Wissenschaftszeitverträge, Ministerium

Wissenschaftszeitverträge: Ministerium plant 3 Jahre Mindestlaufzeit

30.05.2026 - 18:09:24 | boerse-global.de

Das Bundesbildungsministerium legt Reformpläne für Wissenschaftszeitverträge vor. Verbände und Politik reagieren gespalten auf die vorgeschlagenen Änderungen.

Wissenschaftszeitverträge: Ministerium plant 3 Jahre Mindestlaufzeit - Foto: über boerse-global.de
Wissenschaftszeitverträge: Ministerium plant 3 Jahre Mindestlaufzeit - Foto: über boerse-global.de

Die Novelle soll die Arbeitsbedingungen für Forscher stabilisieren. Doch Fachverbände und Gewerkschaften reagieren gespalten.

Verbindliche Mindestlaufzeiten geplant

Der Entwurf sieht erstmals verbindliche Mindestvertragslaufzeiten vor. Für Beschäftigte vor der Promotion sollen es mindestens drei Jahre sein. Nach der Promotion sind zwei Jahre vorgesehen. Damit reagiert das Ministerium auf die Kritik an kurzbefristeten Verträgen.

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Die maximale Befristungsdauer in der Postdoc-Phase bleibt bei sechs Jahren. Eine „4+2-Regelung“ mit verbindlicher Anschlusszusage lehnte das Ministerium ab. Künftig sollen Mutterschutz und Elternzeit auch für Drittmittelbeschäftigte gelten. Die Qualifizierungsbefristung bekommt Vorrang vor der Drittmittelbefristung.

Lob und scharfe Kritik

Die Hochschulrektorenkonferenz bewertet den Entwurf grundsätzlich positiv. HRK-Präsident Walter Rosenthal lobte die entschlackten Regelungen. Er warnte jedoch vor Risiken für den Wissenstransfer durch die neue Rangfolge der Befristungsarten.

Ganz anders die Initiative #IchBinHanna und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. „Der Entwurf ist unzureichend“, sagte Aktivistin Kristin Eichhorn. Der Wegfall der Restjahre aus der Promotionszeit sei eine Verschlechterung. Die GEW kritisierte fehlende Perspektiven für Dauerstellen. Die Mindestlaufzeiten blieben teils hinter der Realität zurück, studentische Beschäftigte seien nicht ausreichend berücksichtigt.

Auch aus der Politik kommt Widerstand. Nicole Gohlke (Die Linke) erklärte, die sechsjährige Befristung zementiere ein System existenzieller Unsicherheit. Die Grünen sprechen von einem mutlosen Minimalkompromiss. Die SPD will die Belange der Beschäftigten stärker gewichten.

Debatte um Arbeitszeit verschärft sich

Die Reform fällt mit einer breiteren Diskussion über Arbeitszeit zusammen. Eine aktuelle Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit zeigt: 29 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen fühlen sich häufig oder sehr häufig ausgebrannt.

Die Bundesregierung plant eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes. Statt der täglichen Höchstarbeitszeit soll eine wöchentliche treten. Gewerkschaften wie DGB und NGG warnen vor Gesundheitsschäden durch die Abkehr vom Achtstundentag. Arbeitgeber fordern Lockerungen. Experten plädieren dafür, die Flexibilisierung zunächst auf Bürobeschäftigte zu beschränken.

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Am 10. Juni ist ein Gipfel im Kanzleramt zur künftigen Arbeitszeitgestaltung geplant.

Die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes geht nun in die Verbändeanhörung. Organisationen wie das German Postdoc Network bereiten bereits gemeinsame Stellungnahmen vor.

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