Wohnraummangel, Wirtschaftswachstum

Wohnraummangel bremst laut Reiche-Beratern Wirtschaftswachstum

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 10:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium warnt vor Folgen hoher Wohnkosten für Arbeitsmarkt und Volkswirtschaft. Die Ökonomen empfehlen unter anderem mehr Bauland und eine Beteiligung von Eigentümern an Infrastrukturkosten.

Beirat fordert mehr Wohnraum

  • Der Wissenschaftliche Beirat berät das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche.
  • Felix Bierbrauer warnt vor verlorenen Chancen für die gesamte Volkswirtschaft.
  • Vorgeschlagen werden mehr Bauland, höhere Geschossflächen und steuerliche Umzugshilfen.
Der stockende Wohnungsbau dämpft nach Einschätzung von Ökonomen die Wirtschaft - und weil er Verbraucher ausbremst (Archivbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa

Wohnraummangel erschwert berufliche Wechsel

Der Mangel an Wohnraum bremst nach Einschätzung des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Hohe Wohnkosten erschwerten den Wechsel an einen produktiveren Arbeitsplatz, heißt es in einem Gutachten der Ökonomen.

Wenn Beschäftigte wegen fehlender bezahlbarer Wohnungen einen besser bezahlten Job nicht annähmen, gingen Chancen für die gesamte Volkswirtschaft verloren, sagte der Vorsitzende des Beirats, Felix Bierbrauer.

Höhere Löhne werden durch Mieten aufgezehrt

Die Wanderung von Menschen orientiere sich in Deutschland immer weniger an regionalen Lohnvorteilen, heißt es in dem Gutachten. Lohnzuwächse würden sich zunehmend in höheren Wohnungspreisen niederschlagen.

Wer von einer Niedrig- in eine Hochlohnregion umziehe, habe dadurch kaum mehr Geld zur Verfügung, sagte Bierbrauer mit Blick auf steigende Neuvertragsmieten. Der Umzug verliere damit an Attraktivität.

Beirat will Kommunen zum Bauen bewegen

Der Beirat schlägt vor, Kommunen stärker zur Ausweisung von Bauland zu bewegen. Bislang entstünden ihnen dabei erhebliche Folgekosten für Schulen, Kitas, Sporteinrichtungen und Verkehrsverbindungen, während Bodenwertgewinne oft privaten Eigentümern zugutekämen.

Eigentümer und Bauherren sollen deshalb stärker an den Infrastrukturkosten beteiligt werden. Genannt werden eine erweiterte Infrastrukturkostenumlage und ein Planungswertausgleich.

Mehr Geschossfläche und Umzugshilfen

Ältere Bebauungspläne sollen pauschal mehr Geschossfläche zulassen. Auch maßvolle Erweiterungen innerhalb bestehender Siedlungen sollen leichter möglich werden, damit zusätzlicher Wohnraum nicht jedes Mal gegen lokale Widerstände durchgesetzt werden muss.

Außerdem bringt der Beirat steuerliche Erleichterungen bei beruflich veranlassten Umzügen ins Spiel.

Das Gutachten verknüpft die Wohnungsfrage mit einem zentralen Mechanismus des Arbeitsmarkts: Beschäftigte können regionale Lohnunterschiede nur nutzen, wenn sie ihren Wohnort tatsächlich wechseln können. Hohe Neuvertragsmieten und knappes Angebot erhöhen dabei die Kosten eines Umzugs und schmälern den finanziellen Vorteil eines besser bezahlten Jobs.

Besonders relevant ist der Zusammenhang für Wachstumsregionen, in denen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, aber Wohnungen nur langsam nachkommen. Unternehmen können offene Stellen dann schwerer besetzen, während Beschäftigte in Regionen mit niedrigeren Mieten bleiben. Dadurch werden Produktivität und wirtschaftliche Dynamik nicht nur durch fehlende Arbeitskräfte, sondern auch durch räumliche Immobilität begrenzt.

Wohnungsbau als Infrastrukturaufgabe

Die Vorschläge des Beirats zielen deshalb nicht allein auf Mietzuschüsse, sondern auf die Ursachen des knappen Angebots. Kommunen sollen stärker dazu bewegt werden, Bauland auszuweisen; zugleich sollen Eigentümer und Bauherren an den Folgekosten für Schulen, Kitas, Verkehr und andere Infrastruktur beteiligt werden. Der vorgeschlagene Planungswertausgleich soll dabei einen Teil der Wertzuwächse abschöpfen, die durch neues Baurecht entstehen.

Für Mieter und Arbeitgeber dürfte die Umsetzung entscheidend sein: Mehr Baurecht wirkt erst mit Verzögerung, steuerliche Erleichterungen für berufliche Umzüge könnten dagegen kurzfristiger greifen. Der Konflikt zwischen zusätzlicher Verdichtung, kommunalen Kosten und lokalen Widerständen bleibt jedoch bestehen. Das Gutachten macht daraus eine wirtschaftspolitische Aufgabe, die über klassische Wohnungs- und Sozialpolitik hinausreicht.

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