Wohnungsbau-Krise, Fertigstellungen

Wohnungsbau-Krise: Fertigstellungen fallen auf 206.600 Einheiten

27.05.2026 - 12:20:10 | boerse-global.de

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen fiel 2025 auf 206.600. Der Bauüberhang wächst, während die Politik neue Förderprogramme startet.

Wohnungsbau-Krise: Fertigstellungen fallen auf 206.600 Einheiten - Foto: über boerse-global.de
Wohnungsbau-Krise: Fertigstellungen fallen auf 206.600 Einheiten - Foto: über boerse-global.de

Gerade einmal 206.600 Wohnungen wurden 2025 fertiggestellt – ein Minus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das politische Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr rückt damit in weite Ferne.

Besonders alarmierend: Der Bauüberhang wächst. Ende 2025 waren 760.700 Wohnungen genehmigt, aber nicht fertig. Über 300.000 davon befinden sich tatsächlich im Bau. Branchenverbände fordern deshalb vereinfachte Baustandards und schnellere Genehmigungsverfahren.

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Halle (Saale): Patt beim Zukunftszentrum

Am Riebeckplatz in Halle (Saale) stockt ein Prestigeprojekt. Der Bauausschuss verweigerte am 26. Mai die nötige Straßeneinziehung – die Abstimmung endete 4:4. Während Linke, SPD, Grüne und Volt/MitBürger für das Vorhaben stimmten, lehnten AfD und Hauptsache Halle ab. Die CDU enthielt sich. Jetzt muss der Stadtrat entscheiden.

Das Großprojekt soll bis 2032 fertig sein. Ob dieser Zeitplan hält, ist offen.

Brandanschlag und geschlossenes Center

Im Süden Halles sorgt das Südstadt-Center für Ärger. Wegen massiver Mängel an Brandmeldeanlage und Sicherheitsbeleuchtung bleibt es geschlossen. Die Stadtverwaltung macht klar: Die Eigentümerin ist verantwortlich. Der Strom läuft noch bis 30. Juni – ein Wiedereröffnungstermin? Fehlanzeige.

Bürgerinitiativen warnen vor dem Verfall des Viertels. Rund 35,7 Millionen Euro Städtebaufördermittel flossen seit der Jahrtausendwende in das Quartier. Am Pfingstmontag legten Unbekannte zudem Mobiliar an einem neuen Jugendzentrum in Brand. Die Feuerwehr verhinderte Schlimmeres – die Holzfassade blieb verschont.

Rheinland-Pfalz: Sozialwohnungsbestand schrumpft

Die bundesweite Krise trifft besonders den sozialen Wohnungsbau. In Rheinland-Pfalz sank der Bestand auf 36.000 Einheiten – bei einem geschätzten Bedarf von 72.000 bis 2030. Der Sparkassenverband rechnet vor: Der Fehlbestand an Wohnungen könnte von 135.000 auf 200.000 steigen.

Und die Mietpreise? Die zogen im Dezember 2025 um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat an.

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Bundesregierung setzt auf Umbau

Kanzler Merz' Regierung startet im Juli das Programm „Gewerbe zu Wohnen“. Wer leerstehende Büros oder Läden in Wohnraum umwandelt, bekommt bis zu 30.000 Euro pro Einheit. 300 Millionen Euro stellt der Bund bereit. Voraussetzung: Der energetische Standard „Effizienzhaus 85 EE“ muss erreicht werden.

Die Förderung deckt maximal 30 Prozent der förderfähigen Kosten – gedeckelt auf 100.000 Euro pro Projekt.

Thüringen: Extreme Preisunterschiede

Der Immobilienmarktbericht 2026 zeigt, wie stark die Preise regional auseinanderklaffen. In Jena kostet ein Ein- oder Zweifamilienhaus im Schnitt 547.000 Euro, Bauplätze 458 Euro pro Quadratmeter. Im Kyffhäuserkreis sind Bestandsimmobilien dagegen für durchschnittlich 140.000 Euro zu haben.

Trotz der hohen Preise: Die Zahl der Grundstückstransaktionen stieg 2025 um knapp 4 Prozent auf rund 28.000 Fälle.

Verunsicherung bremst Modernisierungen

Fast 80 Prozent der Hausbesitzer fühlen sich durch wechselnde politische Vorgaben verunsichert. Die Folge: 62 Prozent schieben geplante Modernisierungen auf – etwa den Heizungstausch. Die umstrittene 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien tritt nun frühestens am 1. November 2026 in Kraft, statt wie ursprünglich geplant im Juli.

Hamburg geht eigenen Weg

Während der Bund auf Erleichterungen setzt, verschärft Hamburg die Regeln. Die Hansestadt verabschiedete am 20. Mai einen Antrag auf eine Länderöffnungsklausel im Gebäudemodernisierungsgesetz. Ziel: Strengere Vorschriften beibehalten, um die Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen. Kritiker warnen vor einem „Flickenteppich“, der die Bauwirtschaft zusätzlich belastet.

Magdeburg hofft auf Chipindustrie

In Sachsen-Anhalt treibt die Landesregierung einen High-Tech-Park auf 1100 Hektar voran – auf der ehemaligen Intel-Fläche. Allein die Wasserinfrastruktur kostet 180 Millionen Euro. Eine Entscheidung über die Ansiedlung des Chipherstellers FMC wird für den Spätsommer 2026 erwartet. Sollte das Projekt kommen, dürfte der Druck auf den regionalen Wohnungsmarkt weiter steigen.

Ausblick: Wende oder weiterer Stillstand?

Der Start des Förderprogramms „Gewerbe zu Wohnen“ im Juli gilt als Testlauf. Kann der Bund das brachliegende Potenzial in den Innenstädten heben? Entscheidend wird sein, ob die Baukosten sinken und die Bürokratie schrumpft.

In Halle entscheidet der Stadtrat über das Zukunftszentrum. Blockiert das Projekt weiter, droht dem Riebeckplatz langfristiger Stillstand. Und bundesweit bleibt die Frage: Ist die Talsohle erreicht – oder verschärft sich die Wohnungsnot bis zum Ende des Jahrzehnts weiter? Ohne schnellere Verfahren und stabile Rahmenbedingungen, so viel ist klar, bleibt das Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr eine Utopie.

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