WissZeitVG-Reform: ver.di fordert Ende der Sonderregeln für Befristungen
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Vorfeld der Anhörung im Deutschen Bundestag zur Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) am 4. November 2026 hat die Gewerkschaft ver.di eine Abschaffung der Sonderregelungen für Befristungen im akademischen Bereich verlangt. Die Organisation übte deutliche Kritik an dem vorliegenden Gesetzentwurf und mahnte verlässliche Beschäftigungsbedingungen an den deutschen Hochschulen an.
Scharfe Kritik an den Plänen der Bundesregierung
Sylvia Bühler aus dem ver.di-Bundesvorstand warf der Bundesregierung vor, mit den aktuellen Vorschlägen das fatale Signal zu senden, dass kein Interesse an nachhaltigen Berufsperspektiven an Hochschulen bestehe.
Nach Auffassung der Gewerkschaft enthält der von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) vorgelegte Entwurf lediglich geringfügige Verbesserungen bei den Mindestvertragslaufzeiten. Damit bleibe das Gesetzesvorhaben hinter den Reformplänen der vorangegangenen Ampel-Koalition zurück.
Besonders beanstandet ver.di, dass die gesetzliche Tarifsperre im Gesetzentwurf unverändert fortgeführt werden soll. Zudem lehnt die Gewerkschaft die vorgesehene Ausweitung der Befristungsmöglichkeiten ohne Sachgrund von zwei auf vier Jahre entschieden ab. Solche Regelungen würden die ohnehin prekäre Situation des wissenschaftlichen Personals weiter verfestigen, anstatt für mehr Planungssicherheit zu sorgen.
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Hohe Befristungsquote und persönliche Konsequenzen
Als zentralen Problembereich beschreibt ver.di das Ausmaß zeitlich begrenzter Verträge im Wissenschaftsbetrieb. Rund 80 Prozent der wissenschaftlichen Beschäftigten an Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten nach Angaben der Gewerkschaft auf befristeten Stellen. Sogenannte Kettenbefristungen stellen demnach selbst für promovierte Fachkräfte den Normalfall dar.
Auf die gravierenden Folgen dieser Praxis verweist ver.di unter Berufung auf wissenschaftliche Studien. Die anhaltende berufliche Unsicherheit habe demnach spürbare Auswirkungen auf Lebensentscheidungen und Arbeitsbedingungen: Befristet Angestellte verzichteten infolge der instabilen Vertragslage häufiger auf eine Elternschaft oder darauf, innerbetrieblich offene Kritik zu äußern.
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Alternativen für dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse
Als Konsequenz fordert ver.di eine grundlegende Neuausrichtung des Arbeitsrechts in der Wissenschaft. Promovierte sollten nicht länger der Qualifikationsphase zugeordnet werden. Für diese Gruppe müsse künftig eine dauerhafte Festanstellung die Regel sein. Sollte das Wissenschaftszeitvertragsgesetz beibehalten werden, sei eine weitreichende Reform erforderlich, die den Entwurf auf die Schaffung zusätzlicher unbefristeter Arbeitsplätze ausrichtet.
Rückenwind für das Anliegen verlässlicherer Strukturen kommt auch aus wissenschaftspolitischen Beratungsgremien. Bereits auf seinen Herbstsitzungen vom 28. bis 30. Oktober 2026 in Kiel bekräftigte der Wissenschaftsrat die Notwendigkeit von mehr unbefristeter Beschäftigung sowie diversifizierten Stellenoptionen im Hochschulsystem. Die Debatte im Parlament markiert einen zentralen Prüfstein für die künftige Personalstruktur des deutschen Forschungsstandorts.
