Wohneigentum oder Miete: Kauf kostet im Beispiel 417 Euro mehr im Monat
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Analyse zur wirtschaftlichen Bewertung von Immobilieninvestitionen zeigt, dass der Erwerb von Wohneigentum gegenüber dem Mieten einer vergleichbaren Wohnung finanziell nicht immer vorteilhaft ist. In vielen Fällen übersteigen die laufenden Kosten und die entgangene Rendite des eingesetzten Kapitals die monatliche Mietbelastung deutlich.
Beispielrechnung verdeutlicht finanzielle Mehrbelastung
Ein konkretes Szenario veranschaulicht die Kostendifferenz. Beim Kauf einer Wohnung für 500.000 Euro fallen bei einer angenommenen Quote von 10 Prozent für Kaufnebenkosten zusätzliche 50.000 Euro an. Setzt ein Käufer 150.000 Euro Eigenkapital ein, verbleibt ein Kreditbedarf von 400.000 Euro.
Bei einem Sollzins von 3,5 Prozent und einer anfänglichen Tilgung von 2 Prozent ergibt sich eine monatliche Rate von circa 1.833 Euro. Dieser Betrag setzt sich aus etwa 1.167 Euro Zinsen und 667 Euro Tilgung zusammen.
Zusätzlich zur Kreditrate müssen Eigentümer monatliche Rücklagen für die Instandhaltung bilden, die im Berechnungsmodell mit 250 Euro angesetzt werden. Ein oft vernachlässigter Faktor ist zudem die entgangene Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital. Bei einer angenommenen marktüblichen Verzinsung von 4 Prozent pro Jahr entsprächen die 150.000 Euro Eigenkapital rechnerisch einem entgangenen Ertrag von 500 Euro im Monat.
In der Summe belaufen sich die monatlichen Kosten für den Käufer somit auf circa 1.917 Euro. Dem steht eine Kaltmiete von 1.500 Euro für ein vergleichbares Objekt gegenüber. Damit liegt die finanzielle Belastung für den Eigentümer rund 417 Euro über der des Mieters. Die Verbraucherzentrale weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Kaufnebenkosten je nach Standort bis zu 10 Prozent des Kaufpreises betragen können.
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Preisdynamik und regionale Unterschiede am Immobilienmarkt
Die Entwicklung der Immobilienpreise unterstreicht die Komplexität der Investitionsentscheidung. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes stiegen die Preise für Wohnimmobilien im zweiten Quartal 2026 bundesweit lediglich um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 betrug der Zuwachs 0,3 Prozent.
Dabei zeigen sich deutliche regionale Diskrepanzen. In den Top-7-Metropolen – Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf – sanken die Preise für Eigentumswohnungen im Vergleich zum Vorquartal um 0,5 Prozent. Im Jahresvergleich verzeichneten ländliche Kreise sogar einen Rückgang von 1,8 Prozent. Im Gegensatz dazu verbuchten Großstädte außerhalb der sieben größten Metropolen ein Plus von 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Herausforderungen bei Anschlussfinanzierungen
Für Bestandshalter rücken zudem die Zinsentwicklungen in den Fokus. Eine Modellrechnung von Verivox verdeutlicht das Risiko auslaufender Zinsbindungen. Ein Baukredit über 340.000 Euro, der im September 2016 zu einem Zinssatz von 1,14 Prozent abgeschlossen wurde, erforderte damals eine monatliche Rate von 982 Euro.
Bei einer Prolongation zum aktuellen Marktzins von 4,09 Prozent bei der bisherigen Bank würde die neue Rate auf circa 1.365 Euro steigen – eine Mehrbelastung von 383 Euro pro Monat.
Experten von Verivox raten in solchen Fällen zum Bankenwechsel. Durch einen Anschlusskredit zu günstigeren Konditionen von etwa 3,67 Prozent ließen sich im Vergleich zum Angebot der Hausbank Zinskosten von 9.930 Euro einsparen. Laut Europace wurde im Jahr 2016 fast jede zweite Baufinanzierung mit einer zehnjährigen Zinsbindung abgeschlossen, was die Relevanz dieses Themas für die kommenden Monate unterstreicht.
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Politischer Rahmen und regulatorische Eingriffe
Flankiert wird die Marktsituation durch verstärkte staatliche Eingriffe in den Mietmarkt. In Hessen wurde die Mietpreisbremse jüngst auf 71 Städte ausgeweitet. Der Deutsche Mieterbund Hessen verwies darauf, dass die Mieten insbesondere in Ballungsräumen und Universitätsstädten weiterhin ungebremst stiegen.
In Berlin hält die politische Debatte über die Vergesellschaftung großer Immobilienunternehmen an, während die Bundesregierung laut Berichten an einem Gesetz arbeitet, um solche Maßnahmen zu verhindern.
