Wohnungsbau, Hubertz

Wohnungsbau: Hubertz kündigt auf der Expo Real einen zweiten Bau-Turbo an

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 13:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hubertz stellt weitere Bau-Erleichterungen in Aussicht; hohe Kosten und knappe Behördenkapazitäten verzögern weiterhin den Wohnungsbau.

Wohnungsbau: Zweiter Bau-Turbo angekündigt, doch Kosten bremsen
Eine Baustelle für Wohngebäude bei Sonnenuntergang mit Kränen und halbfertigen Apartmenthäusern. Illustration mit AI erstellt.

Auf der Immobilienmesse Expo Real in München hat die Branche über die anhaltenden Hemmnisse im Wohnungsbau diskutiert. Trotz spürbarer Wohnungsnot kommt die Bautätigkeit in vielen Regionen nur zögerlich voran.

Bundesbauministerin Verena Hubertz stellte vor diesem Hintergrund eine Neuauflage der bürokratischen Erleichterungen in Aussicht und kündigte einen zweiten Bau-Turbo zur Entschlackung des Baugesetzbuchs an. Das ursprüngliche Bau-Turbo-Regelwerk war 2025 vorgestellt worden.

Nach Angaben von Hubertz stellen Bund, Länder und Kommunen derzeit rund 60 Mrd. Euro für neue, vorwiegend sozial geförderte Wohnungen bereit. An Genehmigungen mangelt es dabei zuletzt nicht: Von Januar bis Juli 2026 wurden rund 148.000 neue Wohnungen genehmigt. Dies entspricht dem höchsten Wert seit zehn Jahren.

Verzögerungen in Behörden und Unsicherheit am Kapitalmarkt

Dass die Genehmigungen sich dennoch nicht rasch in Bauvorhaben niederschlagen, führt die Branche auf unterschiedliche Hürden zurück. André Berghegger vom Deutschen Städte- und Gemeindetag forderte eine schnellere Planung und Umsetzung beim Wohnungsbau. Jochen Völckers vom Immobiliendienstleister Avison Young verwies zudem auf den Personalmangel in den zuständigen Ämtern als wesentliches Problem bei den Verwaltungsverfahren.

Gleichzeitig belasten politische Diskussionen die Stimmung institutioneller Kapitalgeber. Vonovia-Chef Luca Mucic berichtete, dass Investoren sich vorrangig nach Vergesellschaftungsdebatten erkundigten. Insbesondere nach der Wahl in Berlin und den damit verbundenen Enteignungsforderungen der Linken herrschten unter Anlegern erhebliche Sorgen.

Praxistest in München zeigt Chancen und Grenzen

Am Rande der Messe besichtigte Hubertz gemeinsam mit dem Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause das geplante FlaucherQuartier in München-Sendling. Auf dem Areal zwischen der Hans-Preißinger- und der Schäftlarnstraße nahe dem Kulturzentrum HP8 planen die Stadtwerke München rund 210 Wohnungen vor allem für Beschäftigte der Daseinsvorsorge wie Busfahrer und Bademeister sowie eine Kindertagesstätte.

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Die Konzeption sieht eine geschlossene Blockrandstruktur mit geschütztem Innenhof, Dachgärten, Photovoltaik, Fernwärme und eine modulare Bauweise vor. Der Abriss der Bestandsgebäude ist für Ende 2028 avisiert, der Baubeginn für 2029 und der Bezug für 2031.

Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk hob hervor, dass das Baurecht für das Projekt über das beschleunigte Verfahren rund zwei Jahre schneller entstehe als im regulären Planungsablauf. Das Quartier gehört zu aktuell 37 Bauturbo-Projekten in der bayerischen Landeshauptstadt, die im ersten Halbjahr 2026 derartigen Erleichterungen für rund 2100 Wohnungen zugestimmt hatte.

Gleichzeitig dämpfte Merk die Erwartungen an den Hebel rein planerischer Erleichterungen: Das allgemeine Interesse am Bauturbo sei geringer ausgefallen als erhofft. Als Hauptursachen nannte die Stadtbaurätin die anhaltend hohen Baukosten sowie eine zögerliche Kreditvergabe durch Banken.

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Wie groß die Lücke bleibt, verdeutlicht die Münchner Gesamtbilanz: Im Jahr 2025 wurden in der Stadt 4348 Wohnungen fertiggestellt, während das offizielle Jahresziel bei 8500 Wohnungen liegt.

Die Stadtwerke München, die bis 2040 einen Bestand von 4000 Werkswohnungen anstreben, verwalten derzeit 1500 Einheiten bei einer Kaltmiete von 11 bis 17 Euro je Quadratmeter – auf ihrer internen Warteliste stehen aktuell 2000 Namen.

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