stiegen seit Ende 2019 um 51 Prozent, die Zinsen haben sich seit 2021 vervierfacht. GdW-Präsident Axel Gedaschko warnt: „Hohe Kosten und immer neue Anforderungen haben viele genehmigte Projekte in Schubladenprojekte verwandelt.“ Er fordert eine „Fast Lane“ für bezahlbaren Wohnraum.

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Heizungsgesetz verzögert sich, Vergesellschaftung vom Tisch

Die Verabschiedung des Gebäudemodernisierungsgesetzes – oft als Heizungsgesetz bezeichnet – verzögert sich. Die für Anfang Juli geplante Entscheidung im Bundestag könnte aufgrund einer Klage der Linke-Fraktion vor dem Bundesverfassungsgericht auf September 2026 verschoben werden. Die Koalition will mit der Novelle die 65-Prozent-Regelung für erneuerbare Energien modifizieren und mehr Technologieoffenheit schaffen.

Eine Grundsatzentscheidung fiel zur Eigentumsstruktur: Seit gestern steht fest, dass Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene künftig durch Bundesrecht unterbunden werden sollen. Das richtet sich gegen Initiativen zur Enteignung großer Wohnungsunternehmen. Wolfgang Kuhn, Präsident des Eigenheimerverbandes Bayern, begrüßt den Kurswechsel. Als Alternative plant die Koalition eine eigene Wohnungsbaugesellschaft für bezahlbauen Wohnen.

Bau-Turbo kommt regional unterschiedlich an

Der seit Oktober 2025 geltende „Bau-Turbo“ (Paragraph 246e BauGB) wird regional unterschiedlich genutzt. In Bergisch Gladbach wurden bis April 2026 bereits 45 Anträge registriert. Im ländlichen Raum, etwa im Landkreis Marburg-Biedenkopf, läuft die Anwendung hingegen schleppend. Kritiker befürchten ein unkontrolliertes Ausfransen der Ortsränder.

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Wohneigentum: Deutschland hinkt hinterher

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Mit einer Wohneigentumsquote von 44 Prozent liegt Deutschland weit hinter dem EU-Durchschnitt von 70 Prozent. Experten errechneten für Selbstnutzer in Metropolen über 15 Jahre einen steuerlichen Nachteil von rund 87.000 Euro gegenüber Vermietern. Zur Förderung des Eigentumserwerbs wird die Einführung von Freibeträgen bei der Grunderwerbsteuer diskutiert.

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