Wohnkosten bremsen Wachstum: Beirat fordert mehr Bauland
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 06:31 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKommunale Anreize für mehr Wohnraum
- Der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium legte ein Gutachten mit 37 Ökonomen vor.
- Beiratsvorsitzender Felix Bierbrauer bezifferte das Beispiel mit einem ein Prozent besser bezahlten neuen Arbeitsplatz.
- Vorgeschlagen wird eine erweiterte Infrastrukturkostenumlage für Eigentümer und Bauherren.
Wohnkosten erschweren Wechsel in Wachstumsregionen
Der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium sieht in der Schieflage am deutschen Wohnungsmarkt eine Bremse für das Wirtschaftswachstum. Hohe Wohnkosten behindern nach dem Gutachten besonders in Wachstumsregionen die Mobilität von Arbeitskräften und verursachen dadurch volkswirtschaftliche Kosten.
Mehr Lohn kann durch höhere Miete aufgezehrt werden
Das Gutachten wurde von 37 Ökonomen erstellt. Beiratsvorsitzender Felix Bierbrauer erklärte, Chancen für die gesamte Volkswirtschaft gingen verloren, wenn Beschäftigte einen besser bezahlten Arbeitsplatz wegen fehlenden bezahlbaren Wohnraums nicht annehmen könnten.
Die Ökonomen führen dazu ein Rechenbeispiel an: Wird ein neuer Arbeitsplatz mit einem um ein Prozent höheren Lohn angeboten, fallen in der neuen Region häufig auch um ein Prozent höhere Wohnkosten an. Der finanzielle Anreiz für den beruflichen Wechsel kann dadurch verschwinden.
Beirat fordert neue Kostenverteilung
Um mehr Wohnraum zu schaffen, sollen Kommunen nach dem Vorschlag stärkere Anreize erhalten, Bauland auszuweisen. Der Beirat sieht derzeit Fehlanreize, weil Städte und Gemeinden die erheblichen Folgekosten zusätzlicher Schulen, Kitas, Sporteinrichtungen und Verkehrsverbindungen tragen.
Deshalb sollen Eigentümer und Bauherren stärker an diesen Kosten beteiligt werden. Vorgesehen ist eine erweiterte Infrastrukturkostenumlage.
Das Gutachten verbindet die Wohnungsfrage mit einem zentralen Problem des deutschen Arbeitsmarkts: Beschäftigte können nicht ohne Weiteres dorthin wechseln, wo Unternehmen zusätzliche Arbeitskräfte benötigen. Besonders angespannt ist die Lage in wirtschaftsstarken Städten und Regionen, in denen hohe Mieten den finanziellen Vorteil eines besser bezahlten Arbeitsplatzes teilweise oder vollständig aufzehren.
Der vom Beirat beschriebene Zusammenhang betrifft nicht nur einzelne Haushalte. Wenn berufliche Wechsel aus Wohnungsgründen unterbleiben, werden Arbeitskräfte weniger effizient verteilt. Unternehmen in Wachstumsregionen können offene Stellen schwerer besetzen, während zugleich in anderen Regionen Arbeitskräftepotenzial ungenutzt bleibt. Hohe Wohnkosten wirken damit als Standort- und Produktivitätsfaktor.
Kommunen zwischen Bauland und Folgekosten
Der Vorschlag einer erweiterten Infrastrukturkostenumlage zielt auf einen Zielkonflikt der Wohnungspolitik. Kommunen sollen mehr Bauland ausweisen, tragen danach aber häufig die Kosten für Schulen, Kitas, Straßen und Verkehr. Eine stärkere Beteiligung von Eigentümern und Bauherren könnte diesen Anreizkonflikt abmildern, würde Bauvorhaben jedoch zugleich verteuern.
Für Mieter und Beschäftigte hängt die Wirkung deshalb davon ab, ob zusätzliche Kosten tatsächlich zu mehr Wohnraum führen. Entscheidend bleibt, dass Bauland ausgewiesen, genehmigt und anschließend auch bebaut wird. Kurzfristig dürfte eine solche Reform die Wohnkosten in angespannten Regionen kaum senken; langfristig könnte ein größeres Angebot die Mobilität von Arbeitskräften erleichtern.
