Wohnungsbau in Deutschland: 2026 droht mit 185.000 Neubauten ein Tiefstand
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 23:16 Uhr | Redaktion boerse-global.deAuf dem Wohngipfel von Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) und Deutschem Mieterbund am Donnerstag in Berlin hat Bundesjustizministerin Stefanie Hubig einfachere rechtliche Vorgaben für kostengünstigeren Wohnungsbau präsentiert.
Vor dem Hintergrund spürbar steigender Bestandsmieten in deutschen Städten zogen die veranstaltenden Organisationen das Fazit, dass eine umfassende Bau-Offensive unverzichtbar sei, um die anhaltende Wohnungskrise wirksam einzudämmen. Im Vorfeld hatten DGB und Mieterbund zudem eine deutlich schärfere Regulierung des Mietmarktes eingefordert.
Schärfere Vorgaben für Mieten und geplante Bundesbaugesellschaft
Bundesjustizministerin Hubig kündigte konkrete Schritte an, um bestehende Schlupflöcher am Wohnungsmarkt zu schließen. Geplant seien strengere Bestimmungen für möbliertes Wohnen, Kurzzeitvermietungen und Indexmieten sowie ein verbesserter Kündigungsschutz für Mieterinnen und Mieter.
Zudem soll eine Kommission zum Thema Mietwucher bis zum Jahresende Empfehlungen vorlegen; diskutiert wird dabei eine Schwelle ab 50 Prozent über dem ortsüblichen Vergleichswert. Parallel dazu berät der Bundestag gegenwärtig über ein Regelungspaket zu Indexmieten, Kurzzeitvermietungen und möbliertem Wohnraum, dessen Verabschiedung bis zum Jahresende angestrebt wird.
Auf Ebene der Bundesregierung ist darüber hinaus die Gründung einer eigenen staatlichen Baugesellschaft vorgesehen. Ein allgemeiner Mietenstopp gilt derweil in der Koalition mit der Union als politisch nicht durchsetzbar. Vertreter der Immobilienbranche waren der Veranstaltung am Donnerstag ferngeblieben und hatten ihre Teilnahme im Vorfeld abgesagt.
Kontroverse Debatten über Vergesellschaftung und Eigentum
Die Mietenpolitik sowie die Vergesellschaftung großer Bestände bildeten einen zentralen Streitpunkt unter den Gipfelteilnehmern. Hubig sprach sich gegen eine Vergesellschaftung von Immobilienbeständen aus, da diese viel koste und wenig bringe, und dämpfte zugleich Hoffnungen auf ein schnelles Anti-Enteignungsgesetz auf Bundesebene.
Ein pauschales Verbot sei mit Blick auf die Artikel 14 und 15 des Grundgesetzes nicht möglich und ein entsprechendes Gesetz verfassungsrechtlich nicht trivial; die Federführung liege hierfür beim Innenministerium. Im Juli hatte Bundeskanzler Merz ein Gesetz gegen die Enteignung von Wohnungsbaugesellschaften angekündigt.
Der jährliche Neubaubedarf liegt bei mindestens 300.000 Einheiten, für 2026 werden jedoch nur 185.000 Fertigstellungen erwartet — der niedrigste Wert seit 15 Jahren. Für Vermieter und Investoren verschiebt sich damit die Frage von der Rendite zur Regulierung: Der Bundestag berät ein Paket zu Indexmieten, Kurzzeitvermietungen und möbliertem Wohnraum, dessen Verabschiedung bis zum Jahresende angestrebt wird. Unser kostenloser Report ordnet ein, welche Regeln geplant sind und wo Handlungsbedarf entsteht. Strategie-Report Wohnungsmarkt jetzt anfordern
Der Schritt steht im Kontext der politischen Lage in Berlin: Dort strebt eine mögliche rot-grün-rote Landesregierung unter Führung der Linkspartei an, 220.000 Wohnungen in kommunale Hand zu bringen; die Linkspartei fordert die Vergesellschaftung von mehr als 200.000 Wohnungen großer Konzerne.
Auf dem Gipfel plädierte der Ökonom Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) für eine Vergesellschaftung sowie einen Ausbau des öffentlichen Wohnungsbaus und kritisierte geplante Kürzungen beim Wohngeld.
Demgegenüber äußerte der CDU-Politiker Jan-Marco Luczak Verständnis für die wirtschaftliche Lage der Vermieter, während sich Melanie Weber-Moritz vom Deutschen Mieterbund zur Problematik drohender Zwangsräumungen zu Wort meldete. Im Rahmen der teils hitzigen Diskussionen über staatliche Eingriffe brachte ein SPD-Politiker auch eine 50-Prozent-Vermögensabgabe ins Gespräch.
Zuspitzung auf dem Wohnungsmarkt
Die Debatte trifft auf eine historisch angespannte Marktsituation. In Deutschland fehlen gegenwärtig geschätzt mehr als eine Million Wohnungen. Für das Gesamtjahr 2026 wird lediglich mit 185.000 fertiggestellten Einheiten gerechnet – ein Tiefstand seit 15 Jahren.
Bereits im Jahr 2025 waren mit 206.600 Fertigstellungen rund 18 Prozent weniger Wohnungen entstanden als im Vorjahr, was dem niedrigsten Wert seit 2012 entsprach. Der jährliche Neubaubedarf liegt nach Brancheneinschätzungen bei mindestens 300.000 Einheiten.
Gleichzeitig setzt sich der Preisdruck fort: Nach Daten des Kiel Instituts für Weltwirtschaft legten die Angebotsmieten im dritten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal um 1,2 Prozent zu – nach einem Plus von 0,8 Prozent im zweiten Quartal 2026 war dies der stärkste Zuwachs seit dem ersten Quartal 2025. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Werte nominal um 3,7 Prozent und real um 0,7 Prozent.
Auf dem Wohngipfel in Berlin standen Vergesellschaftung und Enteignung großer Wohnungsbestände im Zentrum der Debatte — ein pauschales Verbot ist laut Bundesjustizministerin mit Blick auf Artikel 14 und 15 des Grundgesetzes nicht möglich, ein Bundesgesetz verfassungsrechtlich nicht trivial. Wer Bestände hält, braucht Klarheit über die politischen Szenarien statt Schlagzeilen. Unser kostenloser Leitfaden fasst den Diskussionsstand zusammen und zeigt, welche Fragen Eigentümer jetzt intern klären sollten. Leitfaden zu Vergesellschaftung und Eigentum sichern
Unter den acht größten deutschen Städten verzeichnete Berlin im Quartalsvergleich mit 2,1 Prozent den stärksten Anstieg, gefolgt von Düsseldorf mit 2,0 Prozent.
Im Jahresvergleich wies Hamburg ein Plus von 6,7 Prozent auf. Außerhalb dieser Metropolen verzeichneten Bochum, Augsburg und Mannheim Raten zwischen 5,0 und 6,3 Prozent. Teuerste Großstadt blieb München mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 23,7 Euro pro Quadratmeter.
