Wohneigentum, Deutschland

Wohneigentum: Deutschland fällt auf 43,5% – Schlusslicht in Europa

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 10:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Pestel-Institut sieht hohe Baukosten, Zinsen und Wohnbaupolitik als Gründe für den Tiefstand der Eigentumsquote in Deutschland.

Wohneigentum in Deutschland auf 43,5 Prozent gesunken
Eine unfertige Baustelle mit Ziegelsteinen und Gerüsten bei Dämmerung, die die schwierigen Bedingungen für den Wohnungsbau symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland hat die Wohneigentumsquote im Jahr 2026 einen neuen historischen Tiefstand erreicht. Nach aktuellen Berechnungen des Pestel-Instituts liegt der Anteil der Menschen, die in den eigenen vier Wänden leben, nur noch bei 43,5 Prozent. Damit markiert die Bundesrepublik nicht nur den niedrigsten Wert seit zwei Jahrzehnten, sondern bildet auch im europäischen Vergleich das Schlusslicht.

Die Ergebnisse verdeutlichen eine zunehmende Kluft zwischen dem Wunsch nach Wohneigentum und der finanziellen Realisierbarkeit für weite Teile der Bevölkerung.

Fiskalische Folgen durch Wegfall des Baukindergeldes

Ein zentraler Aspekt der Untersuchung betrifft die staatlichen Fördermaßnahmen der vergangenen Jahre. Laut dem Pestel-Institut habe sich insbesondere die Streichung des Baukindergeldes, die vor fünf Jahren vollzogen wurde, als fiskalischer Fehlschlag erwiesen.

Die Analyse komme zu dem Schluss, dass diese Entscheidung dem Staat unter dem Strich mehr gekostet habe, als sie an Einsparungen einbrachte. Die Experten des Instituts sehen darin ein deutliches Zeichen für eine verfehlte Anreizstruktur in der Wohnbaupolitik.

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Institutsleiter Günther nannte in diesem Zusammenhang eine Kombination aus mehreren Faktoren als Hauptursachen für die rückläufige Eigenheimquote. Neben den hohen Baukosten und den gestiegenen Zinsen sei es vor allem die aktuelle Wohnbaupolitik, die den Erwerb von Wohneigentum erschwere. Die Studie lege dar, dass sich die Mehrheit der Deutschen den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses derzeit schlichtweg nicht mehr leisten könne.

Massive Kostensteigerungen am Bau

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Bauherren haben sich laut den Daten des Instituts über einen längeren Zeitraum drastisch verschlechtert. Seit dem Jahr 2000 sind die Herstellungskosten für Wohnungen um 160 Prozent gestiegen.

Dieser Zuwachs übertrifft die allgemeine Teuerungsrate bei weitem: Die Verbraucherpreise im selben Zeitraum erhöhten sich lediglich um 64 Prozent. Diese Diskrepanz verdeutliche, warum das Bauen für Privatpersonen zunehmend unerschwinglich geworden ist.

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Besonders betroffen von dieser Entwicklung ist die jüngere Generation. Den Erhebungen zufolge wohnen fast drei Viertel der 25- bis 45-Jährigen in Deutschland zur Miete. Für diese Altersgruppe, die traditionell als Kernzielgruppe für den ersten Immobilienerwerb gilt, sei der Zugang zum Markt durch die Preisentwicklung und fehlende Eigenmittel massiv erschwert.

Forderung nach Kurskorrektur in der Wohnbaupolitik

Angesichts der Ergebnisse mahnt das Pestel-Institut eine grundlegende Kehrtwende an. Um den Trend umzukehren und die soziale Stabilität durch Vermögensbildung zu fördern, müssten laut der Studie jährlich rund 200.000 Haushalte in die Lage versetzt werden, Wohneigentum zu bilden. Dies erfordere jedoch neue politische Rahmenbedingungen, die sowohl die hohen Baukosten adressieren als auch gezielte Anreize für Ersterwerber schaffen.

Ohne ein entsprechendes Gegensteuern drohe Deutschland, den Anschluss im europäischen Vergleich endgültig zu verlieren und die Abhängigkeit vom Mietmarkt weiter zu zementieren. Die Forscher betonen, dass die derzeitige Entwicklung nicht nur eine Frage der individuellen Lebensqualität sei, sondern auch langfristige Auswirkungen auf die Altersvorsorge und die Vermögensverteilung im Land habe.

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