Wohnungsbau, EU-Taxonomie

Wohnungsbau: EU-Taxonomie 2027 macht Sanierung zur Pflicht

12.06.2026 - 16:57:56 | boerse-global.de

Neue Gesetze zwingen Vermieter zur energetischen Fenstersanierung, um Wertverluste zu vermeiden. Staatliche Förderung und Mieterhöhungen bieten Auswege.

GEG 2024 und EU-Taxonomie: Sanierungsdruck auf Wohnungsgesellschaften
Wohnungsbau - Nahaufnahme eines modernen, energieeffizienten Fensters, das einen blauen Himmel reflektiert, mit einem Wohngebäude im Hintergrund. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2024 und die EU-Taxonomie ab 2027 machen die energetische Sanierung von Fenstern zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Ohne Modernisierung droht Immobilien in schlechten Effizienzklassen die Einstufung als sogenannte Stranded Assets – also wertlose Investments.

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Was das Gesetz vorschreibt

Beim vollständigen Fensteraustausch gilt ein maximaler Wärmedurchgangskoeffizient von 1,3 W/(m²K). Das schreibt § 48 GEG 2024 vor. Klingt trocken, hat aber handfeste finanzielle Folgen.

Die gute Nachricht: Der Staat hilft mit. Über das BAFA sind Förderungen von bis zu 20 Prozent möglich – vorausgesetzt, ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) liegt vor. Die förderfähigen Kosten sind auf 12.000 Euro pro Wohneinheit gedeckelt.

So rechnet sich die Modernisierung

Vermieter können über § 559 BGB jährlich acht Prozent der Modernisierungskosten auf die Mieter umlegen. Ein Beispiel: Bei 50 Wohneinheiten und einer Nettoinvestition von rund 153.000 Euro ist die Amortisation nach etwa neun Jahren erreicht.

Experten raten jedoch zur Eile. Denn ab 2027 straft die EU-Taxonomie Immobilien der Effizienzklasse D und schlechter finanziell ab. Wer jetzt nicht saniert, sitzt bald auf unverkäuflichem Bestand.

Serielle Sanierung als Trend

Die Branche sucht nach effizienten Lösungen. Ein Beispiel ist das Projekt „BeethovenBlick“ der Baugenossenschaft 1894 Gießen. Dort wurden mehrere Häuser seriell modernisiert und teilweise aufgestockt. Die Mieten im Bestand stiegen danach auf rund 8,10 Euro pro Quadratmeter.

Auch die Deutsche Energie-Agentur (dena) zeigte bei einer Fachexkursion in Sarstedt am 12. Juni 2026 Lösungen für den schnellen Umstieg auf regenerative Energien. Modulare Energiezentralen, Fensterheizungen und Energiefassaden sollen den Sanierungsprozess im bewohnten Bestand beschleunigen.

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Die günstigere Alternative

Nicht immer muss das ganze Fenster raus. Die Lebenshilfe Kärnten setzt auf professionelle Abdichtung bestehender Fenster statt auf Austausch. Ergebnis: Die Heizkosten sanken pro Immobilie um 25 Prozent. Auch das Umweltministerium empfiehlt solche Maßnahmen im Rahmen der „Mission 11“.

Sommerhitze nicht vergessen

Neben der Wintereffizienz gewinnt der sommerliche Wärmeschutz an Bedeutung. Zum Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 informierte der Verbraucherschutzverband Wohnen im Eigentum (WiE) über wirksame Maßnahmen. Am besten helfen außenliegende Rollläden oder Außenjalousien.

Für Wohnungseigentümergemeinschaften reicht ein einfacher Mehrheitsbeschluss. Wer weniger ausgeben will, kann außen angebrachte Sonnenschutzfolien ohne Spiegeleffekt nutzen.

Streit ums neue Modernisierungsgesetz

Während die Branche nach Lösungen sucht, sorgt der Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) für Zündstoff. Fachverbände und die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen kritisierten Mitte Juni 2026 scharf: Die geplante Abschaffung der 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht beim Heizungstausch sende falsche Signale.

Experten in den Bundesratsausschüssen bemängelten den Entwurf von Bundeswirtschaftsministerin Reiche als bürokratisch. Sie warnen vor einer verlängerten Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Besonders ärgerlich für Bioenergieverbände: Die fehlende Netzanschlussperspektive für Biomethan erschwert den Einsatz grüner Gase in der Bestandsmodernisierung.

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